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Fehler, Pfiffe, Zoff

Die Dortmunder Fans wenden sich erst von Skandalnudel Aubameyang und dann von der ganzen Mannschaft ab.

© dpa/Guido Kirchner

Von Thomas Nowag

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Pierre-Emerick Aubameyang machte den finalen Abflug mit einem goldenen Batman-Emblem auf seiner Kappe. Vermutlich hat der Torjäger am Samstag zum letzten Mal für Borussia Dortmund auf dem Platz gestanden, er wirkte lahm und phasenweise lustlos – doch der BVB hat nach einem brutal schwachen 2:2 gegen den SC Freiburg noch ganz andere Sorgen. Drei Unentschieden in Serie offenbaren, wie brüchig die Fassade des Friedens ist.

Torhüter Roman Bürki kritisierte scharf jenen Teil der BVB-Fans, der angesichts des schläfrigen Fußballs verständlicherweise die Geduld verloren hatte. „Die Ost- und Westtribüne, da kommen die Leute ins Stadion, um ihre eigene Mannschaft auszupfeifen. Die sollen zu Hause bleiben“, schimpfte der Schweizer, „das sind Leute, die keine Ahnung von Fußball haben.“

Michael Zorc reagierte erbost – sein Zorn traf allerdings nicht die Fans, sondern Bürki, den er gnadenlos abkanzelte. „Ich finde seine Aussage unpassend und inhaltlich falsch. Ich empfehle jedem Einzelnen aus der Mannschaft, sich das Spiel noch mal 90 Minuten anzuschauen“, sagte der Sportdirektor schneidend. „Da müssen sie aufpassen, dass sie nicht selbst pfeifen.“ Bürki relativierte seine Worte kurz darauf via Instagram.

Vom Offensivfußball vergangener, teils berauschender Jahre ist in Dortmund jedenfalls derzeit nichts zu sehen. Mut- und ideenlos schoben sich die Profis den Ball hin und her – und, kaum zu glauben angesichts früherer Feste: Sie langweilten ihre Fans. „Das ist unverständlich, nicht zu erklären“, sagte Zorc. „Ich bin ein bisschen sprachlos. Wir haben alles vermissen lassen, was ordentlichen Fußball ausmacht.“

Der neue Trainer Peter Stöger hat das am Ende naive Konzept seines Vorgängers Peter Bosz komplett auf den Kopf gestellt. Plötzlich spielt die Mannschaft dadurch allerdings übervorsichtig und saftlos. Stöger scherzte darüber: „Ich habe nicht gepfiffen. Aber zufrieden war ich auch nicht.“

Dass es keine Niederlage wurde, hatte er dem späten Ausgleich von Jeremy Toljan in der Nachspielzeit zu verdanken. Nils Petersen hatte das Spiel nach der frühen BVB-Führung durch Shinji Kagawa im Alleingang gedreht. Sein zweites Tor war ein tollkühner 40-Meter-Heber, wie man ihn selten sieht. „Das gelingt nicht alle Tage. Ich habe einfach mal mein Glück versucht“, sagte der Kunstschütze.

Es gab also viel zu bereden, und erstaunlich wenig hing mit Aubameyang (20 Ballkontakte) zusammen. Aus einfachem Grunde: nichts ist verkündungsreif. Die Verhandlungen zwischen dem BVB und dem FC Arsenal stocken, es naht die Schließung des Transferfensters am 31. Januar. „Wir haben eine klare Position“, betonte Zorc. „Entweder werden unsere Forderungen erfüllt, dann kann es einen Transfer geben. Oder nicht, und er spielt bis zum Sommer in Dortmund. So ist es auch mit seiner Familie besprochen.“ Angeblich verlangen die Dortmunder für Aubameyang 70 Millionen Euro – 15 mehr, als Arsenal bietet.

Stöger nahm seinen Topstürmer in Schutz. „Er hatte sicher schon bessere Tage. Doch in seiner Situation war es für ihn heute nicht ganz einfach“, meinte er. Wie sehr Aubameyangs Stellenwert bei den Fans nach diversen Eskapaden gelitten hat, bekam er in den ersten Minuten zu spüren, als seine seltenen Aktionen von Pfiffen begleitet wurden. Der nahm das gelassen: „Hasst mich oder liebt mich“, schrieb er bei Instagram. Fraglich ist, ob seine Weiterbeschäftigung beim BVB unter diesen Vorzeichen überhaupt noch Sinn hat.

Inwieweit die Provokationen des zuletzt suspendierten Torschützenkönigs die Mannschaft aus dem Tritt gebracht haben, ist schwierig zu ergründen. „Spieler kommen, Spieler gehen“, sagte Mario Götze, „das nur auf Auba zu schieben, wäre zu einfach.“ Stöger betonte, er werde sich „hüten, das als Argument heranzuziehen. Das ist ein Nebenschauplatz“.

Allerdings einer mit gesamtheitlichen Auswirkungen. „Nicht mal mir wird es gelingen, dass diese Mannschaft unattraktiven Fußball spielt. Nicht mal, wenn ich es wollen würde“, hat Stöger vor wenigen Wochen gesagt. Nun ist klar: doch, es geht. Zum dritten Mal nacheinander musste sich der BVB mit einem Remis begnügen und verzeichnete damit den schlechtesten Rückrundenstart seit neun Jahren. Die avisierte Rückkehr in die Champions League gerät damit immer mehr in Gefahr. „Das ist nicht das, was wir von Spielern im schwarz-gelben Trikot erwarten“, kommentierte Zorc. (sid/mit dpa)