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Mein Partner macht Urlaub mit der Ex

Der Partner einer Frau hält auch nach der Trennung noch immer regen Kontakt zu seiner Ex-Freundin. Wie soll man damit umgehen? Das rät Christian Thiel.

Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor
Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor © SZ

Ich bin 58 Jahre alt und seit zweieinhalb Jahren mit meinem neuen Partner (60) zusammen. Er hat in dieser Zeit immer einen sehr engen Kontakt zu seiner Ex-Freundin gehalten, fuhr mit ihr anfangs sogar noch in den Urlaub. Sie wohnt nur 50 Meter entfernt von ihm, und die beiden sehen sich immer noch regelmäßig. Er findet das alles normal und kann nicht verstehen, dass es mir damit nicht gut geht.

Wenn etwas den Anfang einer neuen Beziehung negativ überschattet, dann ist es der ständige Kontakt des Anderen zu einem Ex-Partner. Das schürt Unsicherheit. Manchmal ist das allerdings unumgänglich, zum Beispiel, wenn ein Paar gemeinsame Kinder hat, aber das ist bei den beiden ja offensichtlich nicht der Fall.

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Gemeinsame Urlaube mit der Ex – das habe auch ich noch nie gehört. Ich habe mich gefragt: Was bitte geht im Kopf eines Mannes vor, der seiner neuen Partnerin eröffnet, er fahre demnächst mit seiner Ex in den Urlaub auf die Seychellen und teile da auch ein Bett mit ihr – sie werde doch sicher nichts dagegen haben! Ich antworte auf diese, von mir selber gestellte Frage, mal so: Entweder er ist „nur“ reichlich naiv, oder er hat Hornhaut auf der Seele. Beides spricht in meinen Augen nicht wirklich für ihn und für eine Partnerschaft mit ihm.

Ihr Partner hat zu allem Unglück auch noch einen Trick gefunden, wie er Sie und Ihre Gefühle brüskieren kann – und anschließend Ihnen die Schuld dafür zuweisen kann. Sie sind einfach zu empfindlich! Und was er tut, das ist völlig normal.

Ich würde Ihnen ernsthaft raten, dem Gedanken mit der Hornhaut mal ein wenig nachzugehen. Viele Menschen haben sich in ihrer Kindheit in ihrem Elternhaus so eine Hornhaut zugelegt. Dagegen ist zunächst einmal nichts einzuwenden. Manche Elternhäuser machen es nötig, dass die Kinder nicht eben zimperlich sind, wenn es um verbale und reale Nackenschläge der Eltern geht. Sie können ja nicht anders, als das zu akzeptieren. Sie sind abhängig von ihnen. Was ein Kind gelernt hat, das hält es oft auch im Erwachsenenalter für normal, selbst wenn es reichlich absonderlich oder verletzend ist.

An diesem Punkt stellt sich allerdings die Frage, ob Sie wirklich in einer Partnerschaft leben wollen, in der Sie solchen unsensiblen Handlungen und dazu noch verbalen Angriffen („Nun hab dich doch nicht so!“) ausgesetzt sind. Wollen Sie das? Oder wäre für Sie ein Partner besser, der seine Urlaube viel lieber mit Ihnen verbringen möchte?

Ich habe aber noch eine zweite Deutung, diesmal für Ihr Verhalten. Das Wort, das Sie nicht wirklich gerne aussprechen, heißt ganz ohne Zweifel: Nein. Sie wollen nicht, dass er sich regelmäßig mit seiner Ex trifft. Sie wollen auch nicht, dass er mit ihr in den Urlaub fährt. Was aber hält Sie dann davon ab, ein klares Wort zu sprechen? Nein, das möchte ich nicht!

Es hilft ja nichts, auf Ihren Partner zu schimpfen (ich habe das reichlich getan), ohne darauf hinzuweisen, dass zu dem, was Sie erleben, zwei Menschen etwas beitragen, nämlich ihr Partner und Sie. Sie scheinen Einsicht von ihm zu erwarten und Rücksichtnahme auf Ihre Gefühle. Gleichzeitig sind Sie aber auch nicht bereit, laut und deutlich Nein zu seinen Ansinnen zu sagen.

Da stimmt etwas nicht. Nur, wenn wir uns deutlich für unsere Wünsche und Bedürfnisse einsetzen, haben wir eine Chance, zu bekommen, was wir wollen.

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