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Fauxpas zum Fünfzigsten – Stanislaw Tillich feiert Geburtstag

Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich wird am Karfreitag 50 Jahre alt – und denkt schon ans Aufhören.

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Von Annette Binninger

Panschwitz-Kuckau muss am Karfreitag ohne seinen berühmtesten Einwohner auskommen. Denn Stanislaw Tillich wird seinen 50. Geburtstag nicht in seinem Heimatdorf feiern, sondern im Rheinland bei seiner Tochter. Fernab vom Trubel, der ihm sonst in Sachsen „gedroht“ hätte. Da mag es Tillich gerade recht gewesen sein, dass die Tochter mitten im zweiten juristischen Staatsexamen steckt, nicht nach Hause kommen, und darum als willkommener Fluchtpunkt dienen kann. So kann er die vielleicht letzten ruhigen Tage vor dem Wahlkampf-Stress der nächsten Monate incognito im Westen verleben. Dafür hat Tillich dieses Jahr sogar seine Teilnahme am berühmten Osterreiten in seiner sorbischen Heimat abgesagt.

Der 50. Geburtstag – spätestens an diesem Termin zittern viele Männer vor der berüchtigten „Midlife-Crisis“. Auch diese Gefahr wäre an dem sonst eher bodenständigen Sorben vermutlich ohne sichtbaren Folgen vorübergegangen – hätte er nicht just zu seinem Wiegenfest der bunten „Super-Illu“ ein nettes, aber folgenschweres Interview gegeben, in dem er zwar ehrlich, aber politisch ungeschickt für einen, der sich gerade anschickt, wiedergewählt zu werden, öffentlich über sein politisches Ende nachsinnt.

Fünf Jahre noch, dann wolle er „mal wieder was Neues“ machen. Und: „Ich möchte jedenfalls nicht mit den Füßen zuerst aus der Staatskanzlei getragen werden.“ Diese Nachricht schlug ein. Die Linkspartei flachste vergnügt über das Regierungs-Eigentor: Tillich sollte sich nicht darüber Gedanken machen, was er in fünf Jahren, sondern darüber, was er nach dem Wahltermin, dem 30. August 2009, machen wolle. Die Staatskanzlei bemühte sich unterdessen durch neue Interviews Tillichs Willen zum Amt zu bekräftigen. Er denke nicht an Rücktritt, schon gar nicht an sein vorzeitiges politisches Ende, lautete der Tenor – peinlich genug in einem Wahljahr.

Nach Ostern wird der Fauxpas zum Fünfzigsten vermutlich fast vergessen sein. Am Ostermontag wird erstmal gefeiert. Die Sachsen-CDU hat eingeladen zum „Volksfest“ in den Dresdner Großen Garten. Keine Geschenke, nur Spenden für drei Projekte wünscht sich Tillich. Ein Gospelchor, Kammersänger Götz und ein Tanzensemble aus Ottendorf-Okrilla sorgen für Unterhaltung. Eingeladen sind nicht nur handverlesene Gäste. Auch „Normalbürger“ sollen Bratwurst, Kaffee, Häppchen und Kuchen kostenlos erhalten. Volksnah will sich die CDU zeigen – und Stanislaw Tillich kein bisschen amtsmüde, sondern eben nur fünzig Jahre alt.