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PLUS Familienkompass 2020 Bautzen

Wo Familien gerne wohnen

Bautzens Oberland ist bei jungen Eltern sehr beliebt. Die Kretschmars aus Sohland berichten, was sie begeistert - und warum der Umzug trotzdem eine Umstellung war.

Angela und Markus Kretschmar leben gern mit ihren Kindern Benedikt, Vincent und Friederike (v.l.) in Sohland. Für die Nähe zur Natur und zum eigenen Unternehmen haben beide Abschied vom Leben in der Stadt genommen.
Angela und Markus Kretschmar leben gern mit ihren Kindern Benedikt, Vincent und Friederike (v.l.) in Sohland. Für die Nähe zur Natur und zum eigenen Unternehmen haben beide Abschied vom Leben in der Stadt genommen. © SZ/Uwe Soeder

Sohland. Der einjährige Benedikt ist es gewohnt, direkt aus der Haustür hinaus in den Garten zu krabbeln. Vincent, Herr über einen Hahn, sechs Hennen und sieben Küken,  würde lieber mit seinem Papa draußen arbeiten, als im Wohnzimmer zu spielen. Genau diese Nähe zur Natur ist es, die die dreifachen Eltern Angela und Markus Kretschmar aus Sohland am Leben auf dem Land so schätzen - und die sie ihren Kindern täglich zu vermitteln versuchen.

Damit stehen sie nicht allein da. Wie die Ergebnisse des Familienkompass Sachsen zeigen, bestechen die Gemeinden Sohland und Cunewalde sowie die Städte Schirgiswalde-Kirschau und Wilthen im Bautzener Oberland im Vergleich zu anderen sächsischen Regionen mit besonderer Wohn- und Lebensqualität gerade für junge Familien.

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Angela Kretschmar bestätigt das: "Ich glaube, Kinder wachsen hier entspannter auf als in der Stadt. Vor allem die Jungs profitieren vom Leben auf dem Land. Ich denke nicht, dass wir mit Kindern irgendwo anders besser leben könnten." Dass der Mutter zweier Jungen im Alter von einem und fünf Jahren und eines  dreijährigen Mädchens diese Worte einmal über die Lippen kommen könnten, hätte sich die heute 38-Jährige vor 2008 nicht vorstellen können. 

Wohnen im Eigenheim war nicht geplant

Aufgewachsen ist Angela Kretschmar in Hohenstein-Ernsthal. Kleinstädtisch, wie sie sagt, aber immerhin urban genug, um Gymnasium, Musikschule und Chorprobe zu Fuß zu erreichen. Nach dem Abi lebte sie unter anderem in Paris, Montpellier und Leipzig. In Bochum machte sie ihr Referendariat, wurde Lehrerin und sagt heute: "Ich hätte mir niemals vorstellen können, einmal in einem Haus zu wohnen." 

Sohland, erinnert sie sich, sei ihr am Anfang vor allem eng vorgekommen. "Was mir hier am besten gefallen hat, war der Grenzübergang nach Tschechien. Der hat die Beklemmung ein wenig geöffnet", beschreibt sie ihre ersten Eindrücke von der neuen Wahlheimat. Die führte sie vor allem weit weg von ihren sozialen Kontakten. "Wir befinden uns hier eben nicht gerade im Herzen Deutschlands. In Sohland kommt nicht mal jemand zufällig vorbei", sagt sie.

Leben auf dem Land mit Abstrichen verbunden

Der Anreiz, der Angela Kretschmar schließlich zur Umstellung vom urbanen Leben hin zu ländlicher Idylle motivierte, hat einen Namen: Ihr heutiger Ehemann Markus ist in Sohland aufgewachsen, ging für drei Jahre nach München, kam zurück in die alte Heimat und baute sich ein Gastronomie-Unternehmen auf. Eines, von dem beide übereinstimmend sagen, dass es in der Stadt zum Scheitern verurteilt gewesen wäre. "Weil hier die Gestaltungsspielräume viel größer sind als in der Stadt", findet Markus Kretschmar.

Die Entscheidung für Sohland und gegen das Stadtleben bedeutete aber für beide, auch Abstriche zu machen: "Die Wege sind halt weit", sagt Angela Kretschmar. Die Angebote für Kinder wie Erwachsene seien weniger vielfältig als in der Stadt. Die Dorf-Bibliothek etwa, nennt Angela Kretschmar ein Beispiel, sei für ihre kleinen Kinder noch völlig ausreichend, könnte aber irgendwann zu klein werden.

Aber so richtiger Mangel, finden beide, herrscht an Möglichkeiten zur Kinder-Bespaßung eigentlich nicht. "Wir haben hier tolle Spielplätze, aber eigentlich gehen wir sogar da selten hin. Viel eher gehen wir mit den Kindern in den Wald oder fahren über die Grenze, zum Wandern oder Radfahren", sagt Markus Kretschmar. "Ich glaube, Kindern fehlt in der Stadt mehr als hier", stimmt Angela Kretschmar ihm zu.

Mehr Rückkehrer wären wünschenswert

Und auch im Alltag, sagen die dreifachen Eltern - genau wie eine Vielzahl der Befragten des Familienkompass -, gelinge das Leben mit Kindern im Oberland ziemlich gut. Die Betreuung in den Kindergärten sei ordentlich. Die Auswahl an Kinderärzten sei zwar begrenzt, aber "trotzdem ist die Situation bei uns noch wesentlich besser als in anderen Regionen Sachsens", ist sich Angela Kretschmar sicher.

Also alles in perfekter Ordnung in Sohland und den anderen Oberlandgemeinden? Nicht ganz. "Als Zugezogener ist es hier schon schwierig, Anschluss zu finden, der zu einem passt", sagt Angela Kretschmar. In der Stadt, erinnert sie sich, passiere es ja fast automatisch, dass sich Gleichgesinnte über den Weg liefen.

All diese Vor- und Nachteile des ländlichen Lebens abwägend, sind sich Angela und Markus Kretschmar schließlich auch nicht ganz sicher, ob sie ihre Kinder im Erwachsenenalter eher bleiben oder flügge werden sehen. "Ich würde mir schon wünschen, dass sie hier glücklich werden", sagt Markus Kretschmar. Auch seine Frau sähe ihre Sprösslinge am liebsten in Sohland alt werden, knüpft diesen Wunsch aber an einen Appell an ihre Kinder: "Ich denke, die Botschaft sollte lauten: Geht unbedingt raus in die Welt, aber kommt ruhig gern wieder."

Diese Art von Rückkehrern, die das Dorfleben als Kind und die Welt als junge Erwachsene kennengelernt haben, würde das Leben im Oberland zusätzlich bereichern, finden beide.

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