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Farben aus dem Feuer

Der Radebeuler Günter Gläser zeigt die seltene Kunst der Emailletechnik in einer Schau in der Stadtbibliothek.

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© Norbert Millauer

Von Lilli Vostry

Radebeul. Kaum einer beherrscht heute noch die Kunst der Emailletechnik. Der Radebeuler Günter Gläser zeigt seine leuchtend farbenfrohe Malerei auf Kupfer derzeit unter dem Motto „Farben aus dem Feuer“ in einer Ausstellung des Kulturvereins der Stadtbibliothek Radebeul e.V. im Kulturbahnhof auf der Sidonienstraße 1 c.

Die Besucher erleben ein Fest für die Sinne. Bilder mit südlichen Landschaften, mit Lavendelfeldern, blühenden Mandelbäumen, Mohnblüten und Sonnenblumen, Wollgras-Fantasie, Möwen-Flug und Visionen am Berg. „So etwas hatten wir hier noch nicht“, sagt Martina Kunath, stellvertretende Bibliotheksleiterin. Der plastisch-vielschichtige Farbauftrag der Emaillebilder ähnelt Spachtelölbildern, die weich fließenden Übergänge erinnern an Aquarelle. Dazu halten sie über ein Menschenleben hinaus, sind wetterfest.

Fasziniert vom Eindruck des Augenblicks und seinem Lebensmotto „Carpe diem“ entsprechend, verbindet Günter Gläser in seinen Werken künstlerische Ausdrucksfreude und handwerkliches Können, hält Erlebtes in der Natur und auf Reisen im Mittelmeerraum fest. Er betrachtet mal heiter beschwingt, besinnlich, nachdenklich bis ironisch auch das Leben, die Zeit und die Menschen im Wechsel der Jahreszeiten – mit aller Schönheit, Weite und Enge, Licht- und Schattenseiten. Zu sehen sind Tanzende und Musikanten in farbenfrohen Trachten, ein Paar Hand in Hand in „Spätem Glück“, ein anderes in der „Midlife-Crisis“, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Urwüchsige Kraft und Ehrfurcht vor der Natur und zugleich die Sehnsucht nach Balance spiegeln die Bilder „Vulkanausbruch“, „Monsterwelle“, „In der Wüste“ und „Alpine Visionen“. Über eine formreich bewegte Landschaft zieht „Das fliegende Jahr“.

Zu sehen ist in einer Bilderserie in der Ausstellung auch die Entstehung eines Steg-Emaillebildes auf Kupfer. Ein zunächst kahler Baumzweig rankt und blüht in immer feiner abgestimmten Farbnuancen auf vier Platten nach dem dritten, fünften, siebten und neunten Brand im Brennofen. Bis zu zehn Brände braucht es bis zum fertigen Bild. Mit bis zu 200 Farbtönen, jeder davon hat seine eigene Schmelztemperatur, arbeitet Gläser. Daher muss er sein Bild schon vorher genau kennen und den Werdegang akribisch planen. „Das Besondere dabei ist, dass die Bildgestaltung mittels der plastischen Steg-Emailletechnik brillante Lichteffekte hervorzaubert und langlebig ist im Gegensatz zu vielen anderen Maltechniken“, sagt Günter Gläser.

1935 in Dresden geboren, stammt er aus einer Handwerkerfamilie in dritter Generation. War bereits mit 20 Jahren Ingenieur für Wärme- und Gesundheitstechnik, erprobte sich in der Freizeit an kunsthandwerklichen Arbeiten in Kupfer und Stahl am und im Bau in der väterlichen Werkstatt. Die erste Berührung mit Emaillebildgestaltung gab es 1973 im Atelier des Kunstprofessors Rudolf Sitte in Dresden.

Seit seiner Pensionierung widmet sich Gläser seit nunmehr über 15 Jahren ganz der seltenen, aufwendigen Emaillekunst. Mit viel Hingabe, Ausdauer, angeeignetem Wissen und Experimentierfreude. Anregen lässt er sich vom großen spanischen Maler des Lichts des 19. Jahrhunderts Joaquín Soralla und seiner heutigen Schüler ebenso wie von den Impressionisten Robert Sterl und Werner Haselhuhn. Günter Gläser gibt seine Erfahrungen mit der Emaillekunst auch an Interessierte weiter.

Die Ausstellung in der Bibliothek versammelt Emaillebilder aus den Jahren 2008 bis 2016. Einige hat er schon an Sammler verkauft. Ein kleines Landschaftsbild – 12 mal 11 Zentimeter – kostet 250 Euro, ein großformatiges, mehrteiliges Bild, 1,20 mal 1,60 Meter samt Rahmen bis zu 10 000 Euro.

Günter Gläser hat auch ein Buch über sein Leben und Werk geschrieben mit vielen farbigen Abbildungen, erschienen unter dem Titel „Erlebtes zwischen Schraubstock, Lehrbuch, Unternehmen und Emaille“ 2015 im Notschriftenverlag Radebeul.

Die Ausstellung in der Stadtbibliothek Radebeul, Sidonienstraße, ist bis zum 28. Oktober zu sehen, Mo., Di., Mi., Fr. von 9 bis 19 Uhr