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Extrawurst für Genossenschaft?

© Norbert Millauer

Der Stadtrat will am Mittwoch über ein neues Bauvorhaben im Spitzgrund beschließen. Weshalb in einer Sondersitzung?

Von Ines Scholze-Luft

Coswig. Geht es nach den Plänen der Wohnungsgenossenschaft Coswig (WGC), entsteht in Kürze im Spitzgrund ein neues, kleines feines Wohngebiet. Über die Aussichten fürs „Junge Wohnen“, so dessen Titel, freut sich auch die Stadt. Die Nachfrage gerade von jungen Familien nach Wohnraum ist groß, die Möglichkeit zum Bauen eher beschränkt.

Nun könnten bald 25 Wohnwünsche wahr werden. Eben so viele Wohneinheiten in sieben Häusern sind geplant auf einer 7 200 Quadratmeter großen Fläche zwischen Siedlerstraße und Straße An der Lockwitz. Seit Monaten beschäftigt das Thema Stadtrat und Verwaltung.

Angefangen beim plötzlichen Kahlschlag auf dem künftigen Bauareal, der auch die Anwohner überraschte. Bis zu detaillierten Auseinandersetzungen über die WGC-Pläne, so zu Hausform und Dachneigung, wo die Stadträte Änderungsbedarf hatten. Fragen gab es zum Schallschutz, wegen des Lärms der Bahnlinie Dresden, mit entsprechenden Forderungen für Außenbauteile, auch Fenster, der neuen Gebäude. Bemängelt wurde außerdem zu wenig Grün in dem Gebiet. Der aktuelle Plan zeigt etwas mehr.

All das konnten Interessierte kennenlernen, als die Pläne im Frühsommer öffentlich auslagen. Die nun, samt Anregungen und Einwendungen, nochmals den Stadtrat beschäftigen. Der soll am Mittwoch über den Bebauungsplan entscheiden. In einer Sondersitzung, was mancher Coswiger skeptisch sieht. Weshalb eine Sondersitzung nötig sei und ob die WGC eine Extrawurst gebraten bekäme, so die Anfragen in der SZ-Redaktion.

Die wandte sich damit an die Stadt, wo Bürgermeister Thomas Schubert (parteilos) außerdem beantwortete, was eine zusätzliche Stadtratssitzung die Stadt kostet, einschließlich der Sitzungsgelder. Und wieso der Aufwand bei diesem Thema gerechtfertigt ist.

So außergewöhnlich ist die Sondersitzung des Stadtrates nicht, sagt der Bürgermeister. Letztmalig habe es dies im Jahr 2013 gegeben, wo für das Bauvorhaben Bildungszentrum West eine Sondersitzung anberaumt werden musste.

Die WGC sei an die Stadtverwaltung mit der Bitte herangetreten, den Abwägungs- und Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan Nr. 64 vorzuziehen, da sie das Projekt schnellstmöglich umsetzen will und bereits in diesem Jahr beginnen möchte. Dazu ist Baurecht notwendig, sagt Thomas Schubert.

Und erklärt, dass dieser Wunsch legitim und nachvollziehbar sei, wenn man berücksichtige, dass der reguläre erste Stadtrat nach der Sommerpause erst am 2. Oktober ist und weitere Zeit für die Bekanntmachung des B-Planes verloren geht. Da bleibe nicht mehr viel Zeit zum Bauen im Jahr 2018 übrig. Insofern sei es schon von Vorteil, sechs bis sieben Wochen Zeit zum Bauen zu gewinnen.

Bürgermeister Schubert zufolge kann die Verwaltung eine solche Entscheidung nicht allein treffen, denn die Stadträte haben sich eine Geschäftsordnung mit einem festen Sitzungsregime gegeben. Insofern gab es in der Stadtratssitzung Ende Juni eine mehrheitliche Entscheidung – 21 Stimmen dafür, zwei dagegen, eine Enthaltung – des Stadtrates, der WGC mit einer Sondersitzung am 15. August in der Sommerpause entgegenzukommen.

„Gleichzeitig kommen wir damit aber auch der Bevölkerung entgegen, denn damit beschäftigt sich diese Stadtratssitzung ausschließlich und ausführlich mit diesem Thema, sodass mehr Zeit zur Diskussion dieses für die Stadtentwicklung im Spitzgrund sicherlich bedeutenden Bauvorhabens bleibt und nicht in eine sehr lange Tagesordnung einer regulären Sitzung gezwängt wird“, sagt Thomas Schubert.

Und geht schließlich aufs Finanzielle ein. „Kosten entstehen an zusätzlichem Sitzungsgeld der Stadträte, für Saalmiete und Verpflegung von insgesamt maximal 1 400 Euro, da sicher urlaubsbedingt nicht alle Stadträte anwesend sein werden.“

Sondersitzung Stadtrat Coswig, 15.8.2018, 19 Uhr, Gesellschaftssaal der Börse Coswig, Thema: Bebauungsplan Nr. 64 „Junges Wohnen im Spitzgrund“.