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Facharbeiter von morgen

Bei der neunten Berufswahlbörse gewinnt die Oberschule weitere Unternehmen als langfristige Partner. Die Schüler profitieren.

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© IHK Dresden

Von Marcus Herrmann

Nossen. Trotz schwülwarmer, stickiger Luft in der Turnhalle der Dr.-Eberle-Oberschule ist der Andrang am Montagabend groß. Die Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK) hat Unternehmen aus der Region eingeladen, sich den Oberschülern von Angesicht zu Angesicht vorzustellen. Dieses Mal sind bei der neunten Auflage der Berufswahlbörse 25 verschiedene, potenzielle Arbeitgeber gekommen. „Das Spektrum ist besonders groß, weil wir auch Betriebe dabei haben, die für unsere Mädchen interessanter sind. Hier hatte es zuletzt Anregungen gegeben, das zu verbessern“, sagt Schulleiter Michael Janik.

Und so sind an den einzelnen Ständen nicht nur technische Berufsanbieter wie Scholl-Glas aus Nossen versammelt, sondern unter anderen Mitarbeiter eines Friseur-Salons, eines Lebensmittelmarktes oder von Berufsbildungsinstituten wie der Heimerer Akademie. Was das Ziel der Veranstaltung ist und wie nützlich diese sein kann, erfährt, wer zum Stand der UKM Fahrzeugteile GmbH geht. Hier berät Mitarbeiter Achim Thümmler gerade einen 14-jährigen Oberschüler und dessen Mutter über Ausbildungsmöglichkeiten in der Hirschfelder Betriebsstätte der UKM.

Mit Schülern aus Nossen habe er bereits gute Erfahrungen gemacht, sagt Thümmler. Jährlich gebe es zwischen fünf und sieben Bewerbungen aus der Oberschule. Dass es auch mit einer Ausbildung klappen kann, zeigt der 17-jährigen Niklas Goldammer. „Er hat seinen Hauptschulabschluss an der Oberschule gemacht und im August eine Lehre zum Zerspanungsmechaniker bei uns begonnen“, erzählt Thümmler. Der Kontakt sei bei der letztjährlichen Berufswahlbörse entstanden. Nun steht Goldammer neben ihm und berät andere Schüler, die es ihm gleich tun wollen.

Neben der UKM haben am Montag fünf weitere Firmen Partnerschaftsverträge mit der Eberle-Schule unterschrieben. Darunter sind Schaumaplast Nossen, die Gebrüder Jehmlich GmbH oder die Rewe, Zweigniederlassung Ost. Und auch die erstmals vertretene La Ola Zentralküche unterschreibt die Vereinbarung. „Darin erklären wir uns bereit, interessierte Schüler ein oder mehrmals im Schuljahr bei uns zu empfangen, sie über die Abläufe zu informieren. Zum anderen werden wir uns öfter an der Oberschule blicken lassen, etwa an Tagen zur Berufsorientierung“, beschreibt La Ola-Marketing-Assistentin Sandra Müller die Inhalte.

Azubis gesucht

Das Unternehmen sucht für seinen Standort in Obergruna noch fünf Auszubildende. „Wir denken, dass wir hier vielversprechende Interessenten zwischen 14 und 16 Jahren finden können“, so Müller. Unter ihnen ist auch der Neuntklässler Christoph Najman, der sich zusammen mit seiner Mutter Nicole am Stand von La Ola beraten lässt. „Eigentlich will Christoph aber lieber Landwirt werden. Deshalb haben wir bereits einige Unterlagen vom Tisch des Beruflichen Schulzentrums für Agrarwirtschaft und Ernährung mitgenommen“, so Nicole Najman.

Die Veranstaltung findet sie sehr nützlich, weil es den Jugendlichen helfe, Ideen zu sammeln und in einen ersten persönlichen Kontakt zu den Ausbildern in spe zu treten. Genau diesen Ansatz verfolgt die IHK. „Viele Schüler wissen gar nicht, welche exzellenten Betriebe sie vor der eigenen Haustür, in der eigenen Umgebung haben“, sagt Torsten Köhler, Geschäftsführer im Bereich Bildung bei der IHK.

Durch die Vermittlung der Partnerschaften wolle man den Schülern, die aktuell aus über 360 betrieblichen Ausbildungen wählen könnten, Orientierung bieten. Über 8 000 Unternehmen in Ostsachsen hätten mit Berufsbörsen gute Erfahrungen gemacht. „Für die Betriebe wird diese Form der Nachwuchsgewinnung zunehmend attraktiver. Deshalb kommen inzwischen immer mehr direkt auf uns zu, um selbst vertreten zu sein“, so Köhler. Über die Kooperation freut sich auch Schulleiter Janik. „Sie rundet unsere ab Klasse 7 beginnende Berufsorientierung sinnvoll ab. Zum Beispiel geben wir einen Berufswahlkompass an unsere Schüler aus, den sie bis zur Abschlussreife in Klasse 10 bei sich haben und darin ihre Aktivitäten nachweisen“, sagt er. Die langfristige Partnerschaft zu Unternehmen bringe allen Seiten etwas. „Unsere Schüler bekommen etwa bevorzugt Plätze für Praktika. Dafür bieten wir Veranstaltungen wie die Berufswahlbörse an.“