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Fehlt in Riesa Baugrund?

Es gibt zu wenig Platz für Häuslebauer, sagen Makler. Der erste Blick auf das Angebot spricht dagegen.

Von Britta Veltzke

Riesa. Am Ende ist es dann doch eine Doppelhaushälfte statt ein neues Eigenheim geworden. Thomas Bothmann hat mit seiner Frau und den beiden Kindern so lang nach einem passenden Baugrundstück gesucht, bis die Einsicht kam: Das perfekte Fleckchen Erde in – oder in der Nähe von – Altriesa gibt es nicht. „Das ist eine super Lage: Trinitatisschule nicht weit, Musikschule dicht dran, Einkaufmöglichkeiten, Stadtpark, Innenstadt, Gut Göhlis, Sachsen-
arena“, schwärmt der Familienvater. Um dort zu bleiben, wo die Bothmanns jetzt schon leben, kauften sie sich nun eben die fertige Haushälfte in der Nähe des Poppitzer Platzes – im Sommer steht der Umzug in die eigenen vier Wände an. Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun: „Eine Summe in Höhe des Kaufpreises müssen wir sicher noch einmal in das Haus investieren, um es wohnlich zu machen“, sagt Thomas Bothmann. „Für das Geld hätten wir auch bauen können.“ Er kenne auch noch weitere Familien, die derzeit in Riesa vergeblich nach Bauland suchten.

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Ingeborg Reinacher, als Stadträtin Mitglied im Bauausschuss (CDU) und Kennerin des Riesaer Immobilienmarktes, befürchtet, dass junge Familien einfach in die Nachbardörfer abwandern, wenn sie in Riesa kein passendes Baugrundstück finden – in die Gemeinde Stauchitz oder nach Strehla zum Beispiel. „Riesa muss mehr tun, um eigene Baugrundstücke zu erschließen“, sagt sie. Angesichts der Haushaltslage der Stadt eine Herausforderung – aber eine lösbare, meint Reinacher: „Die Stadt sollte Kredite aufnehmen und mit dem Geld Bauplätze erschließen. Durch die Vermarktung kommt das Geld wieder rein. Und wenn man es geschickt anstellt, bleibt sogar noch etwas übrig.“

Der OB will es ändern

Die Stadt Riesa hat derzeit keinen einzigen Bauplatz mehr im Angebot. Doch der Oberbürgermeister möchte das ändern. Als Nächstes solle in Zusammenarbeit mit der Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) ein neues Wohngebiet an der Segouer Straße (Weida) erschlossen werden. „Das Grundstück hat nach wie vor hohe Priorität als Eigenheimstandort. Der Bedarf wird ja an der Thomas-Müntzer-Straße und am Heideberg sehr deutlich“, sagt Marco Müller (CDU). Die Entwicklung dieses Standorts sei aber noch von grundsätzlichen Entscheidungen zur Stadtentwicklung abhängig. „Deshalb war bisher noch keine abschließende Klärung möglich und die Planung seitens der WGR konnte noch nicht beginnen“, so Marco Müller weiter.

Doch auf den ersten Blick sieht das derzeitige Angebot in Riesa gar nicht mal so rar aus: An der August-Bebel-Straße steht ein über 1000 Quadratmeter großes Grundstück zum Verkauf, ebenso in der Delle im Amselweg –  und mit rund 50 Euro pro Quadratmeter scheint auch der Preis für eine innenstadtnahe Lage nicht überteuert. Weitere Angebote gibt es an der Strehlaer Straße oder in Jahnishausen. Und wer günstiges Bauland haben will, kann auf die ländlichen Ortschaften Pochra oder Mautitz ausweichen. Ingeborg Reinacher, die vor ihrem Ruhestand selbst als Maklerin gearbeitet hat, hält das Angebot dennoch nicht für ausreichend: „Wenn jemand das Geld in die Hand nimmt, um neu zu bauen, dann gibt man sich nicht mit irgendeiner Baulücke mit Blick auf einen Plattenbau zufrieden“, erklärt sie.

Nicht zu nahe dran

Diesen Eindruck haben auch andere Makler in Riesa. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem“, sagt Silvana Plätzer von Zipf & Partner Immobilien. Von klassischen neuen Baugebieten, in denen ein Neubau neben dem nächsten steht, hält sie aber auch nichts: „Für den größten Teil unserer Kunden ist das nichts, wenn sie dem Nachbarn die Butter aus dem Fenster reichen können.“ Die meisten suchten große Grundstücke.

Und auch Makler Götz Schumann hält die Auswahl an Bauland für zu schmal. Auch der Preis spiele eine große Rolle: „Wer Glück hat, findet etwas für 50 oder 60 Euro pro Quadratmeter.“ Preise, die deutlich darüber liegen, könnten sich viele schon gar nicht mehr leisten. Daher ist die WGR von ihrem ursprünglichen Quadratmeterpreis für Grundstücke am Heideberg inzwischen auch wieder abgewichen.