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Familien im Glück

Bei einem Empfang begrüßte Neukirch die jüngsten Einwohner. Es gab viel zu lachen und schöne Geschenke.

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© Steffen Unger

Von Constanze Knappe

Neukirch. Ein bisschen skeptisch schaut Robin Valentino drein. Der Knirps kennt logischerweise noch nicht den Unterschied zwischen seinem Lätzchen und einem x-beliebigen. Seine Mama Ricarda Rähder aber schon. Sie freut sich darüber. Nicht nur, weil auf dem weißen Stoff der Name ihres Sohnes steht. Das Lätzchen ist ein Geschenk der Gemeinde Neukirch – zum ersten Mal überhaupt. In der ortsansässigen Leinenmanufaktur von Kleist wurde der Stoff aus der Leinenweberei Hoffmann zum Lätzchen designt sowie für Jungen blau und für Mädchen rot eingefasst und bestickt. Hinten im Stoff prangt zusätzlich das Logo der Oberlandgemeinde. „Eine schöne Idee“, findet die junge Mutti.

Bis zum ersten Möhrenbreifleck noch reinweiß. Die Lätzchen für die neuen Neukircher.
Bis zum ersten Möhrenbreifleck noch reinweiß. Die Lätzchen für die neuen Neukircher. © Steffen Unger

Wie sie waren jetzt die Eltern von 38 Babys mit ihren Kindern zum Neugeborenenempfang eingeladen. 34 Familien kamen zu dem Treffen in die Festscheune am Rittergut. „Die war für die kleine Feier liebevoll dekoriert und auch sonst hat sich die Gemeinde viel Mühe gegeben“, erzählt Ricarda Rähder. Bei Kaffee, Kuchen und Obst sei es ein richtig schöner Nachmittag gewesen. Den erlebte die 31-Jährige nicht zum ersten Mal. Schon mit ihrer bald vierjährigen Tochter Rosalia war sie seinerzeit zum Babyempfang eingeladen. Und wie damals zahlte die Gemeinde den Familien auch diesmal ein Begrüßungsgeld von jeweils 70 Euro pro Kind, eine seit Jahren fest im Haushalt verankerte Ausgabe. „Eine tolle Sache“, sagt Ricarda Rähder. Auch weil es keine Selbstverständlichkeit sei. Das Geld für Robin, wie der Kleine kurzerhand genannt wird, will die Familie auf ein Sparbuch für den Sohn einzahlen. Das Lätzchen sei eine nette persönliche Zugabe, die es für die Tochter noch nicht gab. Der neue Bürgermeister Jens Zeiler hatte die Idee dazu und überreichte sie nun stolz, wie er sagte. Die persönliche Geste zum Geld war ihm ein Anliegen von Herzen.

„Mit zwei Kindern ist es schon etwas turbulenter“, erklärt die junge Mutter. Anfang August vorigen Jahres kam Robin zur Welt. Wie zuvor schon seine Schwester wurde auch er im Krankenhaus Bischofswerda per Kaiserschnitt geholt. Dass die beiden Kinder gesund sind, betrachten Ricarda und René Rähder als großes Glück. Sie stammt ursprünglich aus Steinigtwolmsdorf, er ist gebürtiger Neukircher. Seit 2008 leben sie zusammen dort. Nach der Elternzeit möchte die junge Mutter, die als Sachbearbeiterin bei einer Landesbehörde beschäftigt ist, gern wieder arbeiten. Ihr Mann (38) ist als selbstständiger Leiter einer Versicherungsagentur ebenfalls berufstätig. Umso wichtiger ist es den Eltern, dann die Kinder gut betreut zu wissen. Bei Rosalia sei es damals nicht so leicht gewesen, einen Platz zu bekommen. Das Mädchen geht in die Kita „Kleine Feuerwehr“. Bei Robin war es etwas einfacher. Für ihn stellten die Eltern allerdings schon während der Schwangerschaft einen Antrag auf einen Krippenplatz. Der inzwischen Einjährige ist jetzt zur Eingewöhnung in der gleichen Einrichtung wie seine Schwester. „In der Kita ist zwar noch alles neu und fremd für Robin, aber es gefällt ihm und er spielt bereits mit den anderen Kindern“, erzählt die Mama.

Zwischen dem 1. Juli 2015 und dem 30. Juni dieses Jahres – so die Stichtage für den diesjährigen Babyempfang – wurden 18 Jungen und 20 Mädchen geboren. Vier davon brachten Mütter zur Welt, die im Asylbewerberheim in Neukirch leben. Zwar gibt es die feierliche Begrüßung der Neuankömmlinge in der Oberlandgemeinde schon seit einigen Jahren, für Jens Zeiler war es seit dem Amtsantritt als Bürgermeister jedoch der erste Termin dieser Art. Er freute sich sehr darauf. Sieben der kleinen Neukircher kannte er zuvor schon persönlich, bei einem Baby ist seine Frau sogar Patentante. Selber Vater einer Tochter, die mittlerweile im Teenageralter ist, weiß Jens Zeiler um die Gemütslage der jungen Eltern. Als Gemeindeoberhaupt hat er die Sache aber nicht nur aus emotionaler Sicht zu betrachten. Jede Gemeinde freue sich über viel Nachwuchs, sagte er. Erst recht, wenn man wie Neukirch die 5 000-Einwohner-Marke anpeilt. Familienfreundlichkeit sei deshalb für Gemeinderat und Verwaltung ein Dauerthema. Die Kitas „Zur kleinen Feuerwehr“ in Trägerschaft des DRK und „Querx Valentin“ in Trägerschaft der Volkssolidarität, dazu die sanierte Grundschule und die gerade erst begonnene Sanierung an der Oberschule sind Beispiele dafür. Erst in diesen Tagen wurden sechs Baugenehmigungen an junge Familien erteilt. Und weil es immer mehr Anfragen von jungen Leuten gibt, die in Neukirch arbeiten und deshalb auch hinziehen wollen, plant die Gemeinde ein neues Wohngebiet in der Ortsmitte.

Wenn Ricarda Rähder wieder arbeitet, pendelt sie mit dem Zug von Neukirch nach Dresden. Diese Bahnanbindung zu erhalten, das sei sicher für viele Familien wichtig, erklärt sie und wünscht sich, dass sich die Gemeindeverwaltung dafür einsetzt. Dann verweist sie noch auf den ziemlich neuen Spielplatz hinter dem Rittergut. Tochter Rosalia nennt ihn liebevoll „Kaffeekanne“, weil das Klettergerüst aussieht wie eine solche. Der Spielplatz sei richtig schön, nur für die Familie, die in einem eigenen Haus in Richtung Wilthen wohnt, ein bisschen weit weg. Froh sind die Rähders darüber, dass in ihrem Freundeskreis noch mehr Babys geboren wurden. Und das dürfte auch Bürgermeister Jens Zeiler freuen.