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Ja zum Mann, Nein zum Nachnamen

Noch geben viele Frauen ihren Namen bei der Hochzeit auf. Aber das ändert sich, sagt eine Sprachwissenschaftlerin.

Längst nicht jede Braut nimmt mit der Hochzeit auch den Nachnamen ihres Mannes an.
Längst nicht jede Braut nimmt mit der Hochzeit auch den Nachnamen ihres Mannes an. © dpa/Patrick Pleul

Von Bernadette Winter

Wer heiraten will, hat die Qual der Wahl, was den künftigen Nachnamen betrifft. Da gibt es einige Möglichkeiten, die das Paar vor Herausforderungen stellen können. So ist es beispielsweise möglich, dass jeder seinen Namen behält. „Das ist immer noch die Ausnahme, wird aber deutlich mehr“, sagt Katrin Zimmermann. Sie ist Fachanwältin für Familienrecht. Ein Kind des Paares könnte dann entweder den Nachnamen der Mutter oder den des Vaters bekommen.

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In gut drei Viertel der Fälle nehme die Frau den Namen des Mannes an, obwohl die umgekehrte Variante ebenso möglich sei, sagt Frauke Rüdebusch von der Gesellschaft für deutsche Sprache. „Meist begründen die Paare ihre Entscheidung mit der Tradition und der geltenden sozialen Norm.“ Viele Frauen sagen, dass es ihnen sehr wichtig ist, damit zu zeigen, dass sie verheiratet sind, erklärt Anne Rosar. Die Sprachwissenschaftlerin von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat festgestellt, dass es eine große Gruppe von Frauen zu geben scheint, die ihren eigenen Namen als nicht schön genug, den des Mannes dagegen als „hübsch“ oder „gut klingend“ empfindet.

Für ihre wissenschaftliche Arbeit über die Wahl von Ehenamen hat Rosar nicht nur Daten der Gesellschaft für deutsche Sprache ausgewertet, sondern auch Paare zu ihrer Entscheidung befragt. Ein Ergebnis: Für Männer scheint es wichtiger zu sein, den eigenen Nachnamen zu behalten und diesen an Nachkommen weiterzugeben, während Frauen bereitwillig ihren Namen aufgeben, um einen gemeinsamen Ehenamen zu tragen und so ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu schaffen.

Wer sich auf diese Diskussion nicht einlassen will, kann sich für einen Doppelnamen entscheiden, allerdings bisher nur einer der Partner, nicht beide. Und das sind meist die Frauen. „Bei den Paaren, bei denen einer der Partner einen Doppelnamen annimmt, sind dies nur zwölf Prozent Männer“, sagt Rüdebusch.

Die Diskussion um Namen finde statt im Spannungsfeld von Zugehörigkeit und Autonomie, analysiert Familientherapeutin Valeska Riedel. „Nehme ich einen Namen an, bekenne ich mich nach außen sichtbar zur Zugehörigkeit.“ Das spiele heute noch eine große Rolle und sei für manche mindestens ebenso wichtig, wie die eigene Abstammung und Individualität.

Mit der Annahme eines fremden Namens sei immer ein Stück Identitätsverlust verbunden, meint Rüdebusch. „Man gibt ein Stück seiner Selbst weg, natürlich nur symbolisch, aber es ist trotzdem schmerzlich.“ Anders liegt der Fall, wenn mit dem Namen schmerzhafte Erinnerungen verbunden sind: Dann könne es eine Erleichterung sein und man habe die Möglichkeit, sich mit dem fremden Namen eine neue Identität aufzubauen.

Doppelnamen seien ein guter Kompromiss, findet Riedel. „Auch wenn darüber oft Witze gemacht werden, drücken sie etwas Wunderbares aus: Das eine sind meine Wurzeln, da komme ich her, das andere ist meine neue Sippe.“ Allerdings spiele hier die Ästhetik eine Rolle. „Manche Kombinationen klingen sehr schön, andere sind eher ungünstig.“

Daneben kann es ganz praktische Gründe für eine Namensänderung geben, gerade bei Männern. „Wer einen Nachnamen hat, der zugleich ein Vorname ist, möchte diesen vielleicht ändern, um keine Verwechslungen mehr zu verursachen“, sagt Rüdebusch. Oder ein etwas unglücklicher Familienname wie „Opfer“ soll ausgetauscht werden, weil man nicht möchte, dass er an die Kinder weitergegeben wird.

Gibt es rechtlich gesehen Vor- oder Nachteile, wenn man sich beispielsweise dafür entscheidet, den eigenen Namen zu behalten? Wer alleine mit seinem Kind ins Nicht-EU-Ausland reist, sollte sich zuvor vom anderen Elternteil eine Vollmacht geben lassen. So vermeidet man laut Zimmermann Verwirrungen an der Grenze.

Bei einer Scheidung dürfen beide Eheleute wieder ihre Geburtsnamen annehmen, Kinder behalten aber den gemeinsamen Namen. Das zu ändern sei nicht einfach, dafür brauche es triftige Gründe, erklärt das Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein. Das Kindeswohl stehe hier im Vordergrund.

Die vielen Wahlmöglichkeiten passten in unsere Zeit, so Riedel. „Wir wollen möglichst autonom bleiben, aber je mehr Auswahl es gibt, desto qualvoller wird es.“ Und bald könnte es noch mehr Optionen geben. Nach Einschätzung einer Expertenkommission der Bundesregierung sollten die Menschen in Deutschland mehr Freiheit bei der Wahl ihres Namens bekommen. Künftig soll den Vorschlägen zufolge gelten: Beide Partner dürften sich Müller-Meier oder Meier-Müller nennen. Dieser Doppelname soll in der Regel auch an Kinder weitergegeben werden. „Es sollen aber keine Namensketten dadurch entstehen“, sagt Rüdebusch. Was aus den Empfehlungen wird, entscheidet die Regierung. (dpa)

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