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Fast randvoll

Die umstrittene Grumbacher Deponie schließt in diesem Jahr. Die Arbeit ist jedoch noch lange nicht vorbei.

© Andreas Weihs

Von Hauke Heuer

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Wilsdruff. Der Geschäftsführer der Deponie in Grumbach, Rainer Dietze, steht in seinem Büro und zeigt mit dem Finger auf eine große Übersichtskarte. „Diese Bereiche sind bereits versiegelt. Hier befindet sich noch eine Grube“, erklärt er. „Auch die wird sich in den kommenden Monaten füllen“. Die Linien auf dem Plan umreißen die Ausmaße der einzelnen Bereiche der Müllkippe. Dietze ist damit zwei Jahrzehnte verbunden. Seit der Eröffnung auf dem ehemaligen Areal der Ziegelei 1996 hatte er die Verantwortung für die Deponie.

Eine Aufgabe, die ihm selten Sympathien, aber dafür viel Abneigung und Streit einbrachte. Dennoch blieb der 73-Jährige dem Unternehmen Amand, das die Deponie betreibt, bis in das Rentenalter treu. Die Arbeit habe ihm immer noch sehr viel Spaß gemacht. Erst wenn die Einrichtung offiziell ihre Türen schließt, will er sich in den Ruhestand verabschieden. Das könnte nun bald der Fall sein. Maximal 20 000 Kubikmeter Müll können nur noch in Grumbach gelagert werden. Da hier bisher jährlich rund 40 000 Kubikmeter entsorgt wurden, ist absehbar, dass die Deponie ab Mitte des Jahres nichts mehr annimmt.

„Wir hätten diesen Standort noch einmal 20 Jahre betreiben und etwa eine Millionen Kubikmeter zusätzlichen Müll einlagern können, wenn wir dafür die Genehmigung bekommen hätten“, sagt Dietze heute und fügt leicht zerknirscht hinzu: „Letztlich haben aber die Bürger ihren Willen bekommen, was wir akzeptieren.“ Anwohner hatten sich über Jahre hinweg gegen die Deponie engagiert und 2011 letztlich die baldige Stilllegung der Anlage durch die Landesdirektion erwirkt.

Als 2014 auf dem Gelände Schutt des stillgelegten Atomkraftwerkes Stade eingelagert wurde, kam es erneut zu Protesten. Dieser Widerstand in der Bevölkerung sei auch dafür verantwortlich, dass nach der Anordnung der Stilllegung sieben Jahre vergangen seien, bis die Deponie abschließend aufgefüllt wurde. Potenzielle Kunden seien aufgrund der Proteste abgeschreckt worden und damit die Menge des jährlich eingelagerten Mülls gesunken, so Dietze. Er kann die prinzipielle Ablehnung bis heute nicht nachvollziehen. „Es ist nicht unser Müll, der hier gelagert wird, sondern der Abfall der Gesellschaft, an dessen Entstehung wir alle beteiligt sind“, meint er.

Diesen Müll für die ferne Zukunft zu sichern, ist die Aufgabe von Betriebsleiter Andreas Lückmann. Er wird auch noch in den kommenden Jahrzehnten die Deponie betreuen. „Zunächst versiegeln wir die noch offen liegenden Bereiche des Geländes, dann fangen wir das Sickerwasser auf. Wie lange das laufen wird, können wir heute noch nicht sagen“, erklärt Lückmann. Der Abfall wird zuerst mit einer eineinhalb Meter dicken Lehmschicht verschlossen. Darauf folgt eine mehrere Millimeter dicke Folie, die über Jahrhunderte hinweg Flüssigkeiten zurückhalten soll. Auf der Folie liegt ein Schutzvlies. Alles wird mit einer zwei Meter dicken Erdschicht abgedeckt. Die Deponie wurde bereits bei der Einrichtung nach unten hin mit Lehm und Folien abgedichtet.

Da in der Deponie giftige Stoffe, wie Gießereirückstände, Kohlenteer oder mit Zink und Cadmium belasteter Schlamm lagern, ist das Wasser, das sich noch in der Deponie befindet, potenziell kontaminiert. Es muss über Jahrzehnte hinweg über ein kompliziertes System aus Drainagerohren abgepumpt und vor Ort vorgereinigt werden. Eine entsprechende Anlage ist bereits in Betrieb. „Wir wissen nicht, wie lange Wasser aus der Deponie sickern wird. Gehen jedoch davon aus, dass wir aufgrund dessen noch mit ein bis zwei Mitarbeitern über Jahrzehnte hinweg am Standort aktiv sein werden“, kündigt Lückmann an. Alle weiteren Mitarbeiter sollen innerhalb des Unternehmens einen neuen Job erhalten.

Die Grumbacher, die jahrelang gegen einen weiteren Ausbau der Deponie kämpften, sind froh, dass sie endlich ihr Ziel erreicht haben. „Wir stehen im engen Kontakt zu Amand und hoffen, bei der Gestaltung der Freifläche mitwirken zu können“, sagt Ludwig Hahn von der Interessensgemeinschaft. Denkbar wäre es beispielsweise, auf dem Gelände eine große Photovoltaikanlage zu errichten, so Hahn.