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So geht es Familien in der Krise wirklich

Familien hatten und haben viel auszuhalten. Eine Studie zeigt, wie sie mit Einschnitten und Ängsten umgehen – und was ihnen Kraft und Mut gibt.

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Es gibt viele Gründe für ernsthafte Sorgen. Doch Familien haben auch einen ganz wesentlichen Vorteil: Sie können sich gegenseitig beistehen.
Es gibt viele Gründe für ernsthafte Sorgen. Doch Familien haben auch einen ganz wesentlichen Vorteil: Sie können sich gegenseitig beistehen. © dpa

Erst die Pandemie, nun Krieg, Inflation und die Sorgen vor dem nächsten Winter. Dauerprobleme wie der Lehrermangel, zu große Kita-Gruppen oder der Klimawandel treten da fast in den Hintergrund. Familien hatten es in den vergangenen zwei Jahren nicht leicht. Und die Zeiten versprechen wenig Besserung. Die Zeitschrift Eltern hat das zum Anlass genommen, gemeinsam mit dem Forschungsinstitut mindline media 1.049 Mütter und Väter zu befragen, was sie in Krisenzeiten bewegt, wie es ihnen geht, was ihnen Halt gibt.

Corona, Krieg und Finanzen nehmen Mütter mehr mit als Väter

Jeder Zweite macht sich heute mehr Sorgen als noch vor zwei oder drei Jahren. Die Verunsicherung unter den Eltern ist insgesamt groß. Doch vor allem bei den Themen Krieg, wirtschaftliche Entwicklung und Zukunftschancen der eigenen Kinder gaben Eltern an, sie seien stark oder sehr stark verunsichert. Wegen der Corona-Pandemie zeigen sich noch 41 Prozent der befragten Eltern besorgt.

Das vergangene Jahr scheint besonders bei den Müttern Spuren hinterlassen zu haben. Sie sind, verglichen mit den Vätern, allgemein stärker verunsichert. Vor allem über die Zukunftschancen der Kinder machen sich die Mütter mit 77 Prozent große Gedanken. Das Thema lässt aber auch 65 Prozent der Väter nicht kalt. Auch die Frage der persönlichen finanziellen Lage verunsichert Mütter mit 67 Prozent deutlich mehr als Väter (56 Prozent). Die Befragung zeigt aber ebenso: Der Blick fürs Positive hat sich geschärft. So sagen 43 Prozent der Befragten, dass sie im Vergleich zu vor zwei, drei Jahren nun mehr zu schätzen wissen, wie gut es ihnen geht. Ebenso viele empfinden den Zusammenhalt in der Familie als noch wertvoller.

Familien mit geringem Einkommen sind besonders verunsichert

Durchweg am größten ist die Verunsicherung der Eltern in Familien mit einem Haushaltseinkommen von unter 2.000 Euro netto. Sie sorgen sich am meisten um die persönliche finanzielle Lage (82 Prozent). Aber auch andere Themen verunsichern diese Eltern stärker, etwa wenn es um die Zukunftschancen der Kinder geht (78 Prozent) oder um Engpässe bei der Versorgung (68 Prozent), etwa mit Blick auf Lebensmittel. Niedriges Einkommen ist also ein Risikofaktor für Wohlbefinden.

Rituale und soziale Kontakte sind Kraftquellen für Familien

Rituale wie täglich gemeinsam zu essen, miteinander Ausflüge zu machen oder den Kindern vor dem Einschlafen etwas vorzulesen, vorzusingen oder mit ihnen den Tag auszuwerten, geben 49 Prozent der Familien gerade in schwierigen Situationen Kraft. Die allerwichtigste Ressource ist allerdings Nähe, Kontakt und Intimität mit den Liebsten. Und so herausfordernd das Familienleben sein kann, Kinder geben ihren Eltern auf der anderen Seite auch viel Kraft. Das sagen immerhin 79 Prozent aller Befragten. Ebenso ist die Partnerschaft für zwei Drittel ein stärkender Faktor. Männer und Frauen scheinen aus unterschiedlichen Quellen Kraft zu schöpfen. Für Mütter sind das soziale Umfeld und Familien-Rituale bedeutsamer, Väter wiederum stärken ein sicherer Job, Hobbys und Sport mehr.

Eltern wünschen sich von der Politik mehr Rückendeckung

Wer Krisen bewältigen muss, kann Hilfe gut gebrauchen. Eltern wünschen sich eine Politik und eine Arbeitswelt, die Familien stärkt. Große Bedeutung hat dabei die finanzielle Versorgung. Knapp drei Viertel der Befragten, die finden, dass Eltern mehr unterstützt werden müssten, wünschen sich mehr Geld für Familien. Ebenfalls oben auf der Wunschliste: mehr Flexibilität im Job, mehr Verständnis für die Bedürfnisse von Eltern und Kindern und mehr Rücksicht vom Arbeitgeber.

Kinder sollen vor allem selbstbewusst und gut gebildet sein

Für ihre Kinder wünschen sich die befragten Eltern, dass sie gut eingebettet sind in das soziale Gefüge, in das sie hineinwachsen und das ihnen später im Leben selbst Halt geben könnte. Die drei wichtigsten Dinge, die sie ihnen mitgeben möchten, sind ein starkes Selbstbewusstsein (66 Prozent), eine gute Bildung (62 Prozent) und Vertrauen in den Rückhalt der Familie (60 Prozent). Dass das Kind gute Umgangsformen hat, ist mit 49 Prozent jedem zweiten Elternteil wichtig, knapp gefolgt von einer optimistischen Weltsicht (46 Prozent), der Fähigkeit zu Toleranz (40 Prozent) und Einfühlungsvermögen (38 Prozent). Durchsetzungsstärke spielt mit 28 Prozent eher eine untergeordnete Rolle. Allerdings ist sie Vätern wichtiger als Müttern.

Kinderbetreuung ist für fast alle Eltern unverzichtbar

Die Befragung zeigt, dass Kita, Schule und Hort den Familien eine unentbehrliche Stütze sind. 85 Prozent der Eltern sagen, eine verlässliche Kinderbetreuung sei notwendig, um den Familienalltag überhaupt stemmen zu können. Mit 94 Prozent sind fast alle Eltern davon überzeugt, dass Kinder Kita, Schule und Hort brauchen, um Sozialverhalten zu lernen. Gleichzeitig – und das ist überraschend – sagen acht von zehn Befragten, dass sie der Aussage zustimmen: „Für die Bindung ist es wichtig, dass zumindest ein Elternteil in den ersten zwei, drei Jahren beim Kind bleibt.“ Genau so viele sind der Meinung „Kita ist wichtig, aber nicht den ganzen Tag“. (rnw/sp)

Der Text ist ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Eltern. www.eltern.de