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Köpping appelliert: Junge Ärzte, kommt aufs Land

Petra Köpping spricht im Interview zum Familienkompass Sachsen über Ärztemangel, die Versorgung von Corona-Patienten und ungleiche Löhne.

Jeder Corona-Patienten könne in Sachsen medizinisch versorgt werden, auch bei steigenden Fallzahlen, verspricht Sachsens Sozialministerin Petra Köpping.
Jeder Corona-Patienten könne in Sachsen medizinisch versorgt werden, auch bei steigenden Fallzahlen, verspricht Sachsens Sozialministerin Petra Köpping. © Dietrich Flechtner

Dresden. Wie familienfreundlich ist Sachsen? Das haben die drei großen sächsischen Tageszeitungen in der bisher größten Familienumfrage des Freistaates erkundet. Dabei gab es viel Lob, zum Beispiel für freundliche Nachbarn, aber auch Kritik, etwa an der ärztlichen Versorgung. Über die Familienfreundlichkeit in Sachsen sprachen wir mit Sozialministerin Petra Köpping (SPD). Sie appelliert an junge Ärzte, sich auf dem Land niederzulassen, und fordert mehr Betriebskindergärten, um Job und Familie besser vereinbaren zu können.

Ärgert es Sie als Familienministerin, wenn die Familienpolitik in Sachsen nur durchschnittlich bewertet wird? Denn bei einer Befragung im Familienkompass von LVZ, Sächsischer Zeitung und Freier Presse, an der sich 15.000 Sachsen beteiligt haben, gibt es auf der Notenskala von 1 bis 5 nur eine 2,6.

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Ein bisschen schon. Wäre es die Note Eins gewesen, hätte ich mich sehr gefreut. Aber: In der Familienpolitik gibt es stetig etwas zu verbessern. Das ist ein fortlaufender Prozess. Ich glaube, dass diese Bewertung auch stark durch die Corona-Zeit beeinflusst ist, die den Familien besonders viel abverlangt hat. Kita-Unterbringung und Schule waren nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Die Eltern mussten zusätzlich zum Beruf noch den Unterricht mit übernehmen. Aus dieser Erfahrung plädiere ich übrigens dafür, dass man zuerst an die Kinder und an die Familien denken muss, sollten solche einschneidenden Maßnahmen erneut notwendig werden.

Da sind wir ja blitzartig beim Thema Corona gelandet. Aber Sie haben recht: Mit dem Befragungszeitraum vom 4. März bis 19. Juli haben wir tatsächlich den Corona-Ausbruch und den Lockdown komplett miterfasst. Derzeit steigen in Sachsen wieder die Infektionszahlen. Müssen die Familien also erneut Kita- und Schulschließungen größeren Ausmaßes fürchten?

In die Glaskugel kann ich nicht schauen. Aber wir werden alles dafür tun, dass die Schließung von Kitas und Schulen das letzte Mittel ist, das wir anwenden werden. Da sind wir uns in der Landesregierung wirklich einig. Und ich bin nicht pessimistisch, auch wenn die Infektionszahlen leider gerade steigen. Aber das Wichtigste ist doch die medizinische Versorgung der Erkrankten. Und die können wir gewährleisten. Auch wenn es derzeit wieder einen Anstieg der stationär behandelten Patienten gibt, auch derjenigen auf Intensivstationen. Wir haben aus der ersten Zeit, als wir das Virus kaum kannten, viel gelernt, auch bei den medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten. Und wenn wir uns alle an die AHA-Regeln, also Abstand, Hygiene und Alltagsmaske plus Lüften halten, ist schon viel gewonnen.

Wie kommt es dann, dass trotzdem im Erzgebirge die Infektionszahlen gerade so in die Höhe schießen?

Das wissen wir noch nicht. Es gibt dort keinen bestimmten Hotspot, sondern unterschiedliche Orte, wie Pflegeheime, Kitas und Schulen, wo das Virus von außen hineingebracht wurde. Was wir wissen, ist, dass Reisen in Risikogebiete ein Problem darstellen.

Aber Schulen mussten nicht geschlossen werden?

Doch, in Einzelfällen gab es schon Schließungen – auch um Infektionsketten zu durchbrechen. Wir sind in enger Abstimmung mit den Kinderärzten. Und aus Schulstudien ist ja bekannt, dass Kinder selten erkranken. Oft sind sie dann auch symptomlos, haben keine schweren Verläufe. Das sage ich, um auch die Eltern ein wenig beruhigen, falls ihr Kind positiv getestet wird.

Zurück zum Familienkompass. Laut unserer Umfrage sind die Zukunftschancen in Sachsen ungleich verteilt. Die meisten Familien fühlen sich wohl, dort wo sie leben. Aber nur 25 Prozent der Eltern sehen dort, wo sie zu Hause sind, auch gute Zukunftschancen für ihre Kinder. Dazu gibt es ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. Heißt das, dass künftig alle in die großen Städte drängen?

Na hoffentlich nicht. Denn die Arbeitslosenquoten in den Landkreisen unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in den großen Städten. Vielleicht sagen die angebotenen Stellen im ländlichen Raum den jungen Leuten nicht so zu. Zugegeben: Bestimmte Berufe, wie Opernsänger oder Hirnchirurg, kann man nur in einer größeren Stadt ausüben. Aber als ehemalige Landrätin bin ich eine Verfechterin der ländlichen Region. Und gerade während des Corona-Lockdowns hat sich gezeigt, wie viel mehr Möglichkeiten eine Familie auf dem Land hat im Vergleich zu derjenigen, die in einer Stadtwohnung lebt. Im Grünen zu wohnen, wirkt sich auch positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden aus.

Dennoch fehlen aber offensichtlich attraktive Jobs auf dem Lande?

Natürlich hat das Landleben auch einige Nachteile. Man muss vielleicht einen längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen. Aber ich störe mich wirklich daran, das Leben auf dem Land zu verteufeln. Jeder, der sich die Städte, Dörfer und Gemeinden in den ländlichen Regionen genauer anschaut, der staunt meist, wie schön es da ist. Wir haben neue Modelle entwickelt, wie die sozialen Orte, um bestehende Defizite auszugleichen.

Was meinen Sie mit sozialen Orten?

Die werden wir im Ministerium gerade auf den Weg bringen. Das sind Orte, an denen man sich zum Beispiel einfach mal trifft, aber auch problemlos ein E-Auto ausleihen kann, um einkaufen zu fahren oder Kinder in die Schule zu bringen. Oder wo man sich auch Elektro-Fahrräder borgen kann, damit man flexibler ist. Dazu gehört auch, dass mehrere Generationen zusammenwohnen, wo dann beispielsweise die Älteren die Kinder aus der Kita holen oder zum Vereinssport bringen. Es geht um das klassische Kümmern in der ländlichen Region, um das Sehen, wer Hilfe braucht.

Reicht das wirklich aus, damit das flache Land nicht verkümmert?

Nein. Natürlich gehört auch dazu, dass mehr Verwaltungseinheiten und Forschungszentren verlagert oder in den Landkreisen angesiedelt werden, wie der Umzug des Landesrechnungshofs von Leipzig nach Döbeln oder der Aufbau des Helmholtz-Zentrums in Großpösna im Leipziger Land. Ich bin damals auch mit meinem Landratsamt von Leipzig nach Borna umgezogen. Das hat Borna gut getan. Ich sehe nicht die Gefahr, dass der ländliche Raum ausblutet. Viele junge Familien wollen einen Kleingarten haben, es gibt eine Sehnsucht nach Natur. Und Feld, Wald und Wiesen sind nun einmal vor allem auf dem Lande zu finden. Da müssen wir noch mehr in die Offensive gehen und für den ländlichen Raum werben. 

Der Gesundheitsversorgung geben die Befragten in Sachsen insgesamt nur die Note 3. Viele beklagen, dass es nicht genügend Kinderärzte gibt und ein Termin beim Wunsch-Kinderarzt schwer zu bekommen sei. Auch das ist auf dem flachen Land schlechter als in den Großstädten.

Ja, wir haben große Lücken bei der ärztlichen Versorgung generell im ländlichen Raum, sogar bei den Allgemeinmedizinern. Daher bringen wir ja das Landarztprogramm als Gesetz auf den Weg. Es gibt Zuschüsse, wenn ein Mediziner eine Landarztpraxis übernimmt. Das Gleiche gilt für die Kinderärzte. Es gibt in Sachsen derzeit 460 vertragsärztlich tätige Kinderärzte. Gemäß des zuständigen Landesausschusses ist allerdings nur ein Gebiet in Sachsen unterversorgt mit Kinderärzten – und das ist Freiberg. Aber die gefühlte Versorgung ist – gerade durch lange Wartezeiten und schleppende Terminvergabe – oft eine andere. Das kann ich nachvollziehen. Aber gerade, wenn es um den Wunsch-Kinderarzt geht, sind auch in den Großstädten nicht alle Wünsche zu erfüllen.

Wie wollen Sie die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum verbessern? Das ist ja schon lange ein Problem.

Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen – und das kriegen wir hin. Ich appelliere daher an die Mediziner, die wir ausbilden: Junge Ärzte, viele schöne Ecken Sachsens warten auf euch. Geht hin, lasst euch dort als Allgemeinmediziner, Kinder- oder Fachärzte nieder. Wir unterstützen das großzügig. Die Menschen fühlen sich wohl, dort wo sie leben. Das hat ja auch der Familienkompass ergeben. Wir wollen, dass die Leute bleiben und medizinisch gut versorgt werden. Dabei wollen wir Krankenhäuser und Arztpraxen nach dem Prinzip der Medizinischen Versorgungszentren miteinander verzahnen, auch ergänzende Leistungen durch Optiker und Zahntechniker sollen dort angedockt werden. Zudem brauchen wir die Digitalisierung auf dem Land, damit wir auch die Telemedizin ausbauen können.

Unter den drei sächsischen Großstädten bekommt Chemnitz mit 3,3 die schlechtesten Noten für die Gesundheitsversorgung, Leipzig und Dresden stehen mit 2,9 und 2,8 deutlich besser da. Was sind die Ursachen?

Das ist mit der Faktenlage nicht zu erklären. Nach den Zahlen ist die ärztliche Versorgung in den drei Städten ungefähr gleichwertig. Gerade bei Kinderärzten liegt in Chemnitz die Versorgungsquote bei 127 Prozent. Chemnitz hat zwar kein Universitätsklinikum wie Leipzig oder Dresden, aber ein sehr gutes städtisches Klinikum. Das habe ich mehrfach besucht und Fördermittelbescheide übergeben. Auch dort wird sehr viel gebaut und modernisiert. Das Chemnitzer Klinikum ist gut aufgestellt.

Laut unserem Familienkompass wird die medizinische Versorgung nicht nur auf dem flachen Land, sondern auch in vielen Klein- und Mittelstädten schlecht bewertet wird. So bekommen auch Freiberg (3,7), Zwickau (3,8), Schkeuditz (3,3), Löbau (3,6) und Zittau (3,5) keine guten Noten. Warum ist dort die Versorgung mit Fach- und Kinderärzten so schlecht?

In Freiberg liegt der Versorgungsgrad bei Kinderärzten nur bei 73 Prozent. Da gibt es wirklich ein Problem. Deshalb hier gleich meine nächste Werbung an junge Kinderärzte: Gehen Sie nach Freiberg! Das ist eine tolle Stadt. In Zwickau wiederum ist etwa die Kinderarztversorgung mit 129 Prozent auf dem Papier hoch. Warum die Unzufriedenheit trotzdem groß ist, muss hinterfragt werden. Im Landkreis Nordsachsen, wo Schkeuditz dazugehört, liegt die Quote bei 151 Prozent. Aber wer in Nordsachsen von A nach B will, ist unter Umständen den ganzen Tag unterwegs. Das kann auch zur Unzufriedenheit führen, wenn die Wege zum Arzt weit sind. Auch in Löbau und Zittau ist laut Statistik die Versorgung mit Kinderärzten bei 136 Prozent. Aber wenn die Patienten dann zum Beispiel trotzdem lange warten müssen, ärgern sie sich eben.

Sachsen scheint ein Land der netten Nachbarn zu sein. 78 Prozent sagen, dass sie freundliche Nachbarn haben. Allerdings finden viele Familien, dass sich die Nachbarschaft noch mehr um die Kinder sorgen könnte. Wie sieht das die Ministerin für gesellschaftlichen Zusammenhalt? Wie kann man die Nachbarn mehr sensibilisieren?

Erst einmal freue ich mich, dass viele Menschen so freundlich sind. Und wer sich mehr Hilfe von den Nachbarn erhofft, der sollte das einfach mal ansprechen. Da gibt es heute wahrscheinlich eine größere Scheu, um Hilfe zu bitten als noch vor 30 Jahren. Aber wenn Mutter und Vater Elternabend oder andere Veranstaltungen haben und nicht wissen, wer auf die Kinder aufpasst, hilft es, einfach mal die Nachbarn zu fragen. Es geht darum, einen Schritt weiter zu gehen, also einen Kontakt herzustellen, der über das freundliche „Guten Tag“ hinausgeht und wo man schon froh ist, dass der Nachbar nicht meckert, weil die Kinder gerade laut spielen. Natürlich haben wir viele Nachbarschaftsprojekte. Ideal ist es, wenn sie sich nicht nur um das gemeinsame Fest auf der grünen Wiese kümmern, sondern auch um die Alltagssorgen.

Ist da im Miteinander etwas verschüttet gegangen?

Ja, das ist mein Eindruck. Jeder schafft für sich und traut sich auch gar nicht, den anderen um Hilfe zu bitten oder gar dem anderen seine Unterstützung anzubieten. Da ist vielfach eine neue Distanz entstanden. Diesem Thema sollten wir uns mehr öffnen. Das schöne Modell der Mehrgenerationenhäuser, die übrigens nicht alle erst neu gebaut werden müssen, ist da ein Vorbild. Wenn die Älteren mit den Kindern Hausaufgaben machen, weil die Eltern noch arbeiten, und die Jüngeren dafür bei schwerer Gartenarbeit helfen, greift das doch prima ineinander. Dieses Miteinander ergibt sich übrigens auf dem Lande einfacher als in der Stadt. Wichtig ist, dass sich engagierte Initiativen vor Ort finden. Das macht ganz viel aus.

Je kleiner die Städte und Gemeinden werden, desto mehr Investitionen wünschen sich die Familien und auch, dass mehr getan wird für Vereine vor Ort. Was liegt da im Argen?

Die große Auswahl an Vereinen, die Städte haben, von Taekwondo bis Tanzen, die gibt es auf dem Lande nicht. Aber ich kenne kaum ein Dorf, das keine Vereine hat. Die Vereinsstruktur ist natürlich kleiner, begrenzter. Da gibt es die Feuerwehr und den Fußballverein. Aber wenn die Kinder damit aufwachsen, haben sie ein anderes Zusammengehörigkeitsgefühl als die Schüler einer Klasse in der Stadt, die jeden Tag einzeln in Vereine streben, die also montags zum Ballett, dienstags zum Klavierunterricht, mittwochs zum Schwimmen und donnerstags zum Ringen gehen. Jeder aus der Klasse ist dann in anderen Vereinen. Da ist das Gemeinschaftsgefühl nicht so ausgeprägt. Nicht alles, was toll klingt, also zu wählen aus tausend Angeboten, ist auch gut für die Entwicklung der Persönlichkeit.

Wie fördert denn das Sozialministerium das Leben auf dem Land?

Wie unterstützen ganz viele soziale Einrichtungen auf dem Land, wie Hebammenstützpunkte, Familienberatung, Gesundheitsfürsorge, Kinder- und Jugendarbeit oder Ferienfreizeiten. Als ehemalige Landrätin weiß ich, wie wichtig solche Strukturen sind. Und mir ist es wichtig, dass wir im neuen Haushalt, den wir derzeit beraten, diese Unterstützungsarbeit auf keinen Fall reduzieren, gerade nach den Erfahrungen mit dem Corona-Lockdown.

Sie sind eine engagierte Frauen- und Familienpolitikerin. Beunruhigt es Sie, dass nur jeder zweite Befragte im Familienkompass der Meinung ist, dass Job und Familie gut vereinbar sind. Wo sind die Bremsklötze?

Das eine sind die Arbeitszeiten, die flexibel sein müssen. Da haben auch wir im Ministerium aus der Corona-Krise gelernt, dass sich vieles im Homeoffice erledigen lässt. Dabei ist es egal, ob die Arbeit vormittags, nachmittags oder abends erledigt wird. Man kann seine Zeit besser einteilen. Die flexible Arbeitswelt ist die Zukunft, gerade auch für die ländlichen Räume. Wir haben Mitarbeiter, die aus Görlitz kommen. Für sie ist Homeoffice eine gute Lösung, sie gewinnen Zeit für sich und die Familie.

Aber Homeoffice kommt zum Beispiel für Krankenschwestern und Verkäuferinnen nicht in Frage.

Da sind die Arbeitgeber gefordert, familienfreundliche Arbeitszeiten einzurichten. Und in Sachsen gibt es viel zu wenig Betriebskindergärten, wo der Arbeitgeber einen Zuschuss gibt und die sich bei ihren Öffnungszeiten auch nach der Arbeitszeit der Belegschaft richten. Einige große Unternehmen haben wieder Betriebskindergärten eingerichtet, aber da könnten wir ein Stück weiterkommen. Und ich möchte auch, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Worksharing ist da ein gutes Modell, also bei dem sich zwei Fachkräfte einen Posten teilen. Das funktioniert gerade für Frauen mit Kindern, aber das gibt es noch nicht oft genug.

Viele beklagen auch, dass die Kita-Öffnungszeiten für Schichtarbeiter unpassend sind. Lässt sich da mehr tun?

Wissen Sie, als Bürgermeisterin von Großpösna habe ich selbst die Kita-Öffnungszeiten verlängert. Und dann kam zu dieser Zeit gerade Mal ein Kind. Das Angebot ist teuer für eine Kommune, und wenn es nicht angenommen wird, bringt es nichts. Deshalb bin ich hier vorsichtig, irgendetwas vorzuschreiben.

Nur 41 Prozent finden, dass ihre Arbeit angemessen bezahlt wird. Ist das ein Armutszeugnis 30 Jahre nach der Einheit?

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Um die Lücke bei der Arztversorgung auf dem Land zu füllen, will Sachsen die Landarztquote einführen. Der Verband fürchtet eine Abwertung des Berufs.

Das stimmt. Der Lohn- und Gehaltsunterschied zwischen Ost und West beträgt im Durchschnitt 700 Euro pro Monat. Dafür arbeiten wir im Osten länger, 40 statt 38 Stunden im Westen. Das darf 30 Jahre nach der Einheit kein Thema mehr sein. Aber da muss ich den Ball zurückspielen und sagen: Liebe Eltern, engagiert euch in Gewerkschaften und sorgt für entsprechende Tarifverträge. Denn das kann die Politik nicht regeln. Das müssen die Arbeitnehmer mit den Arbeitgebern schon selber klären. 

Die Fragen stellte Anita Kecke.

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