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Fahrlehrer im Endlos-Kreisverkehr

Der 11. politisch-karnevalistische Frühschoppen des Kamenzer Karnevalsclubs überzeugte mit Witz und Gefühl.

© Matthias Schumann

Von Frank Oehl

Das Leben ist ein Hamsterrad – beziehungsweise ein Kreisverkehr. Stadtbüttel Lorenzo mimte beim 11. politisch-karnevalistischen Frühschoppen des Kamenzer Karnevalsclubs am Sonntag unter anderem einen Fahrlehrer. Er nahm seiner Angetrauten, der Charlotte de Cognac, sogar den Idiotentest ab, was in Theorie und Praxis auch die richtige Vorgehensweise in abgerundeten Straßenkreuzungen einschloss. Die besungene Fahrschule tendierte in eine Endlosschleife, was sowohl für die Lenkrad-Elevin, als auch den Fahrlehrer mit Schwindelgefühlen verbunden war. Wie kommt man aus dem betörenden Kreiseln wieder heraus? Eigentlich geht es immer nur rechts ab – aber das ist zumindest politisch auch keine Lösung. Der Schlachtruf „Petri Heil!“ mit angedeuteter Streckarm-Geste jedenfalls ist dem Vollblut-Kabarettisten Steffen Lorenz schon zuvor im Ansatz steckengeblieben. Das war ein Höhepunkt der pointierten Zuspitzung gegenwärtiger Probleme im Land. Nicht nur einmal setzte Lorenzo damit dem Zeitgeist ein Stoppzeichen auch im großen Saal des Hotels Stadt Dresden. Das beste Lachen ist manchmal das, welches gerade noch so im Halse steckenbleibt.

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Bilder vom Kamenzer Frühschoppen

Treffender Witz statt bedingungslosem Frohsinn

Der KKC-Frühschoppen ist längst Kult in Kamenz. Die Karten sind innerhalb von Stunden verkauft, und mehr als 500 Leute passen halt nicht rein in den Saal, wenn es auch einen Bedienungsservice geben soll. Früher war etwas mehr Pappnase – aber im Politisch-Karnevalistischen zählt sowieso eher nicht der besinnungslose Frohsinn, sondern der treffende Witz in den wesentlichen Fragen des Lebens. Das Besondere in Kamenz ist dabei die kommunale Ebene, die immer wieder vom Stadtbüttels seziert wird, der Narrenfreiheit genießt. Wenigstens einmal im Jahr. „Hier putscht niemand“, gab Lorenzo dem OB zu Protokoll, um anschließend seine ironisches Klagelied anzustimmen: „Immer bist du der Bestimmer!“ Der Stadtbüttel stänkert halt gern – aber der narrenkappenbewährte OB hat sich damit abgefunden. Er wusste schon vorher, dass, wer den Schaden hat, für den Spott nicht wird sorgen müssen. Oder mit den Worten Lorenzos: „Alle hier wissen natürlich, dass das Einzige, was unserem OB auf die Füße treten darf, ein Pferd ist.“ Und dass bei der Audienz der „aufmüpfigen Bürgermeister“ aus dem Landkreis bei der Königin im Kanzleramt (OB Dantz war Chef dé mission gewesen) nichts Wesentliches herausgekommen sein kann – Schwamm drüber!

Hommage an eine „Kamenzer Nase“

Seinen emotionalen Höhepunkt hatte der Frühschoppen an ganz anderer Stelle. Lorenzo glänzte mit einer Hommage an Gisela Kuhnt, einer „Kamenzer Nase“. Sie sei ein Original gewesen, was jeder im Saal bestätigen kann. Sie habe Witz und frohe Lieder gehabt und sei leider viel zu früh gestorben, so Lorenzo. „Und mir ist auch schon ganz schlecht.“ Gegen Depressionen dieser Art hilft Musik, ganz klar. Also adaptierte der Stadtbüttel die Gilbert-Bécaud-Hymne „Nathalie“. Als stattdessen „Gisela“ erklang, sang der ganze Saal mit. Und klatschte den russischen Rhythmus. Auch das konnte man als Botschaft verstehen.