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Fegte Montagabend ein Tornado über Neißeaue?

Der Tornadobeauftragte Andreas Friedrich erklärt, was Fallböen und Windhosen unterscheidet.

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© privat

Herr Friedrich, was ist eine Windhose?

Das Wort „Windhose“ wird in Deutschland für verschiedene kleinräumige Windphänomene verwendet. Selten ist das ein Tornado. Dafür muss sich unter einer Schauer- oder Gewitterwolke ein Trichter nach unten bewegen. Der Wind dreht sich dabei schnell um eine senkrechte Achse, berührt die Erde und wirbelt Staub, Blätter und mitunter sogar Autos mehrere Meter nach oben.

War es ein Tornado, der in Groß Krauscha und Kodersdorf wütete?

Ausschließen kann ich es nicht. Nach dem aktuellen Interpretationsstand gibt es aber keine konkreten Hinweise auf einen Tornado. Auf den Radarbildern bewegte sich zwischen 20 und 21 Uhr eine Gewitterfront über den Raum östlich der Neiße, danach ist aber nichts Verdächtiges mehr zu sehen.

Wenn kein Tornado, was war es dann?

Weit häufiger als Tornados treten kleinräumig Fallböen auf. Denn aus der Gewitterwolke fällt neben Regen und Hagel auch Wind nach unten, der aber nicht liegen bleibt, sondern kanalisiert wird. Dabei kann sich der Wind auf Geschwindigkeiten bis zu 200 Kilometern pro Stunde beschleunigen – und alles in der Schneise wird weggedrückt. Anders als ein Tornado dreht sich eine Fallböe nicht, sondern schiebt sich wie eine Wand geradlinig in eine Richtung.

Nehmen Tornados und Unwetter zu?

Die Dunkelziffer ist immer noch hoch, aber heute haben wir mehr Möglichkeiten, um Tornados zu dokumentieren. Tornados haben aber nicht zugenommen, weil sich das Klima verändert. Etwa 20 bis 60 Tornados messen wir pro Jahr. Jetzt im Juli erreicht die Saison ihren Höhepunkt.

Wie schützt man sich?

Dem Tornado sollte man unbedingt ausweichen. Wenn man 500 Meter entfernt ist, passiert nichts. Ein Tornado bewegt sich nur mit 30 bis 40 Kilometern pro Stunde, da kann man mit dem Auto davonfahren. Ansonsten in ein massives Gebäude nach unten und nach innen flüchten.

Die Fragen stellte Rita Seyfert.