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Beim Sex erwischt: Oh, wie peinlich!

Es gibt Situationen, da möchten Eltern am liebsten im Erdboden versinken. Fünf Tipps, wie sie richtig reagieren.

Beim Sex reingeplatzt: Sind die Kinder noch klein, müssen Eltern die Situation nicht weiter kommentieren. Bei größeren Kindern hilft ein "Nicht stören - Schild".
Beim Sex reingeplatzt: Sind die Kinder noch klein, müssen Eltern die Situation nicht weiter kommentieren. Bei größeren Kindern hilft ein "Nicht stören - Schild". © dpa-infografik

Kindermund tut Wahrheit kund – an diesen Satz werden Eltern vor allem dann erinnert, wenn der Nachwuchs sie unbewusst in eine peinliche Situation gebracht hat. Eigentlich sollte das Vertrauensverhältnis der Mütter und Väter zu ihren Kindern so groß sein, dass es keine Peinlichkeiten gibt. Die Realität sieht aber oft anders aus, weiß auch Diplompsychologin Katja Garbe aus Zwickau. Sie ist Sprecherin der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern beim Arbeiter-Samariter-Bund Zwickau. „Solche peinlichen Momente sind für die Eltern eine Möglichkeit, sich die eigenen Werte, Normen und Ansichten zum Miteinander bewusst zu machen und zu hinterfragen“, sagt sie. Ein Austausch mit Freunden oder anderen Eltern könne dabei im Nachhinein entlastend sein und für die nächste Situation wappnen. Die Klassiker bei den Peinlichkeiten haben sich über Jahre hinweg nicht geändert. Man geht nur heute anders damit um.

1. Das Kind erwischt die Eltern beim Sex

Man denkt immer, so was passiert nur anderen, doch früher oder später trifft es beinahe jedes Elternpaar: Mitten im Liebesspiel steht plötzlich das Kind in der Tür. Das Anliegen ist meist lapidar, reicht von „Kann nicht schlafen“ über “Habe Durst“ bis zu „Hier ist das Telefon, die Oma ist dran“. Egal, die Nummer ist gelaufen. Verdattert schaut meist nicht das Kind aus der Wäsche, sondern auch Mama oder Papa. Wie Eltern in diesen Momenten richtig reagieren, komme auf das Alter der Kinder an, sagt Erziehungsexpertin und Autorin Nicola Schmidt. Kinder bis zu drei Jahren reagierten oft gar nicht darauf, weil sie noch keine Sensoren dafür hätten. Da muss nichts erklärt werden. Als wenn nichts gewesen wäre, fragt man: „Was brauchst du?“ Kommt die Nachfrage „Was macht ihr denn da?“, reiche ein „Wir spielen gerade“ völlig aus.

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„Man sollte dem Kind nur so viel Informationen geben, wie es in dem Moment braucht und wie es seinem Alter entspricht“, findet die Autorin. Bohrt das Kind weiter, könne man sagen, dass es sich um ein Erwachsenenspiel handelt und auf den Grund des Besuches zurückkommen. „Auf keinen Fall ist das der richtige Moment für ein großes Aufklärungsgespräch.“ Bei größeren Kindern würde Nicola Schmidt vorm Liebesspiel auch ruhig die Schlafzimmertür abschließen: „Wenn das Kind dann wirklich was hat, schließt man eben wieder auf.“

Für Klartext ist auch Psychologin Katja Garbe – je nach Alter des Kindes mehr oder weniger. Im Prinzip sollte man dem Kind nur deutlich machen, dass Mama und Papa sich gern haben und sich anziehend finden. Da sei nichts Peinliches dran. Ausreden, zum Beispiel, dass es zu warm im Zimmer sei und man deshalb nichts anhabe, seien fehl am Platz. Und während die Eltern am nächsten Morgen vermutlich noch beschämt jedem Blick des Kindes ausweichen, hat es meist schon vergessen, was am Vorabend passiert ist.

2. Kind zeigt mit dem Finger auf jemanden und fragt lautstark etwas

„Mama, warum hat der Mann so eine komische Brille auf?“ Mit einer solchen Frage denkt sich das Kind niemals etwas Böses, so Katja Garbe. Es gehe ihm nur darum, herauszufinden, warum es etwas nicht kennt oder noch nie gesehen hat. Nur diesen Dingen will es auf den Grund gehen. „Wenn sich Kinder für ihre Umwelt und andere Menschen interessieren, ist das zu allererst eine positive Eigenschaft, für die man es nicht kritisieren oder gar ausschimpfen sollte. Kinder sind immer unvoreingenommen und offen für alles um sie herum.“ Auch wenn es unangenehm sein kann, weil Erwachsene befürchten, dass das Kind mit seiner Frage jemand anderen verletzen könnte. Da das Kind seine laute Frage meist auch in der Öffentlichkeit stellt, bekommen das immer mehrere Menschen mit. Am besten lässt man sich nicht von der Peinlichkeit vereinnahmen, sondern erklärt seinem Nachwuchs stattdessen, dass jeder Mensch anders ist. Dass man es gut findet, wenn es so viele verschiedene Menschen gibt und nicht alle gleich aussehen. Jeder dürfe so aussehen und so sein, wie es ihm selbst gefällt.

3. Das Kind macht Theater an der Supermarktkasse

Trotzanfälle gehören in einem gewissen Alter zur Entwicklung von Kindern. Sie machen das nicht, um Mama und Papa in den Wahnsinn zu treiben, sondern weil sie dabei sind, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Sich von den Eltern abzugrenzen. Aus diesem Grund sollten sich Eltern für Trotzsituationen möglichst vorher eine Strategie überlegen, rät die Ratgeberplattform Eltern.de. Der Anlass kann aus Erwachsenensicht nichtig sein, für Kinder geht eine Welt zugrunde, wenn sie nicht in diesem Augenblick das Gewünschte bekommen. Zur angemessenen Reaktion der Eltern gehöre es erst einmal, selbst leiser zu reden und nicht ebenfalls laut zu werden. Dann fasst man die Gefühle des Kindes in Worte und bietet eine Lösung an. Ein Beispiel: „Du bist wütend, weil du jetzt Schokolade willst. Und die gibt es als Nachspeise nach dem Essen.“ Dabei sei unbedingt das Wort „aber“ zu vermeiden. Denn „aber“ entfache Widerstand.

Hilfreich sei, die Wut zu personifizieren. Mit Fragen wie „Wer ist eigentlich wütend? Der ganze Max? Oder sitzt das Wutmonster im Bauch, auf der Schulter, im Kopf und stachelt den armen Jungen an?“ So komme auch das Kind besser aus der Nummer wieder raus: „Das war das Wutmonster, was mich geärgert hat.“ Eltern können ihr verzweifeltes Kind danach in den Arm nehmen. So lernt es, dass Mama und Papa es nicht allein lassen und liebhaben, selbst wenn es wütend ist.

4. Das Kind befriedigt sich in der Öffentlichkeit selbst

Es passiert im Kindergarten, auf dem Spielplatz oder mitten auf einer Familienfeier: Das Kind fängt plötzlich an, seine Genitale zu stimulieren – manchmal mit der Hand, aber auch mit Gegenständen oder durch Rumzuckeln mit verschränkten Beinen. Eltern ist das unangenehm. „Sie sehen das durch die Erwachsenenbrille und haben ein anderes Schamgefühl“, erklärt Sozialpädagogin Dana Mundt von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Viele Eltern seien über kindliche Sexualität erst einmal verunsichert.

„Dass Kinder ihren eigenen Körper entdecken, ist aber völlig normal“, sagt Mundt. Es fange bereits bei Babys an, die über alle Sinne genießen. Mit rund zwei Jahren wird der eigene Körper nochmals interessanter. Damit gehe einher, dass sich die Kinder überall bewusster anfassen und erkunden, was sich schön anfühlt.

Für 3- bis 6-Jährige werden Doktorspiele mit Gleichaltrigen interessant. Kinder schauen auch ganz genau hin, ob Oma oder Opa, Mama oder Papa die bei sich entdeckten Körperteile auch haben. Sie empfinden dabei keine Scham, denn Nacktheit gehört zur Familie. Wenn sich das Kind in aller Öffentlichkeit selbst befriedigt, sollten Eltern erstmal tief durchatmen und versuchen, gelassen zu reagieren. Was in dem Moment gar nicht geht, ist loszurennen und das Kind vor versammelter Mannschaft zurechtzuweisen. „Unter keinen Umständen!“, sagt die Pädagogin.

„Wenn ich sehe, dass sich ein Kind öffentlich stimuliert, sollte ich es dabei vor Blicken von anderen schützen, damit es nicht etwa noch ausgelacht wird“, erklärt die Erziehungsexpertin. So könnten sich Eltern vor ihr Kind stellen oder es diskret wegdirigieren. Zeitnah sollten Eltern dann mit dem Kind ein ruhiges Vier-Augen-Gespräch führen. Das könnte mit der Frage starten, ob es sich gut angefühlt hat. Dann erklärt man: „Das kannst du gerne machen, aber nicht vor anderen!“ Weil es nun mal bestimmte Regeln gibt. Das sei ähnlich wie rülpsen, pupsen oder popeln – das mache man doch auch, wenn andere nicht dabei sind.

5. Das Kind ertappt die Eltern bei einer Lüge

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„Aber Mama, ich bin doch erst fünf.“ Hoppla, da hat einen das Kind an der Kinokasse aber ordentlich blamiert. Denn einen Film ab sechs dürfen Kinder eben erst schauen, wenn sie auch wirklich sechs sind, egal ob Mama und Papa dabei sind. Katja Garbe ist auch hier gegen Ausreden oder gar Geschimpfe, wenn das Kind die Wahrheit vertritt. „Da hast du Recht, das habe ich jetzt falsch gesagt“, empfiehlt sie als Entgegnung. (rnw/dpa)

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