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Halbe Million Euro Miete pro Monat

Die Verwaltung zahlt sehr viel Geld, um ihre Mitarbeiter über die Stadt verteilt unterzubringen. Ein neuer Standort für das Rathaus soll das ändern.

© Christian Juppe

Von Andreas Weller

Wer etwas mit der Stadtverwaltung zu klären hat, muss zum Amt. Doch in Dresden ist es ein wahrer Dschungel, die richtigen Sachbearbeiter oder Beamten zu finden. Denn die Verwaltung ist auf 56 Standorte über die gesamte Stadt verteilt. Viele der Gebäude sind für Bürger nicht nur weit weg, sondern auch gemietet. Und dafür zahlt die Stadt aus Steuergeldern zum Teil enorme Mieten. Insgesamt werden jeden Monat 473 591 Euro dafür fällig – pro Jahr sind das knapp 5,7 Millionen Euro. Um Geld zu sparen und mehr Bereiche der Verwaltung zentral in die Innenstadt zu holen, soll ein zweites Rathaus auf dem Ferdinandplatz gebaut werden.

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Das Rathaus am Dr.-Külz-Ring kennt so ziemlich jeder, das zentrale Bürgerbüro an der Theaterstraße vielleicht auch noch und die Verwaltungsstelle des jeweiligen Ortsamtes, in dem man wohnt. Seitdem die Verwaltung das Technische Rathaus an der Hamburger Straße geräumt hat, sitzt die Bauverwaltung im World Trade Center (WTC), einige andere Ämter und bis zur Eröffnung des Kulturpalastes auch die Zentralbibliothek. Für das WTC muss die Stadt monatlich knapp 97 000 Euro hinlegen. Dort arbeiten 463 der insgesamt rund 6 500 Verwaltungsmitarbeiter. Es ist der zweitgrößte Mietstandort neben der Grunaer Straße. Dort sitzen 646 Personen, unter anderem vom Straßen- und Tiefbauamt, Umweltamt, dem Abfallbereich und IT-Techniker. Die Miete kostet dort gut 66 000 Euro. Für das Rathaus zahlt die Stadt keine Miete, weil es ihr gehört. Dort sind 622 Mitarbeiter untergebracht. Zum Vergleich: Für die Unterbringung der 30 Mitarbeiter vom Gesundheitsamt muss die Stadt gut 5 200 Euro pro Monat zahlen. Das ist das günstigste Mietobjekt.

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) hat nun für den Ferdinandplatz einen städtebaulichen Wettbewerb durchführen lassen. Es geht um die Fläche, die seit Jahren als Parkplatz neben dem Karstadt genutzt wird. „Ziel des Wettbewerbs ist die Sicherung der Fläche für ein Verwaltungsgebäude“, erklärte er auf SZ-Anfrage. Demnach wären an dem Standort rund 40 000 Quadratmeter Nutzfläche möglich. „Die Flächen würden für bis zu 1 700 Mitarbeiter ausreichen“, so der Bürgermeister. Das würde für einen großen Teil des Personals reichen, das derzeit in Mietobjekten untergebracht ist. Das betrifft gut 2 300 Mitarbeiter. Die Ergebnisse müssen noch durch eine Baukostenuntersuchung konkretisiert werden. Denn noch sei unklar, wie teuer ein Rathaus an der zentralen Stelle wäre. „Die ermittelten Baukosten werden dann potenziellen Mietkosten gegenübergestellt“, erklärt Schmidt-Lamontain. „Ich habe das Amt für Hochbau und Immobilienverwaltung beauftragt, ein Konzept zur Optimierung der Verwaltungsstandorte zu erarbeiten.“ Dabei seien alle potenziellen Standorte zu betrachten und gegeneinander abzuwägen. Dann müssen Baukosten und Mietkosten gegenübergestellt werden.

Ob die Stadt sich ein neues Rathaus leistet, muss am Ende der Stadtrat entscheiden. Klar sei aber, dass die Verwaltung die hohen Mietkosten gerne reduzieren will. Verwaltungsstellen in den einzelnen Ortsämtern und den eingemeindeten Gebieten sollen auf jeden Fall erhalten bleiben, ebenso das zentrale Bürgerbüro.

Das Kulturrathaus an der Königstraße gehört der Stadt, steht auch nicht zur Disposition. Unwahrscheinlich dürfte auch ein Umzug des Stadtarchivs an der Elisabeth-Boer-Straße sein, obwohl es die Stadt pro Monat mehr als 45 000 Euro Miete kostet. Mit einem Auszug aus dem WTC liebäugelt die Verwaltung bereits eine Weile, auch wegen der hohen Ausgaben.

Die Fläche am Ferdinandplatz stand auch bereits mehrfach zum Verkauf. Es gab immer mal wieder Pläne für ein privates Musical-Gebäude dort, die aber bislang immer scheiterten. Mittlerweile sucht die Stadt keinen Käufer mehr, sondern will das Grundstück lieber selbst nutzen. Nur wenn der Traum vom neuen Rathaus scheitert, werde es wieder zum Verkauf angeboten. Die Frage ist, ob die Stadt sich einen teuren Neubau nach den beiden Kulturgroßprojekten Kraftwerk Mitte und Kulturpalast leisten kann und will.

Raoul Schmidt-Lamontain möchte bei der Finanzierung alle Möglichkeiten prüfen: „Auch Modelle eines Public-Privat-Partnerships beziehen wir ein, sofern sich diese anbieten sollten.“ Dann müsste die Stadt das neue Rathaus allerdings mieten. Dafür wären die Konditionen gegenüber den jetzt fälligen Mieten abzuwägen. Denn eines ist klar: Die Verwaltung will auf keinen Fall mehr zahlen als bisher, um Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter zu haben.