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Familie im Ballrausch

Zum ersten Mal entwarf die Traditionsfirma Mandel das Debütantinnenkleid des Semperopernballs.

© Ronald Bonß

Von Jana Mundus

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Die Traumwelt der Damen ist bunt. Sie besteht aus roter Spitze, blauem Chiffon, grüner Seide oder cremefarbenem Tüll. Üppige Roben hängen neben zarten Kreationen, bestickt mit Perlen, glitzerndem Strass oder eher schlicht gehalten und mit Satinband besetzt. Hunderte Kleider werden im Factory Store der Firma Mandel Fashion in der Dresdner QF-Passage an der Frauenkirche angeboten. Brautkleider, Ballroben oder kurze Cocktailkleider. Nur ein Modell ist 100 Auserwählten vorbehalten – das diesjährige Debütantinnenkleid des Semperopernballs. Zum ersten Mal ist es made by Mandel.

Wenn Brigitte Mandel an den großen Moment denkt, dann versagt ihr schon jetzt die Stimme. „So etwas sieht man einfach nicht oft im Leben“, sagt sie. Am Freitagabend werden sich 100 Debütantinnen mit ihren Tanzpartnern im Walzertakt auf dem Parkett des Dresdner Opernhauses drehen. In einem Kleid, das Brigitte Mandel und ihr Mann kreiert haben. Der Rock ist aus schwarzem Tüll, durch den der champagnerfarbene Unterrock schimmert. Das Oberteil ist mit Goldschmuck und Perlen bestickt. „Für uns ist der Auftrag eine große Ehre“, fügt sie hinzu und greift nach der Hand ihres Ehemannes. Seit über 40 Jahren sind sie schon zusammen.

Wer den beiden zuhört, wundert sich. Dass zwei, die seit Jahrzehnten besondere Kleider für die ganze Welt entwerfen, noch solche Ehrfurcht vor einer Ballnacht empfinden. Dass ein Ehepaar, dessen Modelle auf großen Modenschauen und Messen präsentiert werden, solch ein Kulturevent noch nervös machen kann. „Wir sind eben mit dem Herzen dabei“, sagt Detlef Mandel und lächelt.

Vom Fallschirm zum Abendkleid

Sein Vater Horst gründete das Familienunternehmen bereits 1941 in Berlin, schneiderte in der Nachkriegszeit Regenmäntel aus Fallschirmseide. Später wurden die Kollektionen größer. Schon in den 1960-er Jahren präsentierte der jetzige West-Berliner Horst Mandel bei den berühmten Prêt-à-porter-Schauen in Paris. Einzelhändler aus aller Welt orderten die Modelle danach für ihre Läden. Bis Ende der 1970er-Jahre beschäftige das Unternehmen an seinen Produktionsstandorten über 1000 Mitarbeiter.

„Ich bin mit Mode groß geworden“, sagt Detlef Mandel. Kein Wunder also, dass er sich für den Einstieg in die Firma entschied. Zuerst studierte er noch, wie seine Frau, Betriebswirtschaftslehre. 1985 gründete er das Label „Detlef Mandel Avantgarde“. Glamouröse Kleider stehen seitdem im Mittelpunkt. „Wir sind auf der ganzen Welt unterwegs, um uns inspirieren zu lassen“, sagt Brigitte Mandel und erzählt von riesigen Stoffmärkten oder Prinzessinenkleidern, die die US-Amerikanerinnen lieben. Produzieren lassen sie seit Mitte der 1980er-Jahre in Asien. Nur so könnten sie Kleider zu Preisen anbieten, die die Kundinnen auch bereit sind zu zahlen.

Der Kontakt zum Einzelhandel reichte Mandels irgendwann nicht mehr aus. Sie wollten ihre Kunden kennenlernen. „Das ist wichtig, weil wir so sehen, was funktioniert und was nicht“, erklärt Brigitte Mandel. Wo müssen Schnitte geändert werden? Welche Stoffe und Drucke mögen die Damen? 2013 eröffnete der erste Factory Store in Berlin, der erste eigene Laden direkt am Firmensitz. Fabrikatmosphäre, sagt Detlef Mandel. Bis zu 6 000 Kleider hängen dort. Gerade in der Abiballsaison kommen Hunderte Kunden täglich. Riesige Schlangen vor den Garderoben sind das Ergebnis.

Im vergangenen Jahr folgte der zweite Laden – im Dresdner QF. Natürlich auch, weil hier der Semperopernball zu Hause ist. Alle Kleider sind ausgepackt, die Kundinnen bekommen eine rollende Kleiderstange für die Auswahl und können danach anprobieren, so viel sie wollen. „Sie müssen die Kleider am Körper sehen und sich darin wohlfühlen“, erklärt Brigitte Mandel. Ein Online-Shop käme für das Unternehmen schon deshalb nicht infrage. Da fehle auch die Beratung. Die preiswerteren Roben sind im Geschäft ab 170 Euro zu haben, die exklusive Braut- und Abendmode kostet auch mal über 1 000 Euro.

Familientradition geht weiter

Zwei Stores in Erfurt und Leipzig sind bis heute hinzugekommen. Ansonsten beliefert Mandel auch weiterhin den Einzelhandel. Italien, Großbritannien, Griechenland und Spanien sind wichtige Märkte.

Seit 2013 steht die dritte Generation im Familienunternehmen bereit. Richard Mandel, einer von zwei Söhnen, will die Tradition fortführen, hat viele neue Ideen für die Zukunft. Ideen sind auch in den kommenden zwei Jahren für den Semperopernball gefragt. 2019 und 2020 sind Mandels ebenfalls fürs Debütantinnenkleid gebucht. Doch auch nach der Ballpremiere am Freitag bleibt das ein ganz besonderer Auftrag für die Familie.