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Familie und Kinder

Jede Bewegung zählt

Von Stand-up-Paddling über Slacklining bis hin zu Spikeball: Es gibt unzählige Möglichkeiten und Trends.

Slacklining ist ein Sport, der der ganzen Familie Spaß machen kann.
Slacklining ist ein Sport, der der ganzen Familie Spaß machen kann. © Foto: Maik - stock.adobe.com

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bewegen sich vier von fünf Jugendlichen zu wenig. In den neuesten Aktivitäts-Richtlinien der WHO vom November 2020 heißt es, dass regelmäßige körperliche Aktivität Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 und sogar Brust- und Dickdarmkrebs vorbeugen kann. Zudem wirke sie sich positiv auf die Psyche und das allgemeine Wohlbefinden aus und verzögere den Beginn von Demenz. Wir haben mit Sportwissenschaftler Dr. Axel Kupfer von der Sporthochschule Köln gesprochen. Der 46-Jährige ist selbst Vater zweier Kinder und weiß, wie wichtig Bewegung für die Gesundheit ist.

Sportwissenschaftler Dr. Axel Kupfer von der Deutschen Sporthochschule Köln
Sportwissenschaftler Dr. Axel Kupfer von der Deutschen Sporthochschule Köln © Foto: Julia Neuburg/DSHS Köln

Wie kann man als Familie mehr Bewegung in den Alltag einbauen?

Entscheidend ist, dass man eine Sportart findet, die alle zusammen machen können und wollen. Da ist Skateboarden eher ungeeignet. Rad- und Skifahren oder Tennisspielen bietet sich da als Familiensport besser an.

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Neben Klassikern wie Fußball oder Reiten gibt es Sportarten, die (noch) nicht so verbreitet sind. Was genau versteht man unter dem Begriff Trendsport?

Beim Begriff Trend orientieren wir uns an der Definition von Professor Dr. Christian Wopp (2006). Je nachdem, wie lange sich eine Sportart hält, wird sie als Mode, Trend oder Megatrend bezeichnet. Modesport sind Sachen, die sich nur ein bis zwei Jahre halten. Als Trendsport gilt alles, was sich schon drei bis fünf Jahre etabliert hat und Megatrends haben eine große Breitenwirkung mit einer Gültigkeitsdauer von mindestens zehn Jahren.

Daneben gibt es weitere Merkmale von Trendsportarten wie den Wechsel von Indoor zu Outdoor, beispielsweise beim Volleyball zum Beachvolleyball oder vom Turnen zu Le Parkour beziehungsweise zum Freerunning. Auch der Wechsel von der geschützten Bewegung hin zum Risiko, zum Extremen ist typisch. Beispiele hierfür sind Ultra-Marathons oder auch das Highlining, bei dem die Slackline in großer Höhe, meistens in den Bergen, aufgehängt wird. Trendsportarten gehen in der Regel auch weg vom Mannschaftssport hin zu Kleingruppen. Zudem stehen das Ästhetische, Virtuose, der Körperausdruck oft im Vordergrund. Dies sowie das Abgrenzen von Anderen spielt in der Pubertät oftmals eine Rolle, weshalb sich viele Jugendliche für Trendsport begeistern.

Wie beurteilen Sie Trendportarten unter dem gesundheitlichen Aspekt?

Die WHO empfiehlt, dass Kinder und Jugendliche von fünf bis 17 Jahren mindestens eine Stunde am Tag moderat aktiv sein sollten. An drei Tagen pro Wochen sollten sie außerdem richtig ins Schwitzen kommen und dabei Muskeln und Knochen stärken. Wenn es ein Trendsport ist, der für mein Kind einen Anreiz bietet, sich zu bewegen und das auch kontinuierlich, dann ist das vollkommen in Ordnung. Jede körperliche Aktivität ist gut. Wichtig ist, dass man letztendlich auf die empfohlenen Zeiten kommt. Eltern können das fördern, indem sie ihren Kindern Räume und Möglichkeiten bieten, den Bewegungsdrang auszuleben. Das kann der Spielplatz oder Garten ebenso sein wie der Sportverein.

Slacklining ist als Trendsportart zu Beginn der 2000er-Jahre aufgekommen, mittlerweile für die breite Masse interessant und damit wohl ein Megatrend.

Verständlich. Eine Slackline ist für mich das super Sportgerät für draußen. Slacklining hat einen hohen Aufforderungscharakter und fordert das Gleichgewicht enorm. Es eignet sich auch sehr gut für kleine Kinder, da eine entsprechende Hilfestellung ganz einfach umzusetzen ist. So sollte das Seil zu Beginn möglichst niedrig gespannt werden. Zum Auf- und Abstieg sowie beim Balancieren auf dem Seil kann der Partner eine Hand oder beide Hände reichen. Wenn sich das Kind sicherer fühlt, kann die Hilfestellung nach und nach reduziert werden. Kinder und Jugendliche, die bereits erfahren im Gleichgewichtstraining sind, können sie auf der Slackline zudem schnelle Erfolgserlebnisse verbuchen, was wiederum den Spaß an der Bewegung fördert.

Beim Slacklining gibt es einige Grundregeln, die beachtet werden sollten wie die Wahl des Platzes oder die Dicke des Baumes. Die Jugend des Deutschen Alpenvereins (jdav) hat dazu einen Flyer herausgebracht.

Zu den Trendsportarten gehört sicherlich auch das Stand-Up-Paddling. Was genau ist das und für wen eignet sich diese Sportart?

Beim Stand-up-Paddling steht der Sportler aufrecht auf einem schwimmfähigen Brett, dem Board. Im Stehen wird nun mit einem Stechpaddel gepaddelt. Das setzt natürlich Schwimmfähigkeit der Kinder und Jugendlichen voraus. Sie sollten sich selbst aus dem Wasser retten können. Das ständige Anpassen der Bewegung des Bretts beziehungsweise Wassers erfordert Ganzkörperspannung und ein gutes dynamisches Gleichgewicht sowie konditionelle Fähigkeiten wie Rumpf- und Armkraft.

Und was ist mit Waveboarding?

Beim Waveboarding werden die Füße auf zwei Platten, die meistens mit einem Torsionsstab verbunden sind, gegengleich bewegt. Dadurch entsteht eine Art Wellenbewegung. Das Spannende daran ist, dass man beschleunigen kann, ohne sich dafür mit dem Fuß vom Boden abstoßen zu müssen wie beim Skateboard. Auch hier spielt das Gleichgewicht wieder eine Rolle und das Tempo kommt aus der Bein- und Hüftbewegung.

Spikeball, auch Roundnet genannt, ist ein einfaches aber rasantes Spiel, das sich zum Trendsport entwickeln könnte.
Spikeball, auch Roundnet genannt, ist ein einfaches aber rasantes Spiel, das sich zum Trendsport entwickeln könnte. © Foto: coachwood - stock.adobe.com

Können Sie aktuell eine neue Trendsportart ausmachen?

Spikeball, auch Roundnet genannt, hat auf jeden Fall das Potenzial dazu. Das erfreut sich seit über zwei Jahren wachsender Beliebtheit. Es lässt sich auf der Wiese genauso gut wie am Strand spielen, hat einfache Regeln und macht der ganzen Familie Spaß. Dafür wird mit einem Stecksystem ein Netz auf dem Boden gespannt. Nun geht es darum, einen Ball so auf das Netz zu schlagen, dass der Gegner ihn nicht mehr zurückschlagen kann. Wie beim Volleyball. Wer mit kleineren Kindern spielt, kann den Fokus dabei auch auf das Werfen und Fangen des Balls legen.

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