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Wahrscheinlichkeit eines Blackouts?

Spätestens seit dem Buch „Blackout - Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg stellen sich Menschen die Frage, wie wahrscheinlich ein Blackout in Deutschland überhaupt ist und manche sorgen sogar für eine eventuelle Notsituation vor.

© Willi Heidelbach

Bei einem Blackout in Deutschland wären innerhalb von Sekunden das Licht, der Fernseher, der Fahrstuhl im Haus und die Kaffeemaschine aus und der Strom wäre erst einmal für unbestimmte Zeit nicht verfügbar. Diese Situation und die entsprechende Ungewissheit, wann der Strom beispielsweise wieder verfügbar ist, würden bei vielen Menschen Panik und andere negative Gedanken auslösen.

Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit und sollte man mit einem Notstromaggregat oder sogar Lebensmitteln und Wasser vorsorgen? Bereits im Jahr 2006 gab es ein ähnliches Szenario in Deutschland, das sich schließlich auf viele Teile Europas ausstreckte. In diesem Jahr sollte ein Schiff aus der bekannten Meyer Werft in Papenburg auslaufen, allerdings konnte das Schiff, auf Grund seiner Höhe, nicht unter einer Stromleitung vor der Werft durchfahren. Bei der Stromleitung handelte es sich um eine Höchstspannungsleitung mit 380.000 Kilovolt. Aus diesem Grund muss mindestens ein Abstand von 3 Metern eingehalten werden, damit der Abstand nicht mit einer Berührung gleichzusetzen wäre. Dieser Abstand konnte allerdings nicht gewährleistet werden, wodurch die Stromleitung kurzzeitig abgeschaltet werden sollte. Auf Grund einiger Verständigungsprobleme zwischen den zu diesem Zeitpunkt zuständigen Unternehmen für die Leitungen mit Höchstspannung, wurde die Leitung frühzeitiger abgeschaltet, obwohl noch kein alternativer Weg für den Strom, der normalerweise durch die Leitungen fließen sollte, vorgesehen war. Somit waren alle Leitungen zu 100% ausgelastet, aber der Strom floss dennoch durch, wodurch eine automatische Sicherheitsabschaltung der betroffenen Leitung unumgänglich war. Diese Abschaltung löste einen Dominoeffekt aus und breitete sich somit über das ganze Netz in Deutschland, aber auch in weiten Teilen Europas aus. Bereits nach ungefähr zwei Stunden war das Netz fast wieder komplett stabil, wodurch alle Geräte und Maschinen wieder Strom bekamen.

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Da sich die gesamte Situation erst um circa 22 Uhr abgespielt hat, haben es viele gar nicht mitbekommen und konnten am nächsten Morgen ganz normal ihre Kaffeemaschinen oder den Backofen bedienen.

Dies war allerdings auch nicht die erste Situation, die ein solch kleines „Blackout“ ausgelöst hat. Dennoch wird das Netz in den letzten Jahren immer stabiler und die zuständigen Unternehmen, sogenannte Übertragungsnetzbetreiber, sorgen in einem europäischen Verbundnetz für eine durchgängige gleiche Qualität des Stromnetzes. Sollte diese Qualität gefährdet sein ergeben sich für die Betreiber des Übertragungsnetzes viele Möglichkeiten, um gegenzusteuern. Gemessen wird die Qualität an der Hertz Anzahl, die aus der Steckdose in den eigenen vier Wänden kommt und 50 Hertz betragen sollte. Um diese Qualität jederzeit gewährleisten zu können, müssen die Netzbetreiber europaweit zusammenarbeiten und im ständigen Austausch stehen. Außerdem muss die Stromproduktion identisch zum Stromverbrauch sein, da Strom nicht gespeichert oder verbrannt werden kann. Sobald der Strom produziert wurde, muss er auch verbraucht werden.

Zum damaligen Zeitpunkt, an dem ein kurzes „Blackout“ stattgefunden hat, konnte kein Nutzer einklagen, dass er zu diesem Zeitpunkt keinen Strom erhalten hat, da nirgends eine vertragliche Zusicherung über dauerhafte Stromverfügbarkeit besteht. Somit ist es fraglich, ob es bei einem größeren „Blackout“ diese Möglichkeit geben wird oder, ob vor allem Produzenten auf den anfallenden Kosten sitzenbleiben.

In jedem Fall kann man sagen, dass die Wahrscheinlichkeit eines „Blackouts“ von Tag zu Tag abnimmt, da die Betreiber des Netzes sich bereits seit Jahren mit genau diesem Szenario beschäftigen und dafür sorgen, dass es nicht eintritt. Ein normaler Stromausfall im eigenen Haus oder in der Straße ist aber dennoch immer wieder möglich und so gesehen auch nicht weiter schlimm. Schlimm wäre es, wenn ein komplettes „Blackout“ in Deutschland entstehen und sich zeitgleich auf das gesamte europäische Verbundnetz ausbereiten würde. Ob eine Vorsorge für diese Situation notwendig ist, muss jeder eigenständig entscheiden und das entsprechende Risiko abwägen. 

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur Georg B.

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