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Felix kommt wieder

Der junge Pickauer lebt und arbeitet in Dresden. Noch. Seinen Traum vom Leben will er sich hier erfüllen.

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© Steffen Unger

Von Lina Stephan

Ein Haus im Grünen. Die Kinder toben im Garten. Schön wird’s werden, wenn Felix Herrmann irgendwann wiederkommt. Zurück aufs Land. Zurück in die Heimat. Er sieht das schon genau vor sich, obwohl so vieles noch in den Sternen steht. Ausbildung und Studium hat er noch nicht abgeschlossen. Und die Frau noch nicht gefunden für den Traum. „Für mich steht aber fest, dass ich später hier leben will, in meiner Heimat“, sagt der 21-Jährige. Er sieht nicht schwarz wie viele andere, wenn es um die Zukunft der Region und seine eigene hier geht.

Wann diese Zukunft startet, ist freilich noch ungewiss. Erst einmal genießt Felix das Jungsein. Arbeitet, lernt, geht feiern, lebt in einer WG. In Dresden, nicht in Bischofswerda. Dort, wo einfach mehr los ist, das Leben pulsiert und viel spontaner sein kann. Leben hier ist schön. Doch wirklich Heimat ist das für Felix Herrmann nicht, sagt er. Eher eine Station, auf die er nicht verzichten will. Er ist und bleibt ein Junge von hier. „Als Kind wohnte ich in Geißmannsdorf, Pickau und Großharthau. Mit sechs Jahren zog ich mit meiner Mutter und meiner Schwester in eine Wohnung in der Nähe des Tierparks in Bischofswerda, später in ein Haus nach Pickau.“ Nach dem Abitur lebte er dann beim Vater in der Nachbarschaft und startete seine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann bei der Firma Mainmetall in Bretnig. Weit fort gehen wie andere seiner Schulfreunde war keine Option. „Ich hatte keinen Grund wegzuziehen. Das Unternehmen hat einen guten Ruf, ich konnte daheim wohnen bleiben und meine Freunde sehen. Das war mir einfach wichtig.“ Viele Freunde hätten sich ganz bewusst entschieden, hier zu bleiben. Weil es auch hier gute Ausbildungs- und später Jobchancen gäbe.

Dresden ist die schönste Stadt

Im zweiten Lehrjahr packte Felix jedoch die Chance, in der Dresdner Filiale seines Ausbildungsbetriebes zu arbeiten. Ihm gefiel`s. Er blieb. Seit Oktober wohnt er in einer WG in Löbtau, mit Jungs aus seiner Heimat. „Dresden ist für mich die schönste Stadt Deutschlands. Hier kann man schnell mal in die Kneipe, ins Kino, zum Shoppen oder nach Feierabend spontan mit Freunden am Elbufer grillen.“ Im Gegensatz zu Schiebock seien Wege zu Freunden kurz, und es fahren Straßenbahnen und Busse im Minutentakt.

Nach dem Abschuss im nächsten Sommer beginnt Felix ein berufsbegleitendes Studium in Dresden. Noch will er nicht weg aus der Großstadt. „Mir ist aber trotzdem wichtig, den Kontakt hierher nicht zu verlieren. Ich versuche, alle zwei Wochen nach Pickau zu kommen und meine Familie zu sehen“, so Felix. Und schmunzelt. Ein leckeres Essen gibt es immer. An zwei Abenden in der Woche kommen die Jungs aus der Löbtauer WG zum Fußballtraining beim SV Burkau. Felix hängt dran. Weil es ein Stück Heimat ist, er hier verwurzelt und anerkannt ist. Weil ihn das Team braucht. Felix ist keiner von denen, die es wegzieht auf Nimmerwiedersehen. „Und doch ist Heimat für mich eigentlich kein konkreter Ort, Heimat ist dort, wo Familie und Freunde sind“, sagt er. Heimatgefühl sei nicht spießig. Ebenso wenig wie beruflicher Ehrgeiz oder der Wunsch nach Familie. „Bischofswerda wird für mich immer der ideale Ort für Kinder bleiben. Ich könnte mir niemals vorstellen, dass meine eigenen in einer Vier-Zimmer-Wohnung mitten in der Stadt leben. Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Das sollen meine Kinder auch“, sagt Felix Herrmann. „Na klar gibt es hier für junge Leute weniger zu erleben. Das wird wohl auch in Zukunft nicht viel besser werden. Ich kann verstehen, dass viele weggehen. Aber für Familien ist und bleibt es der ideale Ort.“ Felix Herrmann schätzt außerdem diesen Zusammenhalt, den es auf Dörfern viel mehr als in Städten gäbe, wie auch die Nähe zu den Nachbarn. Mit denen will er irgendwann grillen im eigenen Garten hinterm eigenen Häuschen, das man sich auf dem Lande wohl eher leisten kann als in der Stadt. Mindestens genauso nett wie das Dresdner Elbufer.