merken

Fahrspaß mit rollendem Veteran

Drei Jahre hat Sascha Markus am Oldtimer DKW F 8 geschraubt. Nun rollt der schmucke Zweitakter wieder.

© Dietmar Thomas

Von Dagmar Doms-Berger

Gersdorf. Für Sascha Markus war es Liebe auf den ersten Blick, als er den alten DKW F 8 in einer Garage im nordrhein-westfälischen Kerpen sah. Der zweite Blick offenbarte den verrotteten Zustand des 66 Jahre alten Automobils und die Ahnung, dass die Restaurierung des Oldtimers ein Lebenswerk werden könnte. Das war vor 14 Jahren.

Anzeige
Raus in die Natur!
Raus in die Natur!

Sie sind noch auf der Suche nach einem neuen Ausflugsziel in der Region? Wie wäre es denn mit Großenhain?

Das Armaturenbrett im Schick der 40er zu finden, war sehr schwierig und aufwendig.
Das Armaturenbrett im Schick der 40er zu finden, war sehr schwierig und aufwendig. © Dietmar Thomas
Die Holzkarosse musste komplett neu gebaut werden. Der erste Nachbau war eine Fehlkonstruktion.
Die Holzkarosse musste komplett neu gebaut werden. Der erste Nachbau war eine Fehlkonstruktion. © privat

Wenn Sascha Markus heute in seiner Cabrio-Limousine Baujahr 1949 sitzt, den Anlasser bedient, Gas gibt, horcht, riecht, gefühlvoll schaltet und der Zweitaktmotor heult, dann ist das „wie eine Zeitreise in die Vergangenheit“. Das Sitzgefühl gleicht dem auf einem Gartenstuhl. Auf- und Abblenden geschieht über einen Fußschalter neben der Kupplung. Eine Heizung gibt es nicht. Der Kofferraum fasst etwa vier Kästen Sekt, das Gepäck muss über den Fond in den Kofferraum eingefädelt werden. Der Platz ist beengt, die Höchstgeschwindigkeit mit 85 Kilometern pro Stunde begrenzt. Das schwarze Verdeck wird per Hand eingerollt. Nostalgie pur.

Mit dem Oldtimer hat sich für den 33-jährigen Gersdorfer ein Kindheitstraum erfüllt. Mehr noch. Für ihn entspricht der Oldtimer einer Lebensart. Beim Fahren mit dem DKW F 8 gehe noch alle Macht vom Fahrer aus – ohne Bevormundung durch Einparkhilfe, Einschlafwarner und Stabilitätskontrolle.

Als Kind hatte Sascha Markus irgendwann einen F 8 gesehen und geriet ins Schwärmen. Seine Sehnsucht stillte der junge Mann über Jahre mit dem Schrauben an Motorrädern und Autos. Der Wunsch Kfz-Mechaniker zu werden war die logische Folge, die Realität führte ihn in die Tischlerwerkstatt. Heute ist er Geschäftsführer der Arche Wohnstätten gGmbH in Waldheim.

Sein Oldtimer wurde in Zwickau gebaut und war bis 1958 Eigentum der VEB Stahl- und Brückenbau Ruhland. Bis Sascha Markus ihn erwarb, wechselte der F8 mehrfach den Besitzer in der DDR und ging schließlich nach Nordrhein-Westfalen. Vor drei Jahren begann Sascha Markus mit der Restaurierung. Das Auto lag in zahllosen Einzelteilen in der Garage. Markus befasste sich mit der Herstellungstechnologie, las zahlreiche Reparaturbücher und machte sich in Foren schlau, um aus den Einzelteilen den Originalzustand wiederherzustellen. Die DKW-typische kunstlederbespannte Sperrholzkarosse war verrottet, der 18 PS starke Motor musste entkeimt werden. Probleme bereitete die Elektrik. Sascha Markus entrostete, schraubte, lackierte. Drei Jahre war er im Internet auf Oldtimer-Plattformen nach Ersatzteilen unterwegs. Er kennt jede Schraube an seinem Auto. Als schwierig und zeitaufwendig erwies sich die Suche nach einem originalen Armaturenbrett. Der Nachbau der Holzkarosse ließ ihn fast verzweifeln. Der erste in Auftrag gegebene Nachbau entpuppte sich als Fehlkonstruktion. Geld und Zeit flossen dahin. Die Freizeit verbrachte er mit seinem F 8. Seine Frau unterstützte ihn mit ihrer Toleranz. Insgesamt musste Sascha Markus 75 Prozent der Teile austauschen – gegen originalen oder nachgebaute. Allein der Materialwert entspricht einem Mittelklassewagen. Verändert hat er nur die Dynastart-Anlage, denn er hat die Elektrik der Beleuchtung wegen von sechs auf zwölf Volt umgestellt. „Das ‚Teelicht‘ reichte nicht zum Fahren“, so Markus. Nach drei Jahren ging dann die erste Fahrt mit Familie zum Picknick nach Westewitz. „Es war ein herrlicher Moment, als wir über die Dörfer tuckerten“, erinnert sich der Gersdorfer.

Im Landkreis Mittelsachsen fahren laut André Kaiser, Sprecher des Landratsamtes, 964 zugelassene Oldtimer mit H-Kennzeichen, unter ihnen aber vorrangig die Marken Trabant (760), Wartburg (160) und Lada (38). Deutschlandweit sind es rund 350 000. Die Anzahl ist steigend – aus Fahrfreude oder als rollende Geldanlage. Der mögliche Spekulationsgewinn aber ist für Sascha Markus nicht von Bedeutung. Für ihn zählt allein der nostalgische Fahrspaß.