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Hier wohnen die glücklichsten Familien

Tharandt, Rabenau und Sebnitz liegen in der großen Familienkompass-Umfrage ganz vorn. In der Kategorie Familienpolitik ist der Landkreis aber Schlusslicht.

Kinder und Einwohner freuen sich über einen neuen Geh- und Radweg, der vor einiger Zeit im Tharandter Ortsteil Spechtshausen geschaffen wurde.
Kinder und Einwohner freuen sich über einen neuen Geh- und Radweg, der vor einiger Zeit im Tharandter Ortsteil Spechtshausen geschaffen wurde. © Andreas Weihs

Der Abstand zu den anderen Landkreisen in Sachsen ist nicht groß. Dennoch ist es kein gutes Zeugnis, das 1.346 Einwohnerinnen und Einwohner der Familienpolitik im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ausstellen. Im neuen Familienkompass ist der hiesige Landkreis Schlusslicht aller 13 Kreise und kreisfreien Städte in Sachsen. 

Bei der Benotung der zehn Kategorien reicht die Spanne von 2,51 beim allgemeinen Wohlbefinden bis zu 3,5 beim Wohnen. Die Lage ist also als befriedigend einzuschätzen. Es gibt aber zahlreiche Ausreißer nach oben und unten.

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Vom 30. Oktober bis 22. November wird's köstlich: Bei den Kulinarischen Wochen in der Sächsischen Schweiz stehen regionale Spezialitäten auf der Karte.

Letztere liegen hauptsächlich an den schlechten Ergebnissen bei Schule, Kita, Betreuungsangeboten, Arbeit und Familienpolitik. Die gute medizinische Versorgung, Verkehr und Wohnen führen dagegen zu einem "subjektiven Wohlbefinden", das insgesamt im Landkreis im Sachsen-Vergleich zumindest durchschnittlich ist.

Absolute Gewinner bei Schule und Wohnumfeld

Die gemeinsam betrachtete Region Tharandt/Rabenau ist Gewinnerin der Umfrage und landete auf Platz 1 der 146 Gebiete in Sachsen. Die beste Einzel-Note gab es für das Wohnumfeld/Wohlbefinden mit 1,96. Eine Eins vor dem Komma schafften sonst nur noch  Borsdorf (Leipziger Land) für die Lernbedingungen in der Schule und die Region Doberschau-Gaußig (Kreis Bautzen) sowie Oberwiesenthal (Erzgebirge) für die Kita-Qualität.

"Das freut mich, dass sich die Anstrengungen der letzten Jahre offenbar gelohnt haben", sagt Rabenaus Bürgermeister Thomas Paul (CDU). Dazu zählt er beispielsweise die neue Sporthalle und den Mehrgenerationenspielplatz in Rabenau sowie den Fakt, dass immer genügend Betreuungsangebote zur Verfügung standen. "Das haben wir rechtzeitig geschafft und auch das nötige Personal gefunden", sagt Paul.

Allerdings hat Tharandt Rabenau mit aufs Siegerpodest gehievt. Dort waren die Noten durchgängig noch besser. Eine glatte 1 vergaben die Tharandter gegenseitig an ihre Nachbarn. Wie man miteinander umgeht, ist offenbar mit das Wichtigste fürs Glücklichsein.

Sebnitz wurde von den Einwohnerinnen und Einwohnern überraschend auf Platz 1 in der Kategorie Wohnen befördert. Die Nachbarschaft wurde mit 1,92 gut bewertet. Am meisten konnte die Große Kreisstadt aber mit besonders niedrigen Wohnkosten und einem großen Angebot auf dem Wohnungsmarkt punkten.

Sebnitz gewann für viele überraschend in der Kategorie Wohnen. Familien haben in der Großen Kreisstadt offenbar alles, was man braucht.
Sebnitz gewann für viele überraschend in der Kategorie Wohnen. Familien haben in der Großen Kreisstadt offenbar alles, was man braucht. © Daniel Schäfer

Sachsenweite Schlusslichter

Aber auch ganz unten im Ranking stehen Kommunen von hier. Unter den letzten elf Regionen sind gleich acht aus dem hiesigen Landkreis. Wer die Umfrage nicht ernst nimmt, könnte sich damit beruhigen, dass die hiesige Bevölkerung besonders kritisch ist, wenn es um Politik geht. Selbst die Gesamtsieger im Familienkompass, Tharandt/Rabenau sowie die Stadt Sebnitz, schneiden in der Kategorie Familienpolitik mit den Plätzen 8 und 13 schwächer ab als in allen anderen Kategorien. Einziger Lichtblick ist Heidenau, das hier in den Top Ten landet.

Wilsdruff boomt, liegt aber trotzdem auf dem 146. und damit letzten Platz. In der Stadt dürfte zu klären sein, ob sie Opfer des eigenen Erfolges geworden ist und dem Anspruch der Bevölkerung hinterherhinkt. Deutlich erkennbar ist jedoch, dass das Thema Schule die Stadt runterreißt.

In den kommenden Wochen wird die Sächsische Zeitung die Bewertung der Kommunen noch im Einzelnen beleuchten.

Generationen-Konflikt offensichtlich

Wenig überraschend ist, dass im Landkreis beim Thema Arbeit Menschen mit höherem Bildungsabschluss und höherem Einkommen die eigene Lebenssituation positiver bewertet haben. Eine Ausnahme bilden nur junge Leute in Ausbildung, die mit 2,33 hier eine gute Benotung gaben.

Bei der Bewertung der Qualität der Kitas wird ein Generationen-Konflikt deutlich. Von allen Erwerbstätigen und auch von Arbeitsuchenden wurden die Kitas im Schnitt zwischen 2,2 und 2,9 eingeschätzt. Bei den befragten Rentnern und Pensionären lagen die Kitas eine ganze Note schlechter bei 3,89. Normalerweise dürfte diese Bevölkerungsgruppe die Kitas nur vom Hörensagen kennen. Hier könnte man spekulieren, dass mit dieser "Abwertung" die Kindereinrichtungen "von früher" besser gestellt werden sollten. Ähnlich verhält es sich beim Thema Schule. Auch hier vergaben Rentner und Pensionäre die schlechtesten Noten.

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Das subjektive Wohlbefinden ist auf dem Land (2,97) besser als in der Stadt (3,26). Dazu trägt insbesondere die Wohnsituation bei, die im direkten Notenvergleich die größte Differenz aufweist: Stadt 3,71, Land 3,14. Mit dem Wohnen sind die Rentner im Übrigen am zufriedensten (3,01).

Mehr detaillierte Noten gibt es in unserer interaktiven Karte: 

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