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Favoriten gehen meist leer aus

UN. Das Karussell der Kandidaten um die Nachfolge von Kofi Annan ist in vollem Schwung.

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Von Gisela Ostwald,New York

Keine 100 Tage mehr, bis Kofi Annan seinen Platz an der Spitze der Vereinten Nationen räumt. In wessen Hände der UN-Generalsekretär dann die Fäden der Weltdiplomatie legt, ist derzeit noch völlig offen. Hinweise auf den möglichen Nachfolger könnte die dritte Testwahl an diesem Donnerstag ergeben. Doch Kenner des UN-Systems wissen, dass die Favoriten der Anfangsrunden am Ende meist leer ausgehen.

Nun ist das Kandidatenkarussell wieder voll im Schwung. Neu in der Arena sind der frühere Finanzminister von Afghanistan, Ashraf Ghani, und die lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga. Ghani hatte in China, Indien und Russland für die Weltbank gearbeitet, könnte also Moskaus und Pekings Stimmen auf sich vereinen. Für Washington ist er ein Aushängeschild des erfolgreichen Kriegs gegen den Terrorismus. Vike-Freiberga wäre als erste Frau im Sessel des UN-Generalsekretärs gewiss eine Attraktion. Aber Russland lehnt sie strikt ab, und China besteht auf einem Asiaten.

Mit 50 noch zu jung

Aus den ersten beiden Probeabstimmungen im Weltsicherheitsrat war Südkoreas Außenminister Ban Ki Moon als Gewinner hervorgegangen. Ein erfahrener Diplomat, dem aber das Charisma von Annan so ganz und gar abgeht. Zweiter bei den Testwahlen wurde der indische Diplomat und Romanautor Shashi Tharoor. Er genießt als Unter-Generalsekretär für Kommunikation hohes Ansehen bei den UN. Doch Tharoor ist gerade erst 50. Ihm dürften auch sein fast noch jungenhafter Charme und die Tatsache, dass er ein großes und mächtiges Land vertritt, im Wege stehen.

Erst die nächste Testwahl verrät, wie groß die Chancen der Kandidaten wirklich sind. Bei der Abstimmung heute werden die Stimmen der fünf Vetomächte, USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China, an der Farbe ihres Zettels zu erkennen sein. Dass am Ende des Prozesses nicht immer die qualifizierteste Person gewinnt, sondern ein Kompromisskandidat, auf den sich die Vetomächte einigen können, ist bei der Weltorganisation ein offenes Geheimnis. (dpa)