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Fährt die Bahn jetzt überhaupt nicht mehr?

Für weitere vier Wochen stellt die Städtebahn den Zugverkehr von Neustadt nach Sebnitz ein – obwohl es zuletzt wieder mehr Fahrgäste gab.

© Dirk Zschiedrich

Von Anja Weber

Neustadt/Sebnitz. Ab dem 29. Mai sollten die Züge der Städtebahn zwischen Sebnitz und Neustadt wieder rollen. Aber daraus wird nichts. Die Städtebahn wird nun bis zum 30. Juni keine Züge mehr zwischen Neustadt und Sebnitz einsetzen. Es mangelt weiter an Lokführern. Das bestätigt Marketingleiterin Franziska Straube.

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Für zusätzliche Verwirrung sorgte am Dienstag, dass bis zum Mittag auch zwischen Pirna und Neustadt Busse statt Bahnen fuhren. Grund war, dass der Lokführer ausgefallen war, sagt Straube. Das sei allerdings einmalig gewesen. Auf der Strecke zwischen Neustadt und Pirna werde weiterhin ein Triebwagen verkehren. Nur die Verbindung von Neustadt nach Sebnitz werde derzeit nicht per Bahn bedient.

Ausfallen soll die Verbindung nicht. Alles wird im Schienenersatzverkehr gefahren. Trotzdem macht sich unter den Fahrgästen, die in Sebnitz vor dem Bahnhof auf den Bus warten, Unmut breit – vor allem auch wegen der Hitze. „In den Zügen ist es kühler als im Bus. Außerdem ist es angenehmer zum Sitzen. Die Städtebahn sollte sich endlich mal etwas einfallen lassen. Schließlich bezahlen wir ja dafür“, sagt Astrid Berndt. Die Sebnitzerin nimmt den Zug täglich, um nach Neustadt zu ihrer Arbeit zu kommen. Sie habe den Verdacht, dass die Städtebahn die Strecke nicht mehr bedienen will, weil sie sich nicht rechnet. „Es fahren nicht viele Leute mit, zumindest nicht zu den Zeiten in denen ich mit dem Zug fahre“, sagt sie.

Keine Entschädigung für Reisende

Das allerdings sei nach wie vor nicht der Grund, teilt die Städtebahn mit. Man wolle die Strecke auch gern bedienen. „Nur fehlen noch immer die Lokführer“, sagt Marketingleiterin Franziska Straube. Es habe zwar, auch auf die Pressemitteilung hin, Bewerbungen gegeben. Doch die müsse man erst prüfen. Außerdem würden die Neu-Lokführer auf der Strecke eine gewisse Einarbeitungszeit benötigen. „Das alles ist zwar nicht schön. Aber wir haben eben jetzt einen Engpass.“ Ob und wann der aufgehoben ist, kann die Städtebahn derzeit nicht sagen. Dort setzt man jetzt auf den Monat Juli. Aufgrund von Bauarbeiten werden andere Strecken für den Zugverkehr gesperrt. Dann wären Lokführer frei.

Beim Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) wird man langsam ungeduldig. Schließlich hat das Unternehmen an die Städtebahn die Strecke vergeben, damit dort auch ein Zug fährt. „Wir haben von der Städtebahn einen Maßnahmekatalog gefordert, in dem sie uns erklärt, wie das Problem so schnell wie möglich gelöst wird“, sagt Christian Schlemper, Pressesprecher beim Verkehrsverbund Oberelbe. Der Lokführermangel betreffe nicht nur die Städtebahn. Damit habe jedes Bahnunternehmen zu kämpfen. Deshalb erwarte der VVO, dass die Städtebahn Lokführer findet.

Die jetzige Situation wertet der Verkehrsverbund als komplett kontraproduktiv. Schließlich habe man in letzter Zeit gerade auf dieser Strecke mehr Züge eingesetzt, um die Wünsche der Fahrgäste zu erfüllen, und vor allem, um mehr Nutzer auf die Schiene zu bekommen.

Steigende Fahrgastzahlen zwischen Neustadt und Sebnitz hätten gezeigt, dass diese Entscheidung richtig war, sagt Christian Schlemper. „Die Fahrgäste erwarten aber Kontinuität und wollen sich auf die Städtebahn verlassen.“ Hinzu komme, dass die Städtebahn durch die Ausfälle finanzielle Einbußen habe. Da sie im jetzigen Zustand den Vertrag nicht erfülle, zahle der VVO geringere Zuschüsse an das Unternehmen. Die Fixkosten fallen dennoch an, da die Städtebahn Gleise und Bahnhöfe nutzt. Die gehören aber der Deutschen Bahn.

Fahrgäste, die wie Astrid Berndt Abo-Tickets haben, bekommen übrigens keine Entschädigung. Das bestätigt der VVO. Die gibt es nur bei Verspätung oder Ausfall. Da aber im Schienenersatzverkehr gefahren wird, gilt die Strecke als bedient.