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Was Familien in Sachsen freut - und was sie ärgert

Freude über Kitaplätze, Frust über Arzttermine: Was bewerten Familien schlechter als beim Familienkompass vor sieben Jahren? Die Unterschiede.

Sachsens Ärzte sind überlastet. Einen schnellen Termin zu bekommen, wird offenbar schwieriger, zeigen die Ergebnisse des Familienkompasses Sachsen.
Sachsens Ärzte sind überlastet. Einen schnellen Termin zu bekommen, wird offenbar schwieriger, zeigen die Ergebnisse des Familienkompasses Sachsen. © 123rf (Symbolbild)

Was ist besser geworden für Familien in Sachsen, was schlechter? Die zweite Auflage des Familienkompasses Sachsen erlaubt einen Vergleich zu den Ergebnissen von 2013. Damals sind mehr als 10.000 Menschen zwischen Döbeln und Görlitz sowie Riesa und Bad Schandau befragt worden. Zu den Problemen gehörten damals, Arzttermine und Kitaplätze zu bekommen. Wie ist das heute? Das sind die größten Unterschiede.

Besser geworden 1: Sachsen kann mehr Kitaplätze anbieten

Für viele ostdeutsche Frauen ist es normal, Mutter zu sein und gleichzeitig zu arbeiten. Sie vertrauen ihre Kinder deutlich häufiger Erziehern oder Tagesmüttern an als westdeutsche Eltern. Ein modernes Familienmodell, das insbesondere Sachsens Großstädte und deren Speckgürtel überfordert hat. Mit dem Geburtenboom der vergangenen zehn Jahre hatten es Familien oft schwer, einen geeigneten Kitaplatz zu bekommen. Inzwischen hat sich einiges getan. Das zeigt ein Vergleich der Familienkompass-Ergebnisse von 2020 und 2013. Bewerteten ostsächsische Eltern die Kitaplatz-Situation vor sieben Jahren noch mit einer Gesamtnote von 3,4, vergeben sie heute im Schnitt eine 3,1. Sachsenweit beurteilen Eltern das Angebot mit 3,2. Große Sprünge nach vorn hat vor allem Dresden gemacht, gefolgt von Mittelsachsen.

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Es gibt aber auch Landkreise, in denen Familien unzufriedener sind als früher. Dazu gehören die Kreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Meißen. Ein Blick auf die Zahlen des Statistischen Landesamtes zeigt, was seit der letzten Befragung passiert ist: Sachsens Kommunen haben Millionen investiert, um Plätze zu schaffen. Von 2013 zu 2019 sind mehr als 50.000 zusätzlich entstanden. Die Zahl der betreuten Kinder stieg im selben Zeitraum um etwa 42.000. Knapp die Hälfte der Familien lässt ihre Kinder neun Stunden am Tag betreuen. Rund 95 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen besucht derzeit eine Kita.

Besser geworden 2: Schulwege sind gefühlt sicherer

Zumindest etwas besser beurteilen die ostsächsischen Familien heute auch die Sicherheit ihre Kinder auf dem Schulweg, wenngleich es am Ende nur für die Note 3,5 reicht, was auch dem sächsischen Durchschnitt entspricht (2013: 3,8). Insbesondere mit dem Fahrrad wollen viele Eltern ihre Kinder nur ungern zum Unterricht schicken. Gleichzeitig wird häufig der Wunsch nach mehr Investitionen in Radwege geäußert.

Schlechter geworden 1: Langes Warten auf Arzttermine

Licht und Schatten gibt es bei der Beurteilung der medizinischen Versorgung. Wird das Angebot an Hausärzten vergleichsweise gut bewertet, so kritisieren die befragten Familien stärker als vor sieben Jahren, dass man viel Geduld braucht, bis man einen Arzttermin erhält. Bei dieser Frage schneiden alle Kreise schlechter ab. Am kritischsten wird das Arzttermin-Problem im Landkreis Görlitz gesehen (2020: 3,7; 2013: 3,1). Alle sächsischen Familien zusammen vergeben hier die Note 3,4.

„Die Einschätzung spiegelt die medizinische Versorgung in den sächsischen Regionen gut wider“, sagt Knut Köhler, Sprecher Landesärztekammer Sachsen. „In einigen Landesteilen sind ausreichend Ärzte vorhanden, in manchen leider nicht.“ Um für die weniger gut versorgten Regionen Mediziner zu gewinnen, wurden zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, die schon zum Teil sehr erfolgreich waren. Dazu gehören etwa Stipendien, die Medizinstudenten erhalten, sofern sie sich verpflichten, später einmal in ländlichen Regionen zu praktizieren. „Dennoch gibt es noch Lücken, vor allem in Ostsachsen oder im Chemnitzer Raum.“

© SZ Grafik/Gernot Grunwald

Die Einschätzung, wie schnell man einen Arzttermin bekommen sollte, sei immer sehr subjektiv und von der jeweiligen Erwartungshaltung des Patienten abhängig. „Wer krank ist, möchte verständlicherweise schnell versorgt werden, aber Ärzte haben eben auch nur begrenzte Ressourcen.“ Im europaweiten Vergleich würden Patienten in Deutschland aber immer noch sehr viel schneller einen Arzttermin bekommen, als in anderen Ländern.

Der Terminservice der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) sei ein gutes Angebot. Seit 2014 betreibt sie eine Servicestelle, bei der sich Patienten einen dringenden Haus- oder Facharzttermin vermitteln lassen können, wenn sie selbst nicht weiterkommen. Dafür müssen sie allerdings Anfahrtswege von 30 bis 60 Minuten in Kauf nehmen. Die Terminvergabe habe sich bewährt und werde gut genutzt, sagt KVS-Sprecherin Katharina Bachmann-Bux. Deshalb sei die Vermittlung zuletzt um Kinderarzt- und Psychotherapeuten-Termine erweitert worden.

Darüber hinaus wird aktuell der Bereitschaftsdienst reformiert, erklärt Bachmann-Bux. Zu den 23 schon bestehenden Praxen, die außerhalb der üblichen Sprechzeiten – nach Feierabend sowie an Wochenenden – angesteuert werden können, kommen 15 weitere dazu. So sind in Görlitz ein kinderärztlicher, in Bautzen ein augenärztlicher, in Chemnitz ein HNO- und am Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt ein allgemeinärztlicher Behandlungsbereich neu eingerichtet worden. Erweitert werden soll das Angebot zum Beispiel auch in Pirna.

Schlechter geworden 2: Eltern kritisieren hohe Kitabeiträge

Ziemlich unzufrieden sind die Familien auch mit der Höhe der Elternbeiträge, und zwar über alle Kreise hinweg. Hier steht für Ostsachsen die Note 3,4 (2013: 3,0), für ganz Sachsen die Note 3,2. Am schlechtesten kommen die Beitragshöhen in Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Meißen weg, am besten Mittelsachsen und Görlitz. 

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Spitzenreiter ist einer Auswertung des Kultusministeriums zufolge Tharandt. Für eine ganztägige Betreuung in der Kita wurden dort 2019 fast 166 Euro im Monat fällig. Dresden ist mit 156 Euro nicht weit entfernt. Leipzig ordnet sich mit 130 Euro im Mittelfeld ein, während der Kitaplatz in Chemnitz mit rund 117 Euro günstiger und in Lauwalde bei Löbau mit 82 Euro am günstigsten ist. Höhere Personalkosten durch die verbesserten Betreuungsschlüssel und allgemein höhere Erziehergehälter sind zwei Gründe für die Beitragsanhebungen in den vergangenen Jahren.

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