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Familie

Schüchterne Kinder unterstützen

Manche Kinder sind zurückhaltender als andere. Wann brauchen sie einen kleinen Schubs hinaus in die Welt und wann ist Verständnis gefragt?

Wie viel Unterstützung brauchen schüchterne Kinder?
Wie viel Unterstützung brauchen schüchterne Kinder? © Adobe Stock/Teerawat (Symbolfoto)

Den Mutigen gehört die Welt, heißt es und so ganz unrecht hat die Kalenderweisheit nicht. Wer selbstbewusst auftritt, tut sich in vielen Situationen im Leben leichter.

Dass ihre Kinder voller Selbstvertrauen und offen für Neues die Welt entdecken, wünschen sich deshalb auch die meisten Eltern. Und machen sich Sorgen, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter sich nicht traut, mit anderen Kindern zu spielen, und schüchtern wegschaut, statt auf eine Frage zu antworten.

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Doch Schüchternheit ist nichts, was sich nach Belieben an- und abschalten lässt, erst recht nicht für Kinder. "Es handelt sich um ein Persönlichkeitsmerkmal, damit wird man geboren", sagt Sabine Ahrens-Eipper. Sie ist Psychologin in Halle.

Meist ist das Gefühl, ungern im Mittelpunkt zu stehen, der Mutter oder dem Vater durchaus vertraut: "Es gibt eine erbliche Komponente. Wenn ein Kind schüchtern ist, dann ist es oft auch ein Elternteil."

Schüchternheit hängt mit Lebensphasen zusammen

Neben den Genen spielt die Entwicklungsphase eine Rolle, in der ein Kind gerade steckt. "Lebensübergangsphasen sind oft mit Schüchternheit verbunden", erläutert Julia Asbrand, Professorin für Kinder- und Jugendlichenpsychologie und -psychotherapie an der Humboldt-Universität in Berlin.

Wenn Babys mit sechs Monaten plötzlich ängstlich auf fremde Menschen reagieren, dann hängt das mit dem kognitiven Sprung zusammen, den sie gerade machen: "Das Kind realisiert, dass Menschen verschieden sind", sagt Asbrand.

Auch der Start in der Kita, die Einschulung oder der Wechsel auf die weiterführende Schule sind Einschnitte, in denen viele Kinder zurückhaltend auf die neuen Lebensumstände reagieren.

Wie Eltern darauf angemessen reagieren, ist oft eine Gratwanderung zwischen Verständnis und Ermutigung - und damit eine ziemliche Herausforderung.

Kleine Schritte helfen Kindern

Zunächst einmal gelte es, das Kind in seiner Wesensart zu akzeptieren: "Es gibt nun einmal extrovertierte und introvertierte Menschen", sagt Dorothea Jung von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Sie rät dazu, Kinder in kleinen Schritten zu unterstützen:

"Für kleinere Kinder gibt es beispielsweise Sport- oder Musikgruppen, bei denen die Eltern dabei sind. Die Kinder müssen sich dann nicht gleich allein in einer unbekannten Gruppe zurechtfinden."

Manchmal hilft auch der geschützte Rahmen des vertrauten Zuhauses: Im eigenen Kinderzimmer ist es möglicherweise leichter, Freundschaft mit der Klassenkameradin zu schließen als auf dem trubeligen Pausenhof.

Eltern bremsen manchmal unbewusst

Manchmal sind es allerdings die Eltern selbst, die schüchterne Kinder zusätzlich bremsen - ganz unbewusst, weil sie selbst ähnlich veranlagt sind. "Sie können selbstbewusstes Verhalten dann nicht so gut vorleben und sind selbst eher vorsichtig, was soziale Situation angeht", beobachtet Sabine Ahrens-Eipper.

Ahrens-Eipper hat zusammen mit einer Kollegin ein Trainingsprogramm für schüchterne Kinder entwickelt: "Es ist immer möglich, Ängste zu überwinden, wenn man sie in kleinen Schritten angeht." Im Mittelpunkt steht der ganz und gar nicht mutige "Til Tiger".

Zusammen mit ihm sollen sich die Kinder Schritt für Schritt an Aufgaben herantasten, die ihnen eigentlich Angst einflößen: "Wichtig ist, dass sie stolz auf das sind, was sie schon geschafft haben, und nicht frustriert über das, was nicht geklappt hat", sagt
Ahrens-Eipper.

Warum bestimmte Situationen schüchternen Kindern schwerfallen, welche Ängste sie hervorrufen, sei manchmal gar nicht so leicht herauszufinden: "Kleine Kinder können den Grund für ihre Befürchtungen oft noch nicht formulieren."

Angst vor negativen Bewertungen

Viele schüchterne Kinder treibt die Sorge um, sie könnten von anderen Menschen negativ bewertet werden. Manchmal werden solche Ängste so groß, dass sie die Entwicklung bremsen, den Alltag und das Wohlbefinden beeinträchtigen. Dann ist professionelle Hilfe wichtig.

"Ein Alarmzeichen ist, wenn Kinder sich immer mehr zurückziehen oder wenn sie jeden Morgen vor der Schule Bauchweh haben", sagt Julia Asbrand, die an der Humboldt-Universität eine Spezialambulanz für Kinder und Jugendliche mit Angststörungen aufbaut.

Für die Entwicklung von Ängsten gebe es immer mehrere Faktoren: "Es ist nie nur Schüchternheit allein", sagt Asbrand. Dennoch hält sie es für wichtig, zurückhaltende Kinder immer wieder zu ermutigen, auch in Situationen hineinzugehen, die ihnen zunächst ein bisschen unangenehm sind.

Zu fordern, ohne zu überfordern: Das sei wichtig. Und als Eltern dabei auszustrahlen: "Ich traue dir das zu." (dpa/tmn) 

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