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„Fast alle Straßenbaustellen werden fertig“

Im Landkreis gibt es so viele Baustellen wie lange nicht. Warum erklärt Vize-Landrat Heiko Weigel im SZ-Interview.

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Herr Weigel, kann das Landratsamt bei so vielen Baustellen überhaupt noch den Überblick behalten?

Heiko Weigel ist Beigeordneter des Landrats und als Leiter verantwortlich für den Geschäftsbereich Bau und Umwelt. Foto: Landratsamt
Heiko Weigel ist Beigeordneter des Landrats und als Leiter verantwortlich für den Geschäftsbereich Bau und Umwelt. Foto: Landratsamt

Ja, können wir. Anders als viele denken, werden Baustellen bei uns koordiniert. Es gibt sieben Mitarbeiter, die sich allein um Sperrungen, Baustellenampeln und Umleitungen kümmern. Jede Straßensperrung muss bei uns beantragt werden. Unsere Mitarbeiter prüfen die Anträge, stimmen größere Baustellen mit den Bauherren, den Kommunen, der Polizei und dem ÖPNV ab. Dabei wird auch darauf geachtet, welche anderen Sperrungen mit den Plänen kollidieren könnten. So kommt es, dass fast jede zweite Genehmigung anders aussieht als der Antrag. In Pirna, Freital, Sebnitz und Dippoldiswalde gibt es eigene Behörden für die Koordinierung.

Man hat den Eindruck, dieses Jahr werden die Nerven der Autofahrer besonders strapaziert. Woran liegt das?

Das hat mehrere Gründe. Seit drei Jahren sind wir dabei, den Investitionsstau an unseren Straßen zu beseitigen. Dann haben wir in den vergangenen Jahren vier Hochwasser erlebt. Noch immer arbeiten wir mit Hochdruck daran, die Schäden zu reparieren. Dann ist es auch die wirtschaftliche Entwicklung. Wir sind eine wirtschaftlich prosperierende Region. Dadurch gibt es auch ein höheres Verkehrsaufkommen. Hinzu kommen die Pendler Richtung Dresden.

Sie meinen, wir jammern auf hohem Niveau?

Wenn man so will, ja. Wenn man im Stau steht, ist so eine Ampel verständlicherweise nervig. Aber im Großen und Ganzen ist es gut, wenn wir bauen können. Wir haben das Glück, dass wir ein dichtes Straßennetz haben. Dadurch können wir in den allermeisten Fällen auch zumutbare Umleitungsstrecken anbieten.

Aber wenn selbst in der Umleitung eine Ampel steht, so wie zuletzt an der Hocksteinschänke in Hohnstein?

Das ist natürlich nicht ideal. Unser Zeitplan ist dieses Jahr sehr auf Kante genäht. Ist eine Baustelle fertig, fängt die nächste an. Für Verzögerungen sind keine Puffer möglich. Aber die lassen sich nicht immer vermeiden. Für den Asphalteinbau zum Beispiel muss das Wetter eben passen. Auch ungeplante Baustellen, wie nach dem Unwetter im Juni, lassen uns schwitzen.

Meckern die Leute heute mehr?

Das würde ich nicht sagen. Aber heute können viele mitreden, sich an uns wenden. Das ist auch gut so. Das schafft Transparenz. Wir sind über jeden Hinweis, wo es klemmt, dankbar. Niemand ist perfekt.

Häufig sieht man an Baustellen nur wenige oder gar keine Bauarbeiter arbeiten. Eilig scheint man es manchmal nicht gerade zu haben.

Keine Baufirma hat Interesse daran, dass gebummelt wird. Dafür ist die Auftragslage zu gut. Einige Arbeiten laufen im Hintergrund ab. Nur ein Beispiel: Bevor eine neu verlegte Trinkwasserleitung keimfrei ist, muss manchmal zwei Wochen lang das Wasser durchlaufen. Eher wird die Baugrube nicht geschlossen. Machen können die Bauleute in der Zeit nichts.

Welche Zeit ist in ihren Augen die beste zum Bauen?

Die konfliktärmste Zeit sind die Ferien. Dann kommen wir nicht mit dem Schülerverkehr ins Gehege. Der Tourismus läuft über die gesamte Saison. Auf ihn müssen wir immer Rücksicht nehmen.

Werden die Baustelle in den nächsten Jahren weniger?

Nein. Wir haben vom Fördermittelgeber bis 2019 Zeit, Hochwasserschäden zu beseitigen. Das werden wir auch ausschöpfen.

Ein Hotelier in Gohrisch hat kürzlich sein Gastronomie-Geschäft aufgeben müssen, weil sein Haus durch die Baustellen in den letzten Jahren schwer erreichbar war. Er hätte sich eine bessere Kommunikation gewünscht. Was sagen Sie dazu?

Das ist bedauerlich. Wir haben von diesem Fall zu spät erfahren. Generell sind wir auf die Unterstützung der Gemeinden angewiesen, wenn es spezielle Problemlagen vor Ort gibt. Das funktioniert unterschiedlich gut.

In den vergangen beiden Jahren waren die Winter sehr mild. Dennoch ruhen Baustellen in dieser Zeit. Könnte man nicht Zeit gewinnen, wenn man milde Perioden nutzt?

Wir versuchen so lange zu bauen, wie es geht. Allerdings ist das Wetter im Winter ein ziemlich unsicherer Faktor: Da kann es von einer auf die andere Woche umschwenken. Baufirmen können da nicht so flexibel und schnell reagieren. Da hängen Bestellungen von Material, die Personalplanung und vieles andere dran.

Werden dieses Jahr denn alle Baustellen vor dem Winter fertig?

Wir planen damit, dass fast alle Baustellen fertig werden. Die beiden, die sich noch bis ins nächste Jahr ziehen, sind die Kreisstraße in Pfaffendorf und die Staatsstraße zwischen Tharandt und Freital.

Zuletzt gab es in Ottendorf und Wilsdruff-Mohorn Ärger, weil Autofahrer nicht die ausgeschilderte Umleitung nehmen, sondern Schleichwege fahren. Die Anwohner dort sind sauer, die Straßen nehmen Schaden. Wie kann man so etwas verhindern? Durch mehr Kontrollen vielleicht?

Wenn es sich um öffentliche Straßen handelt, müssen Anwohner das hinnehmen. Es sei denn, die Autofahrer missachten Verbotsschilder. Oder aber sie fahren zu schnell. Dann sind Kontrollen nötig. Die Frage ist aber immer, welche Priorität diese Stellen haben, denn unsere Kapazitäten und die der Polizei sind begrenzt.

Das Gespräch führte Carina Brestrich.