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Deutschland & Welt

Werbe-Boykott gegen Facebook

Das Netzwerk steht wegen Hass, Propaganda und Fake News in der Kritik. Immer mehr Werbekunden boykottieren es - und Facebook bewegt sich nun.

Das soziale Netzwerk Facebook empfinden viele mittlerweile als asoziales Netzwerk.
Das soziale Netzwerk Facebook empfinden viele mittlerweile als asoziales Netzwerk. © dpa/Fabian Sommer

London/New York. Facebook gerät wegen seines umstrittenen Umgangs mit rassistischen, hetzerischen und manipulativen Inhalten immer stärker unter Druck. Der Konsumgüterriese Unilever gab am Freitag bekannt, bis zum Jahresende keine US-Werbung mehr bei dem Online-Netzwerk und seiner Tochter Instagram zu schalten. 

Damit erhält ein in der Vorwoche gestarteter Anzeigen-Boykott gegen die Plattform bedeutenden Zulauf. Unilever nimmt auch Twitter in die Pflicht - hier soll es vorerst ebenfalls keine Werbung mehr geben.

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Der niederländisch-britische Konzern begründete seine Entscheidung mit der Verantwortung der Unternehmen im Umgang mit kontroversen Beiträgen im Netz - speziell angesichts der angespannten politischen Atmosphäre in den USA. Facebook und Twitter müssten mehr tun, besonders bei Hasskommentaren und spalterischen Beiträgen während des US-Wahlkampfes. Sein US-Werbebudget will Unilever indes nicht kürzen, die geplanten Ausgaben sollen nun auf andere Unternehmen verteilt werden. 

Facebook reagiert auf den Druck

Das Netzwerk reagierte am Freitagabend auf den wachsenden Druck und will künftig stärker gegen Hassnachrichten vorgehen sowie Falschmeldungen vor den US-Präsidentschaftswahlen löschen. Inkorrekte Inhalte, die Menschen in den drei Tagen direkt vor der Abstimmung im November vom Wählen abhalten sollen, würden entfernt, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg in Palo Alto. Außerdem würden die Standards für Werbung erhöht, um auch dort abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben zu blockieren. Zuckerberg kündigte zudem an, einige Facebook-Inhalte, die eigentlich gegen die Richtlinien des verstoßen, aber zum Beispiel aufgrund eines Prominenten Absenders nachrichtenrelevant sind, künftig mit Hinweisen zu flankieren. "Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt", so Zuckerberg. 

Hintergrund der anhaltenden Kritik ist ein Tweet Trumps, der auch auf dessen Facebook-Profil gespiegelt wurde. Darin reagierte der US-Präsident auf erste Ausschreitungen in Minneapolis nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt. Der Präsident schrieb, man werde die Kontrolle wiederherstellen, und er fügte hinzu: "Wenn Plünderungen beginnen, wird geschossen". 

Zuckerberg hatte die Äußerungen zwar persönlich verurteilt, aber gleichzeitig erklärt, dass sie im öffentlichen Interesse weiter zugängig sein müssten. 

Unilever-Boykott ist kein Einzelfall

US-Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen in der vergangenen Woche zu dem Boykott gegen Facebook aufgerufen. So soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden - Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen. 

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Etliche Unternehmen, darunter der US-Mobilfunk-Gigant Verizon und die bekannten Outdoor-Marken The North Face und Patagonia hatten sich der Initiative #StopHateForProfit angeschlossen. Unilever - dessen Eiscreme-Marke Ben & Jerry's ebenfalls schon mit dabei war - geht nun aber noch einen Schritt weiter - denn eigentlich ging es bei der Aktion zunächst nur um einen Werbe-Boykott im Juli. An der Börse gerieten Facebook und Twitter nach der Mitteilung des Konsumgüterkonzerns stark unter Druck. (dpa) 

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