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Taschengeld schon ab fünf Jahren empfohlen

Die Realität beim Thema Taschengeld sieht anders aus, belegt eine Umfrage. Viele Banken locken mit kostenlosen Kinderkonten.

Jugendämter raten beim Thema Taschengeld zu kleinen Beträgen, beispielsweise einen Euro pro Woche, bereits ab dem fünften Lebensjahr.
Jugendämter raten beim Thema Taschengeld zu kleinen Beträgen, beispielsweise einen Euro pro Woche, bereits ab dem fünften Lebensjahr. © 123rf

Kinder können den verantwortungsvollen Umgang mit Geld nur lernen, wenn sie regelmäßig eigenes zur Verfügung haben. Das sagen nicht nur Banker, sondern auch Pädagogen der Jugendämter. Sie geben deshalb regelmäßig Taschengeldtabellen und Empfehlungen heraus, die Eltern Orientierung bieten. Doch ab wann ist der Nachwuchs reif für eigenes Geld?

Jugendämter raten zu kleinen Beträgen, beispielsweise einen Euro pro Woche, bereits ab dem fünften Lebensjahr. Denn Kinder mache es stolz, kleine Ausgaben selbst bestreiten zu dürfen. Es fördere aber auch ihr Verständnis dafür, dass man sein Geld einteilen und für manche Wünsche sparen muss. „Spätestens zum Ende der ersten Klasse ist es Zeit für Taschengeld“, sagt Frank Kuczera von der Postbank. Denn dann hätten Kinder bereits ein grundlegendes Verständnis für Zahlen entwickelt. Selbstverständlich hänge die Höhe von den finanziellen Möglichkeiten der Familie ab. Kleinere, aber regelmäßige Beträge seien besser, als die Zahlung bei knapper Kasse auszusetzen. Denn auch Verlässlichkeit gehöre zur Finanzerziehung.

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Die Realität sieht aber oft etwas anders aus: So zeigt eine von der Sächsischen Zeitung beauftragte Civey-Umfrage unter 2.502 Eltern, dass nur 60 Prozent ihren Kindern im Grundschulalter regelmäßig Taschengeld zahlen. 30 Prozent zahlen gar keins, sieben Prozent knüpfen es an besondere Leistungen. Auch bei der Höhe zeigt sich kein einheitliches Bild: So zahlen 39 Prozent ihren Grundschulkindern bis zu zehn Euro im Monat, ein Viertel von ihnen fünf Euro, 13 Prozent geben mehr als zehn Euro. Jugendämter und Bankexperten finden 12 bis 16 Euro pro Monat für Zehnjährige angemessen.

Mehr als ein Drittel der befragten Eltern würde aber Geld dazugeben, wenn die Kinder es vorzeitig verbraucht haben. Das sehen Erziehungsexperten kritisch. Denn damit lernten die Kinder nicht, ihr Geld einzuteilen. „Genauso wenig ist Taschengeldentzug eine geeignete Strafe“, sagt Frank Kuczera. Er hält es zudem für wichtig, dass in der Familie offen über Geld gesprochen werde. Denn nur das vermittle den Kindern, „dass hinter dem Geld aus dem Automaten harte Arbeit steckt.“

Girokonten schon für Kinder

„Ab dem zehnten Lebensjahr sind die meisten Kinder in der Lage, mit einem monatlichen Budget zu kalkulieren. Vorher ist die wöchentliche Auszahlung besser“, sagt Kuczera, „und zwar am besten in bar“. Das Monatsbudget könne bereits auf ein Kinder- und Jugendkonto fließen. Diese Konten, über die die jungen Sparer frei verfügen können, sollten aber nur für das Taschengeld sein, rät Dirk Stein vom Deutschen Bankenverband. „Über größere Geldgeschenke von Verwandten sollten die Eltern die Kontrolle behalten.“ Gemeinsam mit dem Kind könne man Sparziele vereinbaren. Als Anlageform eigneten sich Depots, Fonds oder Sparpläne. „Ein Verkauf aus Depots heraus benötigt bei Minderjährigen immer die Zustimmung der Eltern.“

Girokonten haben für Kinder viele Vorteile. Denn mit der zum Konto gehörenden Bankkarte kann man überall bezahlen. Das Erstkonto startet in der Regel während der Schulzeit. Die meisten Banken ermöglichen die Kontoeröffnung ab dem siebenten Lebensjahr. Da Kinder noch nicht geschäftsfähig sind, ist dazu die Unterschrift mindestens eines Erziehungsberechtigten nötig. Die Eltern haften, bis das Kind volljährig ist.

Online-Banking ab 8. Klasse möglich

Kinder- und Jugendkonten sowie die dazugehörige Bankkarte sind kostenfrei. „Sie werden nur im Haben geführt. Eine Verschuldung ist damit ausgeschlossen“, sagt Dirk Stein. Die Bezahlung mit der Karte erfolgt in Echtzeit. Das heißt, nur wenn das Konto gedeckt ist, ist der Kauf möglich.“ Auch im Hinblick auf die Sicherheit kommen die Geldinstitute den Kindern entgegen. „Geht die Karte verloren und wird von einem anderen genutzt, ist die Haftung auf 50 Euro beschränkt“, sagt Stein. Diese Kulanz gelte aber meist nur, wenn die Kinder bei Verlust sofort reagierten und das Konto per Telefon unter der Nummer 116116 sperren ließen. Auch eine Ersatzkarte koste dann meist nichts. Online-Banking sei auch für Jugendkonten möglich. „Die Jugendlichen finden es cool, den Kontostand abzufragen oder einer Freundin auch mal online etwas zu überweisen. Reif dafür seien sie etwa ab der achten Klasse“, sagt Stein, der selbst Vater einer 14-jährigen Tochter ist.

Gebührenfreiheit gelte selbst dann, wenn die Youngster mal eine Überweisung am SB-Automaten tätigen oder einen Beleg in der Filiale abgeben. Der Grund: Man will die jungen Kunden langfristig binden. Daran ändert sich auch mit Vollendung des 18. Lebensjahres so schnell nichts – zumindest, solange sie weiter in der beruflichen, schulischen oder studentischen Ausbildung sind. Volljährigen räumt man dann auch einen Dispokredit ein, den es vorher nicht gibt – oder nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Eltern.

Für jede Eins gibt es einen Euro

Die Bargeldversorgung ist ebenfalls kostenlos – bundesweit bei der regionalen Bank oder Sparkasse sowie dem Banken- und Sparkassen-Verbund. Darüber hinaus kann man mit den Girocards in vielen Supermärkten kostenlos Bargeld erhalten. Je nach Geschäft ist ein Einkauf von mindestens fünf Euro nötig, um maximal 200 Euro zu bekommen.

„Im Gegensatz zu den überregionalen und den Direktbanken gibt es bei Sparkassen und regionalen Banken vor Ort immer noch etwas, was vor ein paar Jahren für fast alle Konten selbstverständlich war: einen Guthabenzins,“ sagt Horst Biallo vom gleichnamigen Verbraucherportal. Satte drei Prozent zahlen zum Beispiel die Kreissparkasse Bautzen und die Volksbank Dresden-Bautzen. Beide haben diesen Zins aber auf 500 Euro begrenzt. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden und der Sparkasse Zwickau gibt es Zinsen bis zum Sparbetrag von 1.000 Euro, hier aber nur 0,25 beziehungsweise 0,1 Prozent.

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Beim Buhlen um junge Kunden legen die Banker unterschiedlich viel Fantasie an den Tag. Die Volksbank Mittleres Erzgebirge beispielsweise belohnt jede Eins auf dem Jahresendzeugnis mit einem Euro. Und die Sparkasse Zwickau lockt mit einem Geburtstagsgewinnspiel bis 30. Juni. Noch bis Ende dieses Monats heißt es dreimal kostenlos Klettern für die ganze Klasse.

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