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Wie man über Verflossene sprechen sollte

Geschichten über den oder die Ex können sinnvoll sein. Doch Vorsicht bei einer Sache.

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Fragen an den Neuen: Warum habt ihr euch getrennt?
Fragen an den Neuen: Warum habt ihr euch getrennt? © dpa/Christin Klose

Wenn Beziehungen auseinandergehen, bleiben oft Wut, Enttäuschung oder Trauer zurück. Gefühle, die einige Menschen am liebsten mit der ganzen Welt besprechen würden. Mit engen Freunden und der Familie sollte man das auch, um mit Vergangenem abzuschließen. Tritt dann aber irgendwann ein neuer Mensch ins Leben, dann können Geschichten über den oder die Ex oft irritieren.

In bestimmtem Umfang sei es aber ratsam, über vergangene Beziehungen zu sprechen, findet Trennungscoach Dorothea Behrmann. „Denn es gehört ja zu einer Person dazu, wie sein oder ihr Liebesleben vorher ausgesehen hat.“ Man möchte den anderen kennenlernen und ist normalerweise neugierig, wie lange Beziehungen im Schnitt gedauert haben, so Behrmann. Daran könne man schon ein bisschen ablesen, wie die neue Flamme in Liebesdingen gestrickt ist. Der andere Part solle bei solchen Gesprächen versuchen, eventuell aufkommende Eifersucht oder Rivalität zu unterdrücken und zu respektieren, dass auch vorherige Beziehungen wichtig waren.

Zeichen des Vertrauens

Beim ersten Date sollte man aber vorsichtig mit solchen Themen sein, rät Paar- und Sexualtherapeutin Filomena Lorenz. Dabei komme es jedoch auch darauf an, wie alt die Beiden beim Kennenlernen sind. Denn: Wenn ein junger Mensch zum ersten Date geht, dann sei das etwas anderes als bei einem Älteren, der vielleicht schon geschieden ist und Kinder hat, über die er seinen Date-Partner aufklären muss.

Sogar hilfreich findet es Thomas Krüger, Paartherapeut aus Dresden, Auskünfte über das vergangene Liebesleben zu geben. Das gilt umso mehr, wenn der andere davon wissen will. Aber: „Bei einem ersten Treffen direkt den Fokus auf Geschichten über den Ex-Partner zu legen, wird irritieren.“ Lorenz empfiehlt, sich vor dem ersten Date einen Plan zu machen: „Was möchte ich von mir preisgeben? Mit meiner ganzen Lebensgeschichte würde ich nicht rausrücken. Und auf keinen Fall die beiden Menschen vergleichen!“

Trennungscoach Behrmann würde einem neuen Partner gegenüber sensibel und zurückhaltend sein, was Geschichten mit der oder dem Ex anbelangt. Trotzdem: „Meines Erachtens gehört es dazu, von Anfang an ehrlich und authentisch zu sein.“ Also sollte der neue Partner wissen, warum es in der vorherigen Beziehung nicht geklappt hat, um abzuschätzen, ob das auch für ihn ein Trennungsgrund gewesen wäre? „Möglicherweise interessiert das den neuen Partner, und das Thema kommt ganz natürlich zur Sprache“, räumt Behrmann ein. Dabei sollte man prüfen, ob man selbst das ebenfalls möchte. „Ist das so, kann man sich Stück für Stück öffnen und erzählen“, sagt Thomas Krüger. Auch dann, wenn der neue Partner mit dem Erzählen beginnt, reagiert man im besten Fall entspannt: „Denn er vertraut mir damit etwas aus seinem Leben an, und idealerweise bin ich interessiert und neugierig, weil ich den anderen besser kennenlernen will“, so Krüger. „Offenheit und Authentizität von Anfang an sind ein guter Grundstein für eine vertrauensvolle Beziehung“, findet auch Behrmann. Jedoch sollte man achtsam sein mit Details und langen Ausschweifungen über die ehemalige Beziehung. Denn das könne den neuen Partner verletzen.

Ihm sollte in jedem Fall die Chance gegeben werden zu sagen, wenn ihm die Erzählungen reichen. Dazu gehört es, dass der oder die Zuhörende darauf achtet, wie es ihm oder ihr gerade geht. Und er oder sie darf sagen: „Jetzt möchte ich nicht mehr über deine Verflossenen sprechen.“ „Ich würde dann ganz konkret ansprechen, dass mir die Gespräche zu viel werden, mir wehtun oder bei mir den Eindruck erwecken, dass die alte Beziehung noch zu viel Raum einnimmt“, sagt Behrmann. Sie würde in diesem Fall nachfragen, was den Partner vielleicht noch belastet. So könne man herausfinden, was der Anlass für die Gespräche über den oder die Ex sind.

Für Thomas Krüger ist eine Beziehung dann bereichernd, wenn man reflektiert über Vergangenes spricht. „Wenn mein Partner über einen Menschen spricht, mit dem er im Vergangenen in einer sozialen Verbindung stand, dann ist es wertschätzend, liebevoll auf diesen Menschen zu blicken.“ Denn der Partner, der jetzt an meiner Seite ist, hat ja auch mit ihm eine Zeit in seinem Leben verbracht.

Hellhörig sollte man werden, wenn der Respekt fehlt. „Wenn jemand schimpft, dann sind noch Groll und Hass im Spiel, und das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die alte Beziehung noch nicht abgeschlossen und verarbeitet ist“, analysiert Dorothea Behrmann. Sie rät, eher neutral über den oder die Ex zu sprechen: „Ein Schwärmen oder Vergleiche sind für die neue, noch frische Liebe ebenso nicht förderlich.“ Und darüber sind sich alle Experten einig: Erzählungen über intime Dinge, Emotionen und Erotik sind ein Tabu und haben überhaupt keinen Platz in Gesprächen mit einem neuen Partner. (dpa)