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Leben und Stil

Sex wird besser, wenn man drüber spricht

Vielen fällt es schwer, die eigenen Vorlieben zu thematisieren. Drei Experten erklären, wie man es schafft – und warum es sich lohnt.

Sex ist für viele ein Tabuthema, zugleich aber ein Grundelement für dauerhafte Zufriedenheit in der Partnerschaft. Wenns nicht läuft, sollte man drüber reden.
Sex ist für viele ein Tabuthema, zugleich aber ein Grundelement für dauerhafte Zufriedenheit in der Partnerschaft. Wenns nicht läuft, sollte man drüber reden. © dpa-infografik

Paare, die über ihren Sex sprechen und eventuelle Wünsche und Vorlieben artikulieren, sind erfüllter. Der Grund dafür ist klar: Wer über seine Wünsche spricht, hat größere Chancen, dass sie erfüllt werden. Aber warum fällt den meisten Menschen das vor allem dann schwer, wenn es um Sex geht?

„Es kann eine ganz schöne Herausforderung sein, mit jemandem über Sex zu sprechen, mit dem ich mich verbunden fühle“, sagt Psychologin Nele Sehrt. „Immerhin riskieren wir ja auch viel, beispielsweise Zurückweisung, Ablehnung oder Disharmonie.“

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Sex ist für viele ein Tabuthema, zugleich aber ein Grundelement für dauerhafte Zufriedenheit in der Partnerschaft. Und deswegen muss darüber gesprochen werden, sagt Sexualmediziner Georg Pfau. „Tatsächlich beruhen viele sexuelle Störungen auf einem Kommunikationsdefizit“, sagt er und geht sogar noch weiter: „Erst, wenn man darüber reden kann, ist Sexualität möglich.“

Redetabus seien somit auch Handlungstabus. Pfau nennt zugleich Gründe dafür, warum es einigen Menschen nicht leichtfällt, über ihre sexuellen Wünsche und Sex im Allgemeinen zu sprechen: Das liege vor allem an einer sich verändernden Wahrnehmung über Sexualität: „Wir leben in einer übersexualisierten Welt. Sex ist immer und überall.“ Vielen Menschen falle es relativ leicht, über die technische Abwicklung von Sexualität zu reden. „Über Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen, fällt hingegen schwer. Vor allem dann, wenn der Verdacht besteht, sie seien außergewöhnlich.“

Dabei sei es so wichtig, sich als Paar über seine Sexualität auszutauschen, findet Sehrt. „Damit meine ich gar nicht plakativ Pornofantasien wie Dreier oder bestimmte Blowjob-Techniken.“ Laut ihr gehe es oft erst mal darum, was miteinander Freude bereitet und dazu führt, dass das Gemeinsame intensiviert wird. „Das fängt schon bei der Art der Berührung an, bei dem Zauber des ersten Blicks und beim Thema Verführung.“

Ambiente schaffen

Wichtig ist, den Druck rauszunehmen. „Sexualität ist etwas ganz Natürliches, was ebenso kommuniziert werden kann und sollte wie Vorlieben beim Essen“, erklärt Sehrt. Und wo spricht man als Paar am besten über Sex? Im Bett? Auf keinen Fall, da sind sich die Experten einig. „Ein solches Gespräch sollte am besten außerhalb der sexuellen Aktion stattfinden“, sagt Sehrt.

Sexualmediziner Pfau hält aber auch den Frühstückstisch für einen schlechten Ort: „Da sind die meisten Leute nicht bereit, über Sex zu reden.“ Und unmittelbar vor dem Sex sei eben auch nicht gut. Am besten eignen sich ein neutraler Ort und eine neutrale Situation. Dafür könne das Paar vielleicht sogar einen Termin ausmachen. Pfau rät, vorher dafür zu sorgen, ungestört zu sein und ein erforderliches Ambiente zu schaffen. Und dann geht es darum, die richtigen Worte zu finden: Eine Idee ist laut Sexual- und Paartherapeut Carsten Müller, dem Partner vorzuschlagen, drei Fragen zu entwickeln, die wechselseitig beantwortet werden können. „Zum Beispiel: Wie benennen wir unsere Geschlechtsteile? Welche Orte mögen wir? Oder lassen wir lieber das Licht an oder machen Musik an?“ Ein solches Gespräch sollte nicht nur einmal stattfinden.

Pfau warnt vor Killerphrasen wie „Das ist ja pervers!“. So etwas zu erwidern, wenn einem der andere von seinen Wünschen erzählt, sei sehr kontraproduktiv. Eine bessere Aussage wäre: „Steh ich nicht so drauf.“

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Schaffe man es, mit seinem Partner offen, ehrlich und vor allem wertschätzend über Sex zu sprechen, dann bringe das eine Menge Vorteile mit sich, sagt Sehrt. Man müsse allerdings die Angst überwinden, eventuell in seiner Sexualität nicht angenommen zu werden. Die Nichterfüllung sei aber ein wesentlicher Teil einer Partnerschaft – und biete große Entwicklungschancen. (dpa)

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