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Fällt die Ein-Euro-Grenze?

Die Preise für Diesel und Benzin sind auf dem tiefsten Stand seit sechs Jahren. Doch keiner weiß, wie lange.

© Arvid Müller

Von Philipp Siebert

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Diesel für 1,059 Euro pro Liter. Super kostet 1,239 Euro. Nein, dieses Foto von der Preisanzeige der Lößnitz-Tankstelle in Rabebeul-West ist kein sechs Jahre altes Archivfoto. Der Beweis: Damals gab es noch kein E10. Das Bild wurde vor wenigen Tagen aufgenommen.

Geht es nach Michael Müller können die Spritpreise ruhig weiter fallen. Unter der Woche fährt der 45-Jährige jeden Tag von Großenhain nach Radebeul zur Arbeit. 60 Kilometer sind es – das geht ins Geld. Mehr als 100 Euro zahlt er pro Monat für Sprit. Das war zumindest vor drei Monaten noch so. Derzeit muss er wegen der günstigen Ölpreise nur noch etwa 70 Euro monatlichen fürs Benzin ausgeben. „Das merke ich in der Brieftasche deutlich.“

Kürzlich boten zwei Tankstellen im schleswig-holsteinischen Elmshorn ihren Diesel eine Zeit lang für 99,9 Cent an. Das gab es zuletzt im März 2009. Auch im Landkreis Meißen ist die Ein-Euro-Grenze an einigen Tankstellen beinahe erreicht. Allerdings ist im Durchschnitt diese Marke noch ein ganzes Stück entfernt. Ein Blick in die Kraftstoffpreistabelle des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) zeigt: Ein Liter Super kostet im bundesweiten Mittel 1,252 Euro. Der aktuelle Dieselpreis liegt im Schnitt bei 1,120 Euro pro Liter.

Wer aber denkt, dass die Tankstellenbetreiber an niedrigen Preisen gut verdienen, der täuscht sich. Denn nur weil das Benzin günstig ist, würden sich die Kunden ja nicht bevorraten, meint ein Tankstelleninhaber aus Coswig, der anonym bleiben möchte. Je nach Preis an der Zapfsäule gehen 50 bis 75 Prozent der Einnahmen an den Staat. Unter der rot-grünen Bundesregierung wurde die Mineralölsteuer zum Januar 2003 erhöht. Drei Jahre später wurde sie in Energiesteuer umbenannt. Der Steuersatz ist seit 2003 stabil: Pro Liter Benzin werden 65 Cent Energiesteuer abgeführt, diese Steuer sowie die eigentlichen Produktkosten werden anschließend mit 19 Prozent Mehrwertsteuer noch einmal versteuert. Beim Diesel beträgt die Energiesteuer seit 2003 pro Liter 47 Cent.

Die Kunden scheint das derzeit jedoch weniger zu kümmern. Stattdessen sorgen die niedrigen Preise in den Tankstellen für ungewohnt lockere Atmosphäre. „Ich mache gleich voll“, sagt ein älterer Herr, der mit seinem BMW die Radebeuler Esso-Tankstelle an der Stadtgrenze zu Dresden angesteuert hat. „Der Preis ist super.“

Die gute Laune der Kunden ist auch den Tankstellenbetreibern nicht verborgen geblieben. „Die Leute sind gelassener“, sagt Cornelia Centner von der Lößnitz-Tankstelle. Und: „Unsere Kunden tanken großzügiger.“ Mit fünf Litern hantiert derzeit kaum jemand an der Zapfsäule rum.

Immer die besten Preise für die Kunden zu erzielen, ist aber ein schwieriger Kampf. „Wir versuchen, unter den anderen Anbietern zu bleiben“, sagt sie. Beinahe stündlich vergleicht sie deshalb im Internet die Preise der umliegenden Tankstellen. Verlangen die etwas weniger, tut es Cornelia Centner auch. „Im Vergleich zu den großen Mineralölfirmen können wir den Preis im Schnitt immer um einen weiteren Cent senken.“

Diese Entwicklung findet die Tankstellen-Betreiberin ungewöhnlich. Der vergleichsweise niedrige Benzin- und Dieselpreis mache sich allerdings zu den Stoßzeiten durchaus bemerkbar. „Abends stehen die Leute Schlange“, sagt die Radebeulerin. Wie der Trend weitergeht, oder ob die Ein-Euro-Grenze beim Diesel in den nächsten Tagen auch im Elbland fällt, wagt sie jedoch nicht zu prophezeien.

„Eine wichtige Rolle bei der Spritpreisentwicklung spielt der Rohölpreis“, heißt es vom ADAC. Bis 2007 habe der auf hohem Niveau gelegen, was zur Erschließung vieler neuer Quellen vom kanadischen Ölschiefer bis zur brasilianischen Tiefsee geführt habe. Aufgrund der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung fiel anschließend das Wachstum geringer aus als prognostiziert. Hinzu kamen politische Einflüsse wie der Beschluss der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), das Förderziel nicht zu reduzieren. Dadurch schieße der Rohölpreis weiter nach unten.

Das niedrige Niveau wird noch eine Weile anhalten, sagen die Experten. Doch mittelfristig erwarten sie, dass sich der Preis wieder erhöht. Besonders vor der Reisesaison sei mit einem Anstieg zu rechnen.

Spritpreise im Überblick: www.adac.de/tanken

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