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Fast jeden dritten Tag ein Einsatz

Bischofswerdas Freiwillige Feuerwehr zieht Jahresbilanz – auch mit kritischen Worten an die Politik. Und sie wählt einen neuen Ortswehrleiter.

© Archivfoto: Rocci Klein

Von Ingolf Reinsch

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Bischofswerda. Sie löschen Brände, retten Menschen, helfen nach Unfällen, beseitigen Schäden, die Unwetter verursacht haben. Wenn nichts mehr geht, wird die Feuerwehr gerufen. Für die Kameraden der Bischofswerdaer Ortswehr war das im vergangenen Jahr 99-mal der Fall. Mehr als jeder fünfte Alarm – insgesamt 21 – galt einem Brandeinsatz, sagte Orts- und Gemeindewehrleiter Sixten Mütterlein in seinem Rechenschaftsbericht auf der Jahreshauptversammlung am Sonnabend. Unter anderem zu mehreren Wald-, Scheunen- und Carportbränden in der Stadt und dem Umland sowie einem Feuer auf einem Parkplatz wurden die Feuerwehrleute gerufen. 61-mal wurden sie zur technischen Hilfe gebraucht. Das Einsatzspektrum erstreckte sich dabei von acht Verkehrsunfällen bis zur Tragehilfe für den Rettungsdienst, vom Beseitigen von Ölspuren bis zum Auspumpen von Kellern nach Wolkenbrüchen, vom Fahren des Notarztes vom Hubschrauberlandeplatz am Krankenhaus zur Einsatzstelle bis hin zum Öffnen von Türen für Rettungsdienst und Polizei, wo Bewohner dazu nicht mehr in der Lage waren. 13-mal gab es Fehlalarm, ausgelöst von Brandmeldeanlagen, unter anderem im Hotel Evabrunnen, im Haus für Kinder und Jugendliche an der der Kirchstraße und im Seniorenwohnhaus im Stadtteil Süd.

97 Mitglieder – und dennoch Personalsorgen

Bischofswerdas Ortswehr zählt 97 Mitglieder, davon 52 im operativen Dienst. Fünf Mitglieder konnten im vergangenen Jahr neu aufgenommen werden. Trotzdem plagen die Bischofswerdaer, wie die freiwilligen Brandschützer sachsenweit, Personalsorgen. „Ein Problem am Tag sind die fehlenden Atemschutzgeräteträger. Ein Großteil von ihnen ist erst nach der Arbeit verfügbar“, sagte Sixten Mütterlein. Von den 30 Tageseinsätzen – gemeint sind Einsätze von Montag bis Freitag in der Zeit von 6 bis 16 Uhr – wurden 21 unterbesetzt gefahren. „Das muss allen Verantwortungsträgern zu denken geben!“, appellierte der Wehrleiter. Dabei ist schon einiges auf gutem Weg. So wurden im vergangenen und diesem Jahr zwei Stellen im Bauhof mit Feuerwehrleuten besetzt. Jahrelang hatte Sixten Mütterlein das gefordert. Oberbürgermeister und die anderen Verantwortlichen in der Stadt sollten sich gegenüber den Unternehmen für die Belange der Feuerwehr einsetzen, was auch heißt, Mitarbeiter tagsüber freizustellen, wenn sie bei der Feuerwehr gebraucht werden. Eine Herausforderung auch für die Ortswehr ist der demografische Wandel. Fünf der Kameraden im aktiven Dienst sind älter als 60 Jahre, weitere sieben haben die 50 überschritten.

Schweigeminute für Ehrenmitglied

Zu Beginn der Jahreshauptversammlung im Rathaussaal gedachten die Feuerwehrleute mit einer Schweigeminute ihres Ehrenmitgliedes Ignatz Kucharek. Er starb im vergangenen Jahr. Zum neuen Ortswehrleiter wurde Thomas Woletz gewählt. Sixten Mütterlein, der 22 Jahre lang an der Spitze der Schiebocker Ortswehr stand, gab dieses Amt ab. Stattdessen konzentriert er sich nun auf seine Aufgaben als Gemeindewehrleiter, wozu die sechs Bischofswerdaer Ortswehren gehören.

Für langjährige Dienste in der freiwilligen Feuerwehr wurden neun Kameraden ausgezeichnet: Wolfgang Ebert und Hans-Jörg Mehnert für ihre 50-jährige Mitgliedschaft sowie Jörg Seidel und Ursula Schulz, die 40 bzw. 30 Jahre der Feuerwehr angehören. Für eine 20-jährige Mitgliedschaft wurden Maik Göhl und Oliver Tschentscher geehrt, für zehn Jahre Marcus Katzer, Falk Heide und Robert Samsa.