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Faschingsparty für Flüchtlingskinder

Das Wittichenauer Prinzenpaar besuchte samt Anhang das Hoyerswerdaer Flüchtlingsheim.

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„Ein donnerndes Helau!“: Den Karnevals-Ruf bekamen die Kinder beigebracht.
„Ein donnerndes Helau!“: Den Karnevals-Ruf bekamen die Kinder beigebracht. © Foto: Martin Kliemank

Von Martin Kliemank

Eine Polonaise zieht gut gelaunt über den kahlen Flur. Kinder lassen sich die Gesichter bunt schminken. Nebenan wird an Hüten, Masken und Rasseln gebastelt. Zu lauten Kinderhits tanzt eine Kinderschar ausgelassen um ein paar Stühle. In Etage 4 im Hoyerswerdaer Flüchtlingsheim herrscht mächtig Trubel. Das Wittichenauer Karnevalsprinzenpaar ist in der Unterkunft in der Thomas-Müntzer-Straße zu Gast und hat sein Gefolge mitgebracht. Die Karnevalisten haben eine Faschingsparty für die Kinder im Heim organisiert.

„Der Fasching ist bunt“, erklärt Prinz Stephan. Das sei ihr diesjähriges Thema. „Wir sind alle bunt. Also müssen wir alle Menschen der Welt irgendwie mitnehmen.“ Deshalb hätten sie in Privatinitiative diese Aktion gestartet.

Bei Heimleiter Kevin Stanulla stieß das Prinzenpaar mit seiner Idee auf offene Ohren. Er habe sich über das Angebot gefreut. „Wir sind da sehr offen“, betont Stanulla. „Wenn jemand sagt, ich will hier was organisieren mit den Ausländern, gern auch mit Deutschen und Ausländern zusammen – perfekt!“ Rund 370 Flüchtlinge leben in dem Heim; überwiegend Familien, Angehörige 28 verschiedener Nationalitäten, die hier untergebracht sind. Etwa 120 Bewohner sind Kinder. Als er denen von der Faschingsparty erzählte, waren die „Feuer und Flamme“, erinnert sich Stanulla.

„Erst standen sie trommelnd vor der Tür, wollten rein, hatten Lust, die Jungs und Mädels“, schildert Prinz Stephan den Auftakt der Faschingssause. Doch als die Türe aufging, seien die Kinder erstmal verhalten gewesen. Aber nur für „drei Sekündchen“, scherzt Stephan Bulang. „Dann ruckizucki alle rein in die Bude.“ Jetzt können die Kinder von den Süßigkeiten, die der Prinz verteilt, nicht genug bekommen – so wie Saykhan. Der Zehnjährige hat sich wie ein Tiger schminken lassen. „Das hat gekitzelt“, berichtet er. „Am meisten hier.“ Er deutet aufs Kinn. Am meisten Spaß gemacht habe ihm aber das Popcorn zu essen, das zwei Langgardisten frisch zubereiten. Jetzt sucht Saykhan einen Mitspieler, um „Star Wars“ nachspielen zu können. Die Luftschlange in seiner rechten Hand schwenkt er dazu wie ein Lichtschwert .

Froh über jede Abwechslung

„Ich wusste erst nicht, was uns erwartet“, gesteht Daniel Zschorlich, Commodore der Prinzengarde Rote Funken. Er hilft einem Jungen dabei Sterne aus Tonpapier zu falten. „Ich war auch etwas nervös und wusste nicht: wie sind die Kinder drauf, haben die Lust darauf oder nicht.“ Doch jetzt stellt Zschorlich fest: „Die sind begeistert, machen auch ihre eigenen Sachen. Man muss gar nicht viel vorgeben.“ Sozialpädagogin Susann Roß überrascht das nicht. Sie arbeitet seit drei Jahren in dem Flüchtlingsheim. „Hier ist es für viele recht trist und langweilig. Da sind sie froh, wenn mal eine Aktion ist und sie rauskommen, mal was anderes sehen und abgelenkt werden.“

Prinzessin Anna-Maria wird derweil von -zig Kindern umringt. Sie trägt eine lila Perücke auf dem Kopf und knotet Luftballonfiguren. Die drückt sie den Kindern in die Hand und die toben freudestrahlend damit davon. Anna hat ein Jahr lang in Indien gewohnt und mit hundert Straßenjungs gearbeitet. Sie sagt: „Es ist uns wichtig, Begegnungen zu schaffen, zwischen Kindern und Menschen von hier und den Flüchtlingen, die jetzt zu uns kommen.“ Viele Vorurteile und Missverständnisse entstünden nur, weil keine Begegnung stattfinde. Deshalb diese Feier: „Beim Tanzen, Basteln und Schminken ist es am einfachsten, zueinander zu kommen“, erläutert die 30-Jährige. Nach der zweistündigen Fete im Heim ist sie geschafft. Nichtsdestotrotz kann sie sich vorstellen, so etwas zu wiederholen.