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Dresden

Endspurt um die Mehrheit im Stadtrat

CDU, Grüne und AfD liegen beim Zwischenstand fast gleichauf.  Bei der Stadtratswahl wird's ganz eng.

Gekommen, um Kreuze zu machen. Aber vor vielen Wahllokalen war dafür Geduld notwendig.
Gekommen, um Kreuze zu machen. Aber vor vielen Wahllokalen war dafür Geduld notwendig. © SZ/Henry Berndt

Es blieb bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zeitweise lagen die CDU, die Grünen und die AfD bei der Stadtratswahl am Sonntag in Dresden nur einen halben Prozentpunkt auseinander. Als 303 von 504 Wahlbezirken ausgezählt waren, lagen Grüne und AfD sogar kurzzeitig mit jeweils 18,9 Prozent gleichauf. Damit zeichneten sich bereits vor Abschluss der Auszählung deutliche Gewinne für die Grünen und die AfD ab.

Da war schon klar, dass die SPD mit unter zehn Prozent abgeschlagen sein würde. 2014 hatte sie noch knapp 13 Prozent erreicht. Auch bei den Linken zeichneten sich Verluste ab. Bei der letzten Wahl erhielten sie knapp 21 Prozent. Auch die CDU musste mit Verlusten rechnen. 2014 hatten sie noch knapp 28 Prozent erreicht. Das schien jetzt nicht mehr möglich. 

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Die Dresdner verstanden diese Wahl als Richtungswahl. Die Wahlbeteiligung lag mit knapp 68 Prozent deutlich höher als noch 2014 mit damals 53 Prozent.

Den richtigen Zeitpunkt haben wohl nur die wenigsten abgepasst: Lange Schlangen prägten am Sonntag das Bild in zahlreichen Wahllokalen quer durch die Stadt. Schon morgens gegen 10.30 Uhr mussten Wähler in den Gymnasien Dreikönigschule in der Neustadt und Bühlau bis zu 30 Minuten warten. Ähnliche Bilder in der Kaditzer Grundschule und dem Wahllokal bei der Eisenbahnerwohnungsgenossenschaft Gorbitz. Doch auch wer später kam, musste Geduld mitbringen, wie gegen 13 Uhr am Weißen Adler oder in Trachau. Mit 45 Minuten Wartezeit waren die Cottaer, die sich gegen 13.15 Uhr auf den Weg gemacht hatten, besonders schlecht dran. Immerhin lag die Wahlbeteiligung in Dresden um 14 Uhr bereits bei 44,8 Prozent und damit fast fünf Prozent höher als noch 2014, als sie zu dem Zeitpunkt 39,6 Prozent betrug. Hoffnung machte sich breit, dass diesmal mehr Dresdner mitentscheiden wollten, wer ins Europaparlament kommt, in den Stadtrat sowie in die Stadtbezirks- und Ortschaftsräte.

Eine halbe Stunde vor Toresschluss ist die Schlange vor dem Wahllokal am Dreiköniggymnasium immer noch lang. Ein Wahlhelfer sagt, dass er so einen Andrang noch nie erlebt hat. Diskutiert wird, was passiert, wenn um 18 Uhr immer noch Leute warten. Wahrscheinlich liegt es an den Wahlzetteln, auf denen sich ungewöhnlich viele Namen befinden, dass bei Einigen die Wahl sehr lange dauert. Das verzögert wiederum den gesamten Ablauf in den Wahllokalen. In der Neustadt sind deshalb am Tag sogar zusätzliche Wahlkabinen aufgestellt worden. Dort haben die Wahlhelfer entschieden, dass alle wählen dürfen, die sich bis 18 Uhr angestellt haben, wie ein SZ-Reporter erfuhr. Mehrere Wähler sind sogar mehrfach gekommen, weil ihnen die Schlangen zu lang waren, so wie Martin Schönfelder. Doch es nutzte nichts. Auch beim letzten Anlauf musste er lange anstehen, erst kurz vor 19 Uhr kann er seine Kreuze machen.


Ein Rekord gab es bei der Briefwahl: 90 500 Menschen haben schriftlich gewählt, so viele wie noch nie, erklärt Wahlleiterin Sandra Engelbrecht. Von den 4 400 Wahlhelfern sagten 42 am Morgen ab, doch die Reserve sprang ein und wurde komplett benötigt. Trotz der Schlangen gab es auch viele leere Wahllokale. 

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