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Feilschen um die Fördermittel

Die Stadtpolitik hat diesmal das Geld für die Vereine noch etwas anders verteilt als bisher – und dabei klare Prioritäten gesetzt.

© Montage: SZ

Von Eric Weser

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Gröditz. Wenn dieser Kuchen verteilt wird, dann reichen die verfügbaren Stücke nie, um den Appetit zu stillen. Die Rede ist von der Sonderförderung, die die Stadt Gröditz jährlich an ihre Vereine ausschüttet. Dem angemeldeten Finanzbedarf der Vereine – reichlich 52 000 Euro – standen knapp 23 000 Euro gegenüber.

Insoweit hat sich zu den Vorjahren wenig geändert. Die Wünsche der Vereine sind regelmäßig größer als die Verteilmasse. Neu war, wie das Geld diesmal vergeben wurde. Schon in den vergangenen Jahren hatten Stadträte kritisiert, dass das Rathaus Verteilvorschläge macht, denen die Räte dann folgen sollten. Das sei zu wenig Mitsprache, reklamierten Abgeordnete.

Deshalb kam es diesmal anders: Für jeden Klub wurde der Sonderzuschuss einzeln ausgetüftelt. Das Ergebnis: Mehrere Vereine – darunter der Super Dance Club, der FV Gröditz 1911, TSV Blau-Weiß oder das Bündnis für Demokratie – profitieren dieses Jahr stärker als bisher. Beispiel der Super Dance Club: In den vergangenen Jahren mit anderthalbtausend Euro bedacht, hätten die Stadträte den Tänzern diesmal am liebsten 2 400 Euro gegeben. Dass es letztlich nicht ganz so viel geworden ist, liegt daran, dass der Fördertopf nach dem Verteilen aller Gelder wieder etwas überbucht war – und der Fairness halber bei jedem Verein prozentual etwas gekürzt wurde, um das Budget einzuhalten. Was für den Tanzklub letztlich gut 2 200 Euro bedeutet – was wiederum Chefin Kerstin Weißert freut: „Sehr schön.“ Ihr Verein, der bald in den Dreiseithof umzieht, kann das Geld unter anderem für Garderoben und Regale gut gebrauchen. Vor allem die Anschaffung neuer Tanzkostüme koste. Mit deutlich mehr Geld bedacht, als vom Rathaus vorgeschlagen, wurde auch der Kleingartenverein am Nordrand. Der will an seinem Eingang nahe der Langen Straße einen Parkplatz mit acht bis zehn Stellplätzen bauen. Das Geld dürfte dabei helfen, die geplante Stellfläche am Ende der Langen Straße herzustellen.

Mit weniger Stadtzuschüssen als erhofft müssen sie dagegen beim Radsportverein auskommen. Mit 1 000 Euro billigten die Räte den Radsportlern nur die Hälfte der Vorjahressumme zu – durch die zusätzliche Minderung sind es am Ende nur noch rund 910 Euro. Ein herber Verlust, „Das wird man nicht gleich ausgleichen können“, sagt Vereinschef Jürgen Grütze. Schon so sei es nicht einfach, Geldgeber zu finden. Da sein Verein das jährliche Radrennen in Lampertswalde ausrichtet, seien Gröditzer Sponsoren abgesprungen. Am Austragungsort finde man dagegen keine, weil die ihr Geld lieber den örtlichen Vereinen geben. Gleichzeitig würden die Kosten fürs Ausrichten der Radrennfahrt steigen, etwa fürs Mieten der Zeitnahmesysteme. Wo die Radsportler den gestrichenen Tausender einsparen, weiß Jürgen Grütze derzeit noch nicht.

Freud und Leid liegen nach dem Verteilen der Sonderförderung bei den Gröditzer Vereinen also nah beieinander. Bei den Entscheidern im Stadtrat zeigt man sich unterdessen zufrieden mit dem diesmal gewählten Verteilprozedere. Zumal die Befürchtung, dass die Debatte ausarten könnte, sich nicht bestätigte. Zwar gibt es zwischen den Ratsfraktionen Unterschiede bei den Prioritäten: Gerade Linke und Freie Wähler würden bei den großen Vereinen mehr sparen wollen. Der ganz große Streit blieb allerdings letztlich aus. Einerseits, weil Linke und Freie Wähler keine Mehrheit im Stadtrat haben. Andererseits war man sich fraktionsübergreifend einig, vor allem die im Bereich Kinder- und Jugendarbeit tätigen Vereine besonders zu unterstützen.