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Familienfest im Gefängnis

Die Rammenauer feiern am Wochenende eines ihrer ältesten Gebäude. Es ist heute so schön und lebendig wie das ganze Dorf.

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© Steffen Unger

Rammenau. Dass Rammenau als eines der schönsten Dörfer Deutschlands und in Europa ausgezeichnet worden ist, liegt auch am attraktiven Ortskern mit mehreren liebevoll restaurierten und lebendig gemachten Anziehungspunkten. Einer ist das „Alte Gefängnis“ an der Fichtestraße. Dessen Wiedereröffnung jährt sich jetzt zum 20. Mal. Was am Sonnabend gefeiert wird.

Dass es Grund gibt, Gäste einzuladen, ist kein Zufall. Gleich nach der Wende schmiedeten die Rammenauer den Plan, das Gebäude von 1774 nicht dem Verfall preiszugeben, sondern zu retten. Ab 1993 wurde es restauriert. Dabei halfen Rammenauer im Rahmen der damals landesweit geförderten „Aktion 55“ sowie auf der Basis von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Auch ortsansässige Firmen engagierten sich über Jahre, bis es 1997 so weit war und das Haus als Ort der Begegnung wieder eröffnet wurde. Seitdem werden jährlich neue Ausstellungen gezeigt, „die Touristen und Rammenauer gern sehen“, sagt Jana Simmert vom Heimatverein.

Schule, Gefängnis, Galerie

Die Geschichte des Hauses ist wechselvoll. Erbaut wurde es vor über zweihundert Jahren als zweite Rammenauer Schule. Die erste Dorfschule, in die der Philosoph Johann Gottlieb Fichte ging, stand auch auf diesem Grundstück. Wie der Heimatverein recherchiert hat, waren um 1800 in der zweiten Schule schon rund 200 Schüler angemeldet. Die meisten Kinder mussten zwar in den Webereien und auf den Feldern arbeiten und kamen nicht regelmäßig zum Unterricht. Aber schon um 1852 baute man eine Schulscheune an, weil der Platz nicht reichte. Es folgte eine dritte Schule, die gegenüber steht und heute als Wohnhaus genutzt wird. Mit dem Bau der dritten Schule wurde die zweite zum Gefängnis. „In der Arrestzelle sperrte der Nachtwächter Trunken- und Raufbolde ein“, erzählt Jana Simmert.

Das Fest aus Anlass der Wiedereröffnung vor zwanzig Jahren wird am Sonnabend von 16 bis 21 Uhr am Alten Gefängnis gefeiert. Unter anderem gibt es Führungen und einen Film, der an die Restaurierung erinnert. Geplant sind außerdem Tanz für Groß und Klein sowie in den Abendstunden Lichterglanz mit Musik um das Gefängnis. Die aktuelle Ausstellung widmet sich in Fotos und Texten dem Thema „Gedanken über das Leben –  Johann Gottlieb Fichte und wir“. Das Fest gestalten der Heimatverein und der Verein der Freiwilligen Feuerwehr Rammenau mit Partnern wie Uwe Hillmann und seinem Weinstand. Die Veranstalter laden alle ein und sagen Danke für 20 Jahre Kraft und Energie, die in dem Kleinod stecken. (SZ)