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Familie und Kinder

Die richtigen Worte finden

Unsere Worte können andere verletzen. Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine Möglichkeit, respektvoll und bewusst miteinander umzugehen.

Sich offen ausdrücken und anderen empathisch zuhören: So kann der Familienalltag gelingen.
Sich offen ausdrücken und anderen empathisch zuhören: So kann der Familienalltag gelingen. © Foto: Adobe Stock

Wir werden angeregt, uns ehrlich und klar auszudrücken und gleichzeitig anderen Menschen unsere respektvolle und einfühlsame Aufmerksamkeit zu schenken“, schrieb Marschall B. Rosenberg in seinem Buch „Gewaltfreie Kommunikation“. Der amerikanische Psychologe gilt als Begründer dieser Form der Verständigung. Wir haben dazu mit Katrin Dumalin-Kliesow gesprochen. Sie ist Psychologische Psychotherapeutin in Radeberg.

Worum geht es bei der Gewaltfreien Kommunikation (GFK)?
Es geht um Kommunikation mit sich selbst und anderen. Rosenberg ging davon aus, dass ein Mensch, dessen Bedürfnisse gestillt sind, um so mehr zum Wohle anderer beitragen kann. Daher geht es vordergründig erstmal darum, dass sich jeder um sich selbst kümmert. Nur ein gefülltes Gefäß kann an andere ausschenken.

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Der Prozess der GFK basiert auf vier Komponenten. Welche sind das?
Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten.

Können Sie das genauer erläutern?
Es geht darum, Situationen und Handlungen zunächst absolut wertfrei zu beobachten. In der GFK gibt es kein Richtig oder Falsch. Ein Beispiel: „Ich sehe, wie hier im Wohnzimmer Socken von dir liegen.“

Bei den Gefühlen geht es darum, was ich in mir fühle. Wichtig dabei ist, sich klar zu machen, dass Gefühle zwar durch Situationen und Handlungen anderer ausgelöst, jedoch nicht verursacht werden! Gefühle entstehen, wenn ich bewerte und meine Bedürfnisse erfüllt oder unerfüllt sind. . Das Tolle und auf den ersten Blick vielleicht Ungewohnte daran ist, dass ich somit nie für Gefühle anderer verantwortlich bin. Ich kann jedoch auch nicht andere für meine Gefühle verantwortlich machen und muss selbst die Verantwortung für meine Gefühle übernehmen. „Ich fühle mich unwohl.“

Beobachtungen von Bewertungen zu unterscheiden ist nicht leicht. Haben Sie einen Tipp dazu, wie das im Alltag gelingen kann?
Alles, was ich mit einer Videokamera filmen kann, sind Beobachtungen, Verhalten. Bedürfnisse jedoch kann ich nicht filmen, zum Beispiel mein Bedürfnis nach Ruhe.

Wie erkenne ich Bedürfnisse?
Gefühle sind wie Lämpchen im Armaturenbrett im Auto zu verstehen, die uns auf erfüllte oder unerfüllte Bedürfnisse hinweisen wollen. „Ich sehe, wie hier im Wohnzimmer Socken von dir liegen und fühle mich unwohl, weil mir Ordnung wichtig ist.“

Wie kann ich Bitten formulieren?
Es gibt zwei verschiedene Formen des Bittens: Handlungsbitten und Beziehungsbitten. Entscheidend ist, dass die Bitte konkret und handlungsbezogen formuliert wird und sofort umsetzbar ist. Eine Handlungsbitte könnte lauten: „Würdest du bitte deine Socken in dein Zimmer räumen?“ Eine Beziehungsbitte bezieht sich auf die Gefühle und Bedürfnisse des anderen: „Wie geht es dir jetzt damit, nachdem du eine Nacht darüber geschlafen hast?“ Ganz wichtig: Mein Gegenüber hat auch das Recht, eine Bitte abzulehnen!

Bei der Lösung von Konflikten kann es hilfreich sein, seine Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken. Mach ich mich damit aber nicht erst recht verletztlich?

Verletzlich würde ich so nicht sagen. Meine Gefühle und Bedürfnisse zu benennen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ich den anderen emotional erreiche, wenn ich ihm wichtig bin und er somit besser auf mich eingehen kann. Es ist authentischer und baut Verbindung auf.

Wie kann ich die GFK bei typischen Familien-Konflikten einsetzen?
Es dreht sich alles darum, meinem Gegenüber genau zuzuhören und ihm dabei zu helfen, sich seiner Gefühle und Bedürfnisse bewusst zu werden. Erst dann können wir gemeinsam über eine Lösung sprechen. Ein Beispiel ist die Urlaubsplanung: Meer oder Berge. Der Urlaub an sich ist ja nur die Strategie, so wie Kaffee die Strategie gegen Müdigkeit ist. Das Bedürfnis dahinter ist das Wachseinwollen. Daher sollten wir uns fragen, was unser Bedürfnis ist. Gibt es vielleicht gemeinsame Bedürfnisse nach Ruhe, die sich beispielsweise an einem Bergsee erfüllen ließen? Bei Kindern ist es zudem wichtig, konkret zu formulieren, also nicht zu sagen „Zieh dich bitte wärmer an“, sondern „Zieh dir bitte noch eine Strumpfhose unter die Jeans“. Das Ganze ist tatsächlich eine Kunst, aber es lohnt sich!

Weiterführende Informationen und Literaturempfehlungen

Website von Katrin Dumalin-Kliesow: https://dumalin-kliesow.de/

Übungsmaterial: https://www.gewaltfrei-101uebungen.de/

Literatur: Gerlinde R. Fritsch. Praktische Selbst-Empathie: Herausfinden, was man fühlt und braucht. Gewaltfrei mit sich selbst umgehen

Podcast mit Steffen Quasebarth zur GFK

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