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Familie und Kinder

Kröten gehen auf Wanderschaft

Allein im Dresdner Stadtgebiet wurden rund vier Kilometer Folienzäune aufgestellt. Gefahr droht den Tieren aber nicht nur von Autos.

© Foto: Adobe Stock

Noch lockt das Achterbahnwetter die Kröten nicht aus der Reserve – doch bald schon werden sie wieder zu Hunderten von ihren Landlebensräumen zum Wasser ziehen. Denn sie sind auf das nasse Element angewiesen, um sich zu paaren und ihre Eier abzulegen. Dabei müssen sie oft stark befahrene Straßen überqueren und begeben sich in Lebensgefahr. Ein schnell fahrendes Auto, so die Experten, tötet Amphibien nicht nur durch Überrollen: „Sie sterben durch die entstehenden Luftdruckunterschiede auch zwischen den Rädern.“
Damit so etwas möglichst selten passiert, werden betroffene Straßenränder mit Krötenzäunen versehen – in Dresden erledigt das der Regiebetrieb Zentrale Technische Dienste. Die längsten Zäune stehen im Umfeld der Dresdner Heide, aber es gibt auch viele kürzere in anderen Stadtgebieten. „Unterm Strich kommen rund vier Kilometer zusammen“, sagt Harald Wolf vom Umweltamt. „In diesem Jahr haben die Arbeiten bereits im Februar begonnen und wurden vergangene Woche beendet.“

Über die Straße

n den Kunststoffzäunen stehen in regelmäßigen Abständen Fangeimer, in die die Tiere fallen, wenn sie das Hindernis zu umgehen versuchen. „Diese Eimer müssen jeden Morgen und Abend kontrolliert werden“, so Wolf. „Sonst trocknen die Tiere aus oder werden gefressen.“ Eingefangene Amphibien werden von den ehrenamtlichen Zaunbetreuern registriert und auf die andere Straßenseite gebracht, wo sie ihren Weg zum Gewässer fortsetzen können.
Für diese Aufgabe, die hauptsächlich über den Naturschutzbund organisiert wird, braucht es neben Tierliebe und Idealismus auch eine gehörige Portion Ausdauer – denn durch kältebedingte Unterbrechungen kann sich die Krötenwanderung einige Wochen hinziehen. „An den meisten Zäunen sind eingespielte Teams seit Jahren zuverlässig im Einsatz“, sagt Harald Wolf. „Unterstützung suchen wir für die örtlichen Betreuer am Rossendorfer Teich und an der Stadtgrenze zu Liegau-Augustusbad.“
In den Eimern landen hauptsächlich Erdkröten, aber auch Gras- und Springfrösche, Teichmolche und Knoblauchkröten sind vertreten. Durch die Trockenheit der vergangenen Jahre nahm ihre Zahl allerdings erschreckend ab: Wurden 2018 noch mehr als 11.000 Tiere „über die Straße getragen“, waren es 2020 gerade mal 4.810. „Für dieses Jahr erwarten wir einen weiteren Rückgang der Zahlen“, so Wolf. Alle genannten Arten seien gesetzlich geschützt und von hoher Bedeutung für das heimische Ökosystem.

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Vorsichtig fahren

Neben den Folienzäunen, die alljährlich auf- und abgebaut werden, gibt es sogenannte „stationäre Amphibienleiteinrichtungen“. Sie bestehen aus einer festen Wand und Betondurchlässen unter der Straße, auch „Krötentunnel“ genannt. In Dresden befindet sich die größte dieser Art an der Ullersdorfer Straße.
Aber auch Autofahrer können helfen, indem sie an den mit Verkehrsschild markierten Stellen besonders vorsichtig fahren. Und wenn man sich dabei nicht selbst in Gefahr begibt, kann man auch mal einem Tier über die Fahrbahn helfen. Entgegen manchen Vorurteilen sind Kröten nämlich kein bisschen eklig und fassen sich auch nicht glitschig an. Und zur „Wanderzeit“ lassen sich die sonst eher versteckt lebenden Tiere am besten beobachten.
Potenzielle Helfer für die Betreuung der Krötenzäune melden sich bitte im Umweltamt bei Petra Kichhoff ([email protected]).

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