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Faustschläge für den Zinker

Weil er ihn beim Amt angezeigt haben soll, verprügelt der Angeklagte seinen Kumpel.

Von Jürgen Müller

Die Freundinnen des Angeklagten und des Geschädigten waren mal befreundet. Und die Männer damit irgendwie auch. Doch mit der Freundschaft ist es mit einem Schlag vorbei. Genauer gesagt: nach fünf Faustschlägen. Diese soll der 30-jährige Niederauer seinem Kumpel und ehemaligen Arbeitskollegen verpasst haben. Ohne Vorwarnung und mitten ins Gesicht, als der ahnungslos auf dem Bett lag und mit seinem Handy spielte. Ihm wurde das Nasenbein gebrochen, er erlitt Schwellungen am Kopf und blaue Flecken.

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Natürlich hat das alles eine Vorgeschichte. Der Angeklagte ist bei seiner Freundin und dem gemeinsamen Kind, als es an der Wohnungstür klingelt. Draußen vor der Tür stehen zwei Damen vom Amt. Sie haben ein Schreiben erhalten, dass der Angeklagte angeblich mit seiner Freundin zusammenlebt und diese eine „Bedarfsgemeinschaft“ bilden. Die beiden Damen begutachten die Wohnung, schauen nach, ob es etwa ein gemeinsames Ehebett gibt oder Zahnbürsten auf die nicht angemeldete Gemeinschaft hindeuten. Nach der amtlichen Schnüffeltour steht fest: An den Vorwürfen ist nichts dran. Die Frauen zeigen dem Niederauer das anonyme Schreiben. Am Stil will er erkannt haben, dass der Absender sein Kumpel ist. „Er hat schon öfter Briefe an Behörden geschrieben, dadurch habe ich das erkannt“, sagt der Niederauer.

Am gleichen Tag besucht er seinen Kumpel und dessen Frau. Angeblich will er nur eine ausgeliehene Kühltasche zurückbringen. Nichtsahndend schickt ihn dessen Freundin ins Schlafzimmer. „Ich war in Rage, wollte ihn zur Rede stellen“, sagt er. Doch mit reden ist nichts, er will den „Zinker“ bestrafen. Der Angeklagte schlägt sofort mehrfach zu. Sein Kontrahent habe danach heulend auf dem Bett gelegen und aus der Nase geblutet, sagt er. Er gibt zu, geschlagen zu haben, jedoch nur einmal und mit der flachen Hand. Der Richter zeigt ihm Fotos von dem Geschädigten. Die Verletzungen können keinesfalls durch einen einzigen Schlag mit der flachen Hand zugefügt worden sein. „Ich bin erschrocken, als ich die Bilder sah. Das entspricht nicht meinen Erfahrungen“, gibt er kleinlaut zu.

Kurz nach der Tat bekommt er Post von einem Anwalt. Sie enthält eine gerichtliche Anordnung, dass er sich dem Geschädigten künftig nicht mehr als auf 150 Meter nähern darf. Doch das ist noch nicht alles. Außerdem fordert der Geschädigte 6 000 Euro Schmerzensgeld für sich und weitere 2 000 Euro für seine Freundin wegen der psychischen Schäden, deretwegen sie drei Wochen nicht arbeiten konnte. Dieses Geld wird zivilrechtlich eingeklagt.

Der Ausraster wird sehr teuer für den Niederauer. Denn wegen Körperverletzung verurteilt das Gericht den nicht vorbestraften Mann zu einer Geldstrafe von 2 400 Euro. „Ich hoffe, dass das eine einmalige Entgleisung bleibt“, sagt der Richter.