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Fachkräfte dringend gesucht

Handwerker, Landwirte und die Industrie – vielen Betrieben fehlt der Nachwuchs. In Bautzen gingen am Wochenende mehr als 80 Firmen in die Offensive.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

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Bautzen. Ein Berufseignungstest hatte ergeben, dass Isa-Marie Maleskat aus Cunewalde eine gute Tischlerin abgeben würde. Deshalb suchte die Neuntklässlerin am Sonnabend beim Zukunftsnavi in der Bautzener Berufsakademie den Stand von Tischlermeister Christoph Heinke aus Crostau auf, der zugleich die gesamte Tischlerinnung vertrat. Den Chef von zehn Mitarbeitern freute das Interesse der jungen Frau. Denn Nachwuchs werde in seiner Branche dringend gebraucht und der Tischlerberuf eigne sich sehr gut auch für Mädchen. Er riet Isa-Marie, für eine Ferienarbeit oder ein Praktikum in seinem Betrieb vorbeizuschauen.

Insgesamt 82 Unternehmen warben beim Zukunftsnavi um Berufsnachwuchs und auch die Studienakademie stellte sich und ihre Angebote vor. Insgesamt 820 junge Leute informierten sich am Sonnabend über ihre Ausbildungschancen. Und diese stehen für Jugendliche so gut, wie schon lange nicht mehr. Nachwuchssorgen haben Vertreter nahezu aller Branchen.

Leider sei die Landwirtschaft für viele junge Leute heute nicht mehr sehr attraktiv, bedauert Ausbilderin Karola Urban von der Budissa Agrarprodukte. Aber diejenigen, die an ihrem Stand nachfragten, hätten schon sehr konkrete Vorstellungen. Die Budissa Agrarprodukte ist der Trägerbetrieb eines Ausbildungsverbundes, der gewährleistet, dass Lehrlinge in unterschiedliche Formen des agrarischen Wirtschaftens hineinschauen können, also in kleinere, mittlere und größere Betriebe. Mit dem Agrarbetrieb in Großdrebnitz ist dabei sogar ein Unternehmen am Start, das seit 2017 auf Bio-Landbau umstellt.

Die Jugendlichen haben die Wahl

Frank Zahn, Ausbildungsleiter beim Presswerkzeugbau Großdubrau, sieht die Notwendigkeit, auf die Ausbildungsangebote aufmerksam zu machen, mehr denn je. Messen wie das Zukunftsnavi gehörten unbedingt dazu, wie er sagte. Heute könnten sich die Jugendlichen, die die entsprechenden Voraussetzungen aufweisen, ihre Ausbildungsstätte aussuchen. Auch wenn der Bedarf an Lehrlingen im Formen- und Werkzeugbau sowie in der Kunststoffverarbeitung groß sei, könne man aber auch nicht jeden nehmen, wenn die Grundvoraussetzungen fehlten. In Großdubrau würden zurzeit 20 Lehrlinge ausgebildet.

Großen Bedarf an neuen Mitarbeitern jeden Alters hat die Oberlausitz Pflegeheim und Kurzzeitpflege. Cindy Halgasch, die dort seit August Personalsachbearbeiterin ist, hatte zuvor an der Bautzener Berufsakademie Public Management studiert. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Besucher an ihrem Stand darüber zu informieren, wie vielseitig der Beruf des Altenpflegers ist. Viele würden damit nur die unmittelbare Pflege verbinden. Doch zum Berufsbild gehörten auch Ausbildungsinhalte wie Krankheitsbilder oder die genaue Dokumentation.