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Fast wie eine richtige Katastrophe

Feuerwehren und Bundespolizei proben in Ebersbach einen Zug-Unfall. Ein Oderwitzer erteilte den „Opfern“ Anweisungen.

© Matthias Weber

Von Markus van Appeldorn

Ebersbach. Um 13.12 Uhr am Sonnabend knarzt es aus dem Funkgerät von Kreisbrandmeister Björn Mierisch. „Bahnunfall Ebersbach Ladestraße“, meldet die Notrufzentrale. Und viele Fahrgäste auf dem Bahnsteig in Ebersbach schauen entsetzt auf die Szene, die sich vor ihnen abspielt. Ein Auto steht mitten im Gleis vor einem Trilex-Triebwagen. Wenige Meter weiter liegt ein Kleinwagen auf die Seite gekippt neben den Gleisen. Einfach weggekegelt.

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Die Kameraden öffnen den Kleinwagen mit der Rettungsschere.
Die Kameraden öffnen den Kleinwagen mit der Rettungsschere. © Matthias Weber
Ein Mädchen und seine verletzte Mutter werden geborgen.
Ein Mädchen und seine verletzte Mutter werden geborgen. © Markus van Appeldorn

Ein gutes Dutzend Fahrgäste sind in dem Zug eingesperrt. Doch drinnen gibt Daniel Schädlich seltsame Anweisungen, die so gar nichts Beruhigendes haben: „Du fällst in die Bewusstlosigkeit“, weist er eine junge Frau an. Und der Mutter eines dreijährigen Mädchens befiehlt er: „Immer schön schreien. Das Kind! Das Kind!“ Die Fahrgäste haben sichtlich Spaß an diesen Anweisungen, lachen. Die Menschen im Zug sind an diesem Mittag die freiwilligen „Opfer“ einer gespielten Katastrophe. Und der Oderwitzer Ortswehrleiter Daniel Schädlich sorgt mit seiner Regie dafür, dass alles ganz lebensecht wirkt.

Was täglich an irgendeinem Bahnübergang passieren kann – an diesem Sonnabend ist alles nur eine Übung. Das Szenario: Ein Zug ist mit zwei Autos kollidiert. Es gibt eingeklemmte Personen in den Autos und schwer verletzte Fahrgäste im Zug. Um 13.15 Uhr hört man die ersten Martinshörner. Die Übung läuft an. Als Erstes treffen zwei Fahrzeuge der Feuerwehr Ebersbach-Neugersdorf am Gleis ein. Kreisbrandmeister Björn Mierisch beobachtet das Vorgehen der Kameraden. „Wir proben einen sogenannten ManV 1-Fall“, sagt er. „ManV 1“, das steht für „Massenanfall an Verletzten“, mit rund 15 Beteiligten in Zug und Autos. An einem Punkt teilt der Einsatzleiter den ankommenden Kameraden Abschnitte zu. „Der Einsatzleiter hat vier Abschnitte gebildet“, erklärt der Kreisbrandmeister. So bildet der umgestürzte Kleinwagen etwa den ersten Abschnitt, das Auto im Gleis einen weiteren. Abschnittsleiter tragen eine weiße Weste, Gruppenführer sind an einer roten Weste zu erkennen. „Diese Kennzeichnung ist wichtig für ein koordiniertes Vorgehen bei der Rettung“, sagt Kreisbrandmeister Mierisch, „Alle diese Abschnitte haben auch eigene Funkgruppen, damit es nicht zum Funk-Chaos kommt.“ Als vorbildlich lobt Mierisch das Vorgehen, Sammelplätze für benötigte Geräte wie Rettungsscheren anzulegen. Gleichzeitig sorgen mehrere Kameraden in jedem Abschnitt für Brandschutz.

Nach und nach treffen weitere Wehren aus Eibau, Spitzkunnersdorf und Leutersdorf ein. Im Zug beginnen die eingeschlossenen „Opfer“ mit ihrem Schauspiel. Sie schreien, klopfen an die Scheiben. „Die spielen das sehr schön“, sagt Kreisbrandmeister Mierisch, „im Ernstfall dauert das für Opfer alles sehr lange, die haben Angst.“ Aber vor der Rettung und Bergung hat für die Kameraden Eigensicherung Priorität. „Es ist wichtig, die Ruhe zu bewahren und gezielte Rettungsmaßnahmen einzuleiten“, erklärt Mierisch.

Um 13.55 wird der Alarm aufgehoben. Alle Verletzten sind geborgen und versorgt. Kreisbrandmeister Björn Mierisch ist begeistert vom Erfolg: „Das kameradschaftliche Zusammenarbeiten hat reibungslos funktioniert. Die stehen der Berufsfeuerwehr in nichts nach und haben einen sehr hohen Ausbildungsstand. Ich kann das nur loben, wirklich sehr gute Arbeit gemacht.“