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Farbattacke auf Konsulat

Am Donnerstagmorgen entdecken Mitarbeiter des tschechischen Generalkonsulats große Farbflecken. Betroffen ist auch ein vor dem Haus stehendes Kunstwerk. Später melden sich die Täter.

© privat

Fabian Schröder

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Dresden. Kunstwerk oder Gebäude? „Wir wissen noch nicht, worauf es die Verursacher primär abgesehen haben“, sagt Jiri Kudela am Donnerstagmorgen. Der tschechische Generalkonsul bekam gegen 7.45 Uhr eine Nachricht von einem Mitarbeiter, dass das Konsulatsgebäude an der Erna-Berger-Straße in der Inneren Neustadt mit hellgrüner Farbe bespritzt worden ist.

Dieses Foto schickten die Bekenner als Beweis. © privat

Die Unbekannten müssen ihre Farbladung von der Theresienstraße aus versprüht haben. „Die Farbmenge zeigt mir, dass das wohl nicht beiläufig passierte, sondern vorbereitet gewesen sein könnte“, spekuliert Kudela. Die Dresdner Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, konnte am Morgen aber noch keine Erkenntnisse mitteilen.

Am Abend bekennen sich dann die Täter. Freunde des soziokulturellen Zentrums in Prag - „Klinika“ „besuchten“ Dresden und „markierten das Generalkonsulat farblich“, heißt es in dem Schreiben. Zum Beweis schicken sie ein Foto mit. Grund sei die drohende Räumung des selbstverwalteten Zentrums durch die Stadt Prag.

An der Fassade des Hauses befinden sich von Erdgeschoss bis hoch zum Dach mehrere große hellgrüne Flecke. Doch auch ein hinter dem Zaun und direkt vor dem Gebäude stehendes Kunstwerk ist stark betroffen.

Die Installation namens „Bosocculus“ ist im Rahmen der noch bis zum 12. November in Dresden stattfindenden deutsch-tschechischen Kulturtage aufgestellt worden. Eingeweiht am 26. Oktober sollte das Werk der Berlinerin Ute Deutz und des Tschechen Vladimir Kovarik kommenden Dienstag wieder abgebaut werden. „Kovarik wollte dafür sogar nach Dresden kommen“, erklärt der Generalkonsul am Telefon, während er draußen Polizisten beim Aufnehmen von Beweisfotos zusieht.

Das Kunstwerk stellt eine gotische Rosette dar, wie sie in der mittelaltlichen Architektur im heutigen deutsch-tschechischen Raum typisch für die Konstruktion von Fenstern war. Die Stahlkonstruktion soll das friedliche Zusammenleben der beiden Nachbarländer symbolisieren. Es heiße deshalb auch „deutsch-tschechisches Fenster“, wie Kudela sagt.

Den Fall muss das Konsulat jetzt an die Sicherheitsabteilung im tschechischen Außenministerium in Prag melden. „Wir fühlen uns nicht bedroht. Es ist aber sehr, sehr unangenehm - gerade jetzt während unserer Kulturtage“, so Kudela, der sich nun um die Schadensberechnung und -beseitigung an dem angemieteten Haus und dem Kunstwerk kümmern muss.