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Extremer Sommer in Sachsen

Das Wettergeschehen ist alles andere, nur nicht normal. Drei Monate Trockenheit haben die Landwirtschaft an den Rand des Notstands getrieben. Nach etwas Regen geht es nun weiter mit Hitze und Dürre. Immer wieder kommen auch Starkniederschläge.

© Sebastian Willnow/dpa

Von Stephan Schön

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Dresden/Leipzig. Das Wettergeschehen ist alles andere, nur nicht normal. Drei Monate Trockenheit haben eine Dürre gebracht, die die Landwirtschaft an den Rand des Notstands treibt. Die wenigen Liter Regen der letzten Tage sind nichts, verglichen mit den Wasserdefiziten der letzten Wochen, sagt Meteorologe Gerold Weber vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Auch die nächsten Tage werden wieder heiß.

So lange warm, so wenig Wasser, so viele Sonnenstunden – das alles bringt das Jahr 2018 schon jetzt in Richtung Rekord, hat die DWD-Klimaabteilung in Potsdam für Deutschland zusammengerechnet. Sommertage mit mehr als 25 Grad gab es bislang in diesem Jahr fast doppelt so viele wie üblich. 39 Sommertage waren es bereits in Dresdens Innenstadt, 26 Sommertage an der Wetterstation Dresden Klotzsche. 15 Tage wären hier normal, nimmt man den Durchschnitt der letzten 30 Jahre zum Vergleich. Es fehlen 150 Liter Wasser je Quadratmeter sachsenweit. Das entspricht anderthalb Monatsmengen ausgerechnet in der wichtigsten Vegetationsperiode.

Die teils schon katastrophalen Folgen sind unübersehbar auf Feldern und Weiden, in Gärten und Wäldern. Der Motor für diese extreme Witterung befindet sich in der Arktis. Die erwärmt sich momentan schneller als alle anderen Regionen der Erde. Das aber verschiebt den Jetstream, eine globale Luftströmung um den Pol. Diese ist eine Art Förderband für Tiefs. Und das geht nun weit unter uns im Süden entlang.

Blockierende Wetterlage nennt sich das. Solche Wetterlagen sind sehr stabil und bringen uns entweder kalten Dauerregen im Sommer oder Hitzewellen, erklärt Meteorologieprofessor Christian Bernhofer von der TU Dresden. Seit drei Monaten steht das System auf Hochsommer für uns. „Wie lange es noch andauert, ist jedoch offen.“ Auch wenn es immer wieder mal Starkregen in einige Regionen gibt. „Momentan sieht es nicht so aus, als ob sich die Wetterlage prinzipiell ändern würde“, sagt Bernhofer. Hitze und Starkregen nehmen prinzipiell in Dauer und Stärke zu. Heiße Tage mit über 30 Grad gab es in Tharandt beispielsweise insgesamt nur in fünf Jahren, die meisten waren gerade erst: 1971, 2000, 2005, 2012, 2018.

„Das Wettersystem kann heute Dinge produzieren, von denen wir angenommen hatten, dass sie nach unserer Statistik extrem selten sind und in Tausenden Jahren eigentlich nicht stattfinden“, sagt Bernhofer. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass aus dem einst hundertjährigen Sommer von 2003 ein zehnjähriger Sommer wird, vielleicht auch ein ganz normaler. Dann aber liegen die Extreme noch ganz woanders.