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Familie und Kinder

Wenn Silben keinen Sinn ergeben

Wer Lesen und Schreiben kann, dem steht die Welt offen. Doch manchen Kindern bereitet das Schwierigkeiten.

Gemeinsames Lesen ist wichtig für Kinder.
Gemeinsames Lesen ist wichtig für Kinder. © Foto: Adobe Stock

Etwa vier Prozent der Menschen in Deutschland haben Probleme mit dem Lesen und Schreiben, so der Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie e. V. Welche Herausforderungen beim Lesen und Schreiben auftreten können, darüber haben wir mit Ines Hamann gesprochen. Die 53-Jährige unterrichtet Deutsch an der 122. Grundschule „Am Palitzschhof“ in Dresden und ist zudem speziell ausgebildete Diagnostik-Lehrerin für Lese-Rechtschreibschwäche.

Wie lernen Kinder denn eigentlich das Lesen und Schreiben? Gehören Lesen und Schreiben untrennbar zusammen?
Es geht zunächst darum, Laute herauszuhören und ihnen den Buchstaben zuzuordnen: also A wie Apfel oder L wie Leiter. Laute hören und sprechen wir, aber Buchstaben sehen und schreiben wir. Ein Hilfsmittel dafür ist die Anlauttabelle. Die Kinder lernen, wie Buchstaben überhaupt aussehen und einzelne Buchstaben in Druckschrift zu schreiben. Darauf aufbauend entwickeln sie ein Verständnis für Silben und ganze Wörter, die ebenfalls in Schreibübungen wiederholt werden. Diese Wörter werden dann letztendlich zu einfachen Sätzen zusammengesetzt, es entwickelt sich das Lesen und Schreiben.

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Was genau ist eine Lese-Rechtschreibstörung (LRS)?
Eine Lese-Rechtschreibstörung ist eine Beeinträchtigung im Erlernen des Lesens und /oder des Rechtschreibens. Dadurch ist die schriftsprachliche Kommunikation längere Zeit erheblich behindert oder gar nicht möglich. Ganz wichtig: Diese Mädchen und Jungen sind normal intelligent, oft in einem Bereich sogar besonders begabt.

Warum haben manche Kinder Probleme mit dem Lesen und Schreiben?
Diese Frage ist nicht eindeutig geklärt. Fest steht, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. Uns berichten viele Eltern, dass sie selbst Probleme mit dem Lesen und/oder Schreiben haben oder hatten. Zudem laufen wohl bestimmte neurobiologische Prozesse im Gehirn anders ab.

Wie zeigt sich eine solche Schwäche?
Die LRS wird ausgelöst durch Defizite in der Wahrnehmung und/oder Motorik, die bei jedem betroffenen Kind andere Ursachen haben. Man geht davon aus, dass die Kinder Schwächen im sogenannten phonematischen Bewusstsein haben. Sie sind beispielsweise nicht in der Lage, Reime zu finden: Maus – Haus. Sie können keine An-, In- und Auslaute aus dem gesprochenen Wort heraushören, Wörter nicht in Sprechsilben gliedern oder Laute zu Silben verbinden. Die Schülerinnen und Schüler verwechseln Laute, schreiben Luaf statt Lauf, lassen Vokale weg oder können keinen Unterschied zwischen p und b hören und/oder sehen.

Wie geht es weiter, wenn eine LRS diagnostiziert wurde?
Sachsen ist das einzige Bundesland mit LRS-Klassen. Darin erhalten die Kinder einen zweijährigen Lehrgang, bei dem sie ganz individuell in den einzelnen Bereichen gefördert werden.

Wie kann ich mein Kind unterstützen, wenn eine LRS festgestellt wurde?
Ganz wichtig ist gemeinsame Lesezeit. Dabei Fehler behutsam korrigieren und auf die Lesegenauigkeit achten, zur optischen Unterstützung Farben einsetzen. Eltern sollten ihr Kind für seinen Einsatz beim Üben loben und bei Misserfolgen ermutigen, weiterzumachen. Es ist wichtig, sich und dem Kind auch kleine Fortschritte bewusst zu machen. Es sollte immer wieder betont werden, dass die LRS nur einen kleinen Teil des Kindes ausmacht. Außerdem: Für Pausen und Entspannung sorgen und in regen Austausch mit der Schule treten. Dabei Ängste und Probleme offen ansprechen.

Was können Eltern denn generell tun, um Kinder beim Lesen und Schreiben lernen zu unterstützen?
Eltern sollten viel vorlesen, um das Interesse für Bücher zu wecken, einen Anreiz zu schaffen, selbst lesen zu wollen. Dabei helfen Themen, die das Kind gerne mag, oder schön illustrierte Bücher. Die Anforderungen beim Lesen und Schreiben sollten sich allein am Kind, dessen Fähigkeiten und Ressourcen orientieren und nicht an den Wünschen der Eltern. Das Lernen muss Spaß machen. Wichtig ist es zudem, Wahrnehmung und Motorik zu schulen. Das kann beispielsweise beim Malen, Puzzeln oder Basteln geschehen. Auch Musik, Gesang und Sport unterstützen die Entwicklung.

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