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Familienkompass 2020 Familienkompass

101 Fragen zur Lage der Familien in Sachsen

Der Familienkompass ist mit Dresdner Sozialwissenschaftlern entwickelt worden. Hier erklären sie, worauf es ankam.

© Christin Klose/dpa (Symbolbild)

Frau Geithner, Herr Schneiderat, am Forschungszentrum der Evangelischen Hochschule Dresden liegt Ihr Augenmerk auf sozialwissenschaftlichen Studien. Wie schwer ist es heutzutage, Menschen zum Ausfüllen langer Fragebögen zu bewegen?

Onlineumfragen mit „Wie zufrieden sind Sie …“ und „Es dauert nur wenige Minuten …“ gibt es viele, doch seriöse Forschung hat es tatsächlich schwer, Menschen für einen längeren Fragebogen zu gewinnen. Repräsentative Bevölkerungsbefragungen mit hoher Beteiligung sind praktisch kaum noch möglich. Umso mehr freuen wir uns, dass es gelungen ist, eine Umfrage in ganz Sachsen über die drei großen hier beheimateten Tageszeitungen zu verwirklichen. Knapp 15.000 Menschen beantworteten 101 Einzelfragen zur Lage der Familien in Sachsen. Diese große Beteiligung zeigt uns, wie wichtig das Thema ist.

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Nach welchen Kriterien wurden die Fragen ausgewählt?

Um zu wissen, wie es den Familien in Sachsen geht, wurde ein Fragebogen mit sieben familienrelevanten Themenfeldern entwickelt. Damit alle Menschen im Freistaat mitmachen konnten, gab es einen allgemeinen Teil zu Familienpolitik, Wohnen, Arbeit, Sicherheit und medizinischer Versorgung. Familien mit minderjährigen Kindern konnten darüber hinaus Fragen zur Schul- und Betreuungssituation beantworten. Viele der von uns ausgewählten Fragen werden auch in anderen großen Studien zum Wohlbefinden von Kindern, wie zum Beispiel von UNICEF, verwendet.

Ist die Umfrage repräsentativ?

Repräsentative Umfragen müssen drei Kriterien erfüllen: Wenn nicht alle Personen befragt werden, muss erstens eine Zufallsauswahl gezogen werden, die gezogenen Personen müssen sich zweitens überwiegend an der Befragung beteiligen und drittens muss jede für den Inhalt der Befragung relevante Personengruppe angemessen vertreten sein. Wir wollten ohne Vorauswahl alle Menschen in Sachsen erreichen. Die Studie ist also nicht repräsentativ. Das macht aber nichts, denn aufgrund der vielen ausgefüllten Fragebögen lassen sich dennoch belastbare Aussagen treffen. Es sind anteilig mehr Familien, etwas mehr Frauen und mehr Personen mit höherem Bildungsabschluss vertreten als in der Gesamtbevölkerung. Das ist aber auch in repräsentativen Studien der Fall und wurde bei der Auswertung berücksichtigt.

Silke Geithner und Götz Schneiderat sind Wissenschaftler am Forschungszentrum der Evangelischen Hochschule Dresden.
Silke Geithner und Götz Schneiderat sind Wissenschaftler am Forschungszentrum der Evangelischen Hochschule Dresden. © EHS Dresden, David Nuglisch

Wie ist sichergestellt, dass nicht gefälscht wurde?

Grundsätzlich konnte jeder an der anonymen Online-Befragung teilnehmen, so auch Personen, die nicht in Sachsen wohnen oder nur aus Spaß mitmachen wollten. Der Zugang zum Online-Fragebogen sollte nicht nur aus Datenschutzgründen so leicht wie möglich sein. Die Daten wurden aber im Nachhinein umfassend geprüft, so dass Fragebögen mit großen Lücken in den Antworten, mit extremen Antwortmustern oder inkonsistenten Angaben ausgeschlossen wurden. Statistische Prüfverfahren sichern widerspruchsfreie Daten.

Der Familienkompass möchte für jeden Ort in Sachsen Aussagen zur Familienfreundlichkeit treffen. Manche Gemeinden werden aber gar nicht für sich allein ausgewertet. Warum ist das so?

Nicht aus allen kleinen Orten liegen ausreichend Antworten vor, um statistisch belastbare Ergebnisse zu erhalten. Daher wurden Nachbargemeinden teilweise gemeinsam ausgewertet. Hier einen guten Weg zu finden, war eine der größten Herausforderungen in der Datenanalyse. Denn werden Gemeinden zusammengefasst, kann es sein, dass die Unterschiede nicht mehr ganz detailliert berücksichtigt werden. Hier müssen dann die Reporter vor Ort mit den Menschen ins Gespräch kommen.

Wie war es für Sie, die Befragung gemeinsam mit Journalisten zu entwickeln?

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Die Zusammenarbeit mit den Zeitungen ist konstruktiv und für die Forschung auch sehr innovativ, weil die Umfrageergebnisse plastisch und lebensnah berichtet werden. Mit den gesammelten Noten zur Familienfreundlichkeit bekommt die Lokalpolitik ein differenziertes Zeugnis ausgestellt.

Interview: Christian Eißner

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