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Falsch-Tanker verursacht Großeinsatz

Nach der irrtümlichen Betankung seines Geländewagens mit Benzin agiert ein schwedischer Autofahrer in Thiendorf als Umweltverschmutzer von Format.

Birgit Ulbricht

Thiendorf.Thiendorf. Die Burger-King-Mitarbeiter trauten ihren Augen nicht. Ein BMW-Fahrer pumpte den Inhalt seines Tanks ungeniert in den Regenwasserkanal. Zu dieser Zeit, am Samstagnachmittag, war das Schnellrestaurant gut besucht. Genauso wie beim Nachbarn McDonalds treffen sich hier auch viele Jugendliche. Nebenan bei Netto gingen die Kunden noch ihren Wochenendeinkäufen nach.

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Die Burger-King-Angestellten liefen zu dem Mann und versuchten auf ihn einreden, dass er das sofort lassen soll. Denn was der Mann, ein Schwede (37), aus dem BMW X5 abließ, war Benzin. Doch der Autofahrer machte unbeeindruckt weiter, sodass die Mitarbeiter die Polizei anriefen.

Beim Ablassen ging der BMW-Fahrer sogar technisch versiert vor: Er hatte die Rückbank ausgebaut und pumpte mit der dort befindlichen fahrzeugeigenen Dieselpumpe den Tank leer. Dem bereitete die Autobahnpolizei Dresden ein Ende. Die Polizisten hatten so einen Notruf auch noch nicht erhalten und riefen sofort die Feuerwehr. Offensichtlich hatte der 37-Jährige falsch getankt und den Dieseltank komplett mit Normalbenzin befüllt. Bis zur Raststätte kam er, dann blieb das Fahrzeug liegen – wie sich später herausstellte, hatte sich der Mann den X5 von seinem Chef geliehen. Da dürfte er nun einigen Ärger bekommen, denn wenn genügend Benzin auf die Hochdruckpumpe läuft, reißt der Schmierfilm und der Motor ist hin.

Was durch dieses absurde Verhalten aber hätte passieren können, ist viel schwerwiegender. Gegen 16 Uhr lag nicht nur ein beißender Geruch hochexplosiver Benzingase in der Luft, weil das Benzin durch Kanalisation und Rohre in das Regenrückhaltebecken gelaufen war – die erste weggeworfene Zigarette hätte zu einer gewaltigen Explosion führen können, wie Einsatzleiter Jörg Noack aus Thiendorf bestätigt. Die Aktion geriet so zum größten Umwelteinsatz der letzten Zeit im Landkreis Meißen. 60 Kameraden aus 16 Wehren kamen zum Einsatz, der Umweltzug aus Nünchritz musste angefordert werden. Doch zunächst sperrte die Feuerwehr Burger King und McDonalds – Herde und Anlagen wurden sofort abgeschaltet, die Gäste musste aus den Gebäuden. Ebenso die Kunden im benachbarten Netto. Auch sie wurden aufgefordert, den Markt umgehend zu verlassen, wie auch alle Autofahrer und Angestellten der Tankstelle. Das gesamte Gewerbegebiet wurde abgesperrt.

A 13 und B 98 Stunden gesperrt

Niemand wollte riskieren, dass nicht doch irgendwo eine Explosion noch Menschenleben fordert. Denn was den Einsatzkräften aus Thiendorf klar war – die etwa 90 Liter Benzin verteilten sich erst richtig im Rohrleitungssystem, auch unter der A 13 und der B 98.  Die Einsatzleitung entschloss sich daher zu dem noch weitreichenderen Schritt, beide Hauptverkehrsverbindungen für Stunden zu sperren. Der Kraftstoff gelangte aber zum Glück größtenteils in das Regenrückhaltebecken. Wäre das Benzin in die andere Richtung gelaufen, hätte im Dorf Explosionsgefahr bestanden. Die Feuerwehr belüftete nun die Kanalisation und senkte so das Risiko einer Explosion. Es wurde eine Ölsperre an einem Regenrückhaltebecken aufgebaut, um den Kraftstoff zu stoppen. Später wurde die Kanalisation mit dem Ölbindemittel Bioversal gespült und das Benzin am Rückhaltebecken abgepumpt. Und der Autofahrer? Der wollte sich tatsächlich zunächst mit Frau und Kindern aus dem Staub machen. Allerdings hatte da die Staatsanwaltschaft etwas dagegen. Die untersagte dem ADAC, das Fahrzeug mitzunehmen und beschlagnahmte es. Der Fahrer wurde von der Polizei zur Befragung mit nach Dresden genommen, der ADAC brachte Frau und Kinder zu einer Unterkunft. Auf den Autofahrer kommen eine Strafanzeige und immense Kosten zu.

Denn im Einsatz befanden sich neben den 16 Wehren auch acht Streifenfahrzeuge der Polizeidirektion Dresden, Bürgermeister Dirk Mocker, der Vize-Kreisbrandmeister Andreas Pischel sowie der Havariekommissar Dieter Leonhardt. Die Evakuierung samt Sperrung wurde 21 Uhr aufgehoben. Dass auch die Firmen Ansprüche geltend machen, ist wahrscheinlich. Als gebürtigen Schweden erwartet den Mann auf jeden Fall ein Gerichtsverfahren – in Deutschland oder in Schweden.