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Politik

Fast 100 Tote bei Protesten im Irak

Es sind die schwersten Unruhen im Irak seit 2017: Beinahe 100 Menschen sind bereits gestorben, Tausende wurden offiziellen Angaben zufolge verletzt.

Regierungsgegner legten Brände und sperrten eine Straße während einer Demonstration.
Regierungsgegner legten Brände und sperrten eine Straße während einer Demonstration. © Hadi Mizban/AP/dpa

Bagdad. Nach tagelangen blutigen Protesten im Irak gerät die irakische Regierung zunehmend unter Druck. Die Zahl der Toten seit Beginn der Demonstrationen gegen Korruption und Misswirtschaft am vergangenen Dienstag stieg auf 93, wie die staatliche Menschenrechtskommission in Bagdad mitteilte. Fast 4000 Menschen wurden demnach verletzt. Die allermeisten Opfer seien Demonstranten gewesen. Sicherheitskräfte waren in den vergangenen Tagen immer wieder mit Tränengas und Schüssen gegen die Proteste vorgegangen.

Regierungschef Adel Abdel Mahdi hob eine Ausgangssperre auf, die er am Donnerstag verhängt hatte, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. In Bagdad war die Lage am Samstag zunächst ruhig. Der irakische Sender Al-Sharqiya meldete, Demonstranten versammelten sich erneut in der Nähe des Tahrir-Platzes im Zentrum Bagdads.

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Das Internet blieb landesweit weiterhin größtenteils unterbrochen. Eine Delegation des Parlaments habe sich mit 50 Vertreten der Demonstranten getroffen, um über deren Forderungen zu sprechen, sagte der Abgeordnete Hassan Chalati der Deutschen Presse-Agentur.

Ein verletzter Demonstrant wird ins Krankenhaus mit einem Krankenwagen gebracht, nachdem er während einer Demonstration erschossen wurde. 
Ein verletzter Demonstrant wird ins Krankenhaus mit einem Krankenwagen gebracht, nachdem er während einer Demonstration erschossen wurde.  © Khalid Mohammed/AP/dpa

UN-Generalsekretär António Guterres rief die Regierung und die Demonstranten zu einem Dialog auf. Alle Beteiligten müssten "äußerste Zurückhaltung" zeigen, erklärte er in New York.

Der einflussreiche schiitische Geistliche Muktada al-Sadr forderte die Regierung zum Rücktritt auf und verlangte eine Neuwahl unter Aufsicht der UN. Angesichts des "rücksichtslosen Blutvergießens" dürfe niemand schweigen, erklärte er nach Angaben irakischer Medien. Al-Sadrs Block hatte bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr die meisten Sitze gewonnen und die Regierung bislang unterstützt.

Aktivisten beklagten sich in sozialen Medien über den brutalen Einsatz der Sicherheitskräfte mit Tränengas und Schüssen. Im Internet und in irakischen Sendern waren Aufnahmen von Toten und Verletzten zu sehen. Auch Schüsse waren zu hören. Demonstranten blockierten Straßen und zündeten Reifen an. Dutzende Gebäude wurden beschädigt.

Regierungsfeindliche Demonstranten haben während einer Demonstration Feuer gelegt und eine Straße blockiert. 
Regierungsfeindliche Demonstranten haben während einer Demonstration Feuer gelegt und eine Straße blockiert.  © Khalid Mohammed/AP/dpa

Die Proteste richten sich gegen die im Irak weit verbreitete Korruption, politischen Stillstand und die Wirtschaftskrise. Getragen werden sie im wesentlichen von jungen Männer. Viele von ihnen klagen über fehlende Arbeitsplätze oder die schlechte Infrastruktur. So gehört das Land weltweit zu den größten Ölproduzenten, leidet aber unter einem akuten Strommangel. Bereits in den vergangenen Monaten war es immer wieder zu tagelangen Protesten gekommen. (dpa)