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Fast alles neu in der Turnhalle

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Am Freitag wurde im Tivoli an der Dr.-Kahlbaum-Allee Richtfest gefeiert. Schon im März will die Hochschule einziehen.

Von Matthias Klaus

Eugen Böhler macht sich ein bisschen Sorgen. „Bitte nicht die Turnhalle betreten. Da könnten Sie reinrutschen und stecken bleiben“, mahnt der Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde Görlitz. Kein Wunder, der Fußboden glänzt feucht und frisch. Am Freitag bekam die Halle eine Estrich-Schicht. Und am selben Tag wurde im Tivoli gefeiert: Richtfest für den Hauptbau vorn und eben die Turnhalle.

Anfang Mai hatte ein Feuer einen großen Teil des Gebäudekomplexes an der Dr.-Kahlbaum-Allee zerstört. Nun schaut die Kirchgemeinde optimistisch in die Zukunft. Denn: Alle Arbeiten zum Wiederaufbau liegen im Plan. Im März soll der Hochschulsport wieder in die Turnhalle einziehen. Der Görlitzer Architekt Christian Weise ist da ein bisschen vorsichtig. „Schreiben Sie mal lieber Frühjahr“, sagt er. Christian Weise hatte das Vorhaben der Feien Evangelischen Gemeinde schon vor dem Brand betreut und tut es heute noch. „Es war schon eine Herausforderung. So eine Zerstörung nach einem Feuer hatte ich bis dahin noch nicht gesehen“, erinnert er sich. Vorrang bei den anstehenden Arbeiten hat die Turnhalle. Das Dach ist drauf, große Kräne hatten in den vergangenen Tagen Spannbetonteile aufgesetzt. Derzeit ist noch die Seite in Richtung Mälzerei offen. „Sie wird mit einer Notverbretterung geschlossen“, schildert Christian Weise. Am kommenden Dienstag wird dann die Bodenplatte in der Turnhalle eingebaut, es folgen die Fenster. Sie stehen schon zum Einbau bereit, Maßanfertigungen. Der Architekt rechnet mit einer Woche, bis sie eingebaut sind. Dann ist die Turnhalle für den Innenausbau im Winter gewappnet. Eine Bauheizung sorgt für entsprechende Temperaturen. Elektrik, Putz und, und, und – es gibt noch viel zu tun. Die Halle bekommt etwa eine Fußbodenheizung.

Wann genau es mit der angrenzenden Mälzerei weitergeht, ist derzeit noch offen. „Wir brauchen sie aber“, sagt Architekt Christian Weise. Die Räume werden unter anderem benötigt, um Mobiliar unterzubringen. Schließlich nutzt zum einen die Hochschule die Halle, aber auch die Kirchgemeinde.

Zukunftsmusik. Am Freitagnachmittag war erst einmal Feiern angesagt. Und ein bisschen Erinnern. „Vor vier Jahren haben wir uns überlegt, wo wir für unsere Gemeinde neue Räume finden könnten“, erzählt Pastor Eugen Böhler. Rund 35 Mitglieder hatte die Freie Evangelische Gemeinde. Tivoli – das Vorhaben erschien zunächst als zu groß, zu teuer. „Aber wir haben das Ganze auch als eine Art Glaubensprojekt gesehen“, schildert der Pastor. Unterstützung gab es bundesweit, zweieinhalb Jahre lang wurde geplant, investiert und gebaut. Alles lief nach Plan. Zwei Wochen vor dem Umzug der Gemeinde dann der Schock. Ein verheerender Brand schien allen Träumen der Gemeinde ein Ende zu setzen. „Es stand dann natürlich schon die Frage, ob und wie wir einen Neustart wagen können“, sagt Pastor Eugen Böhler. Aber schon Stunden, nachdem sich die Nachricht vom Brand verbreitet hatte, kamen erste Hilfsangebote. „Wir haben eine unglaubliche Solidaritätswelle erlebt“, sagt Eugen Böhler. Bürger, Politik, Kirche, Unternehmer  – Hilfsangebote kamen von vielen Seiten. „Ich denke, wir haben hier ein großes, starkes Projekt für die Görlitzer, für Familien, für die ganze Stadt“, sagt der Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde. Wichtig war vor allem auch eine Versicherung, die bereits zahlte, obwohl die Schadenshöhe noch gar nicht genau feststand.

Martin Gläser, Chef der Dachbau GmbH aus Melaune, hat am Freitagnachmittag den feuchtesten Job. Er erinnert in seinem Richtspruch an das Feuer, die Handwerker, die Geldgeber, Unterstützer – und muss dazu natürlich immer wieder einen Schluck Alkoholisches zu sich nehmen. Am Ende landet das Glas, mit großem Schwung vom Gerüst geworfen, auf dem Görlitzer Boden.

„Der wichtigste Teil des Vorhabens ist jetzt geschafft“, sagt Architekt Christian Weise mit Blick auf die Turnhalle und die Wiederherstellung des Daches des Haupthauses in historischer Form. Bis Mitte kommenden Jahres, hofft er, soll dann alles fertiggestellt sein.

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